Die Raubkunst-Debatte ist auch in Zug ein Thema

Soll Kunst, die aus der Kolonialzeit stammt und in Europa ausgestellt wird, zurückgegeben werden? Ein Bericht aus Frankreich hat darauf eine klare Antwort. Unsere Zeitung hat nachgefragt, wie die Situation beim Missionsmuseum der Menzinger Schwestern aussieht.

Carmen Rogenmoser
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Wie sollen europäische Museen mit Kolonialkunst umgehen? Diese Frage wird derzeit intensiv diskutiert, insbesondere in Deutschland und Frankreich. Präsident Emmanuel Macron hat einen entsprechenden Regierungsbericht in Auftrag gegeben. Dieser besagt: Frankreich soll geraubte Kunstgüter aus der Kolonialzeit anstandslos zurückgeben (siehe Box). Nun war die Schweiz keine Kolonialmacht. Das schützt aber nicht davor, ebenfalls Raubkunst zu besitzen. Diese könnte über Umwege ebenfalls in die hiesigen Museen gelangt sein. Betroffen sind in erster Linie Völkerkundemuseen. Aber auch im Kanton Zug ist das Thema angekommen, im ehemaligen Missionsmuseum der Schwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen etwa.

Macron hat die Diskussion befeuert

(cro) Der französische Präsident Emmanuel Macron hat zwei Kunstexperten eingesetzt, die einen Regierungsbericht zum Thema Raubkunst aus der Kolonialzeit verfassten. Bei den beiden Experten handelt es sich um Felwine Sarr, einen senegalischen Wirtschaftstheoretiker, und die Französin Bénédicte Savoy. Sie lehrt an der Technischen Universität Kunstgeschichte und ist beim Humboldt-Forum, wo das Thema Raubkunst ebenfalls für viele Diskussionen sorgt. Dort ist sie vor kurzem zurückgetreten. Gefordert wird im Bericht einerseits, dass die Ausbeute von Kriegen und Kolonialexpeditionen ohne weiteres zurückzugeben seien und andererseits, dass die übrigen Kunstgegenstände, die in der Kolonialzeit (von 1885 bis 1960) vor allem aus Zentral- und Westafrika geholt wurden, über bilaterale Abkommen an afrikanische Museen zurückerstattet werden sollen. Ausnahmen gelten, wer den Nachweis erbringen kann, dass er das Objekt «aus freien Stücken», etwa als Geschenk, erhalten hatte. Die Aufruhr ist gross: So wird beispielsweise die Zerstörung ganzer Museen befürchtet. Und die Frage steht im Raum, ob afrikanische Museen die wertvollen Objekte überhaupt aufnehmen können.

Unzählige Schätze waren dort ausgestellt, Mitbringsel der Schwestern aus den Missionsgebieten. «Etwa Handarbeiten, die den Schwestern meist als kleinere Zeichen der Anerkennung für ihre Tätigkeit geschenkt wurden», erklärt Schwester Ursula Maria Niedermann, Rätin der Schwesterngemeinschaft auf Nachfrage. Von der Debatte bezüglich der Raubkunst sei man glücklicherweise nicht betroffen, so die Schwester. Die Kongregation wurde 1844 von Schwester Bernarda Heimgartner und Pater Theodosius Florentini als franziskanische Gemeinschaft von Frauen gegründet. Die Schwestern setzten sich vor allem für die Bildung junger Menschen ein. 1883 schliesslich folgte der Schritt ins Ausland.

Tätigkeit in Afrika, Asien und Südamerika

Die Schwestern machten sich für die Ausbildung von Mädchen und Frauen stark und halfen unter anderem, Spitäler aufzubauen. Die Mission führte die Schwestern zunächst nach Afrika. Über die Jahre hat sich ihre Tätigkeit bis nach Indien, Sri Lanka und Südamerika ausgeweitet. Dort gibt es noch immer Schwesterngemeinschaften dieser Kongregation.

Die Schwestern brachten so viele Objekte aus der Fremde mit nach Hause, dass 1985 schliesslich beschlossen wurde, dafür ein Museum einzurichten. «Im Rahmen der Museumsgestaltung wurden einige Ausstellungsgüter gezielt erworben, um den Besuchern einen Einblick zu geben in Kult und Kultur der Menschen der jeweiligen Einsatzgebiete der Schwestern», sagt Schwester Niedermann. Zu den Ausstellungsstücken gehörten etwa Schlangenhäute, Leopardenfelle sowie Speere und Lanzen. Momentan befindet sich das Mutterhaus im Umbau. Das Missionsmuseum ist geschlossen, wird neu ausgerichtet und soll einen neuen Platz erhalten.

Fachleute helfen bei der Neuausrichtung

«Wir sind daran, zusammen mit Fachleuten eine Ausstellung zu konzipieren mit dem Schwerpunkt: Geschichte unserer Schwesterngemeinschaft, Gründung und Entwicklung auf verschiedenen Kontinenten», erklärt Schwester Niedermann. Einige Objekte werden auch in der neuen Ausstellung wieder zu sehen sein. Die Schwester sagt:

«Bevor wir mit der Räumung des Missionsmuseums angefangen haben, liessen wir uns durch verschiedene Experten beraten.»

Zu den Experten gehören Mitarbeiter und Kuratoren des Museums Rietberg in Zürich sowie des Völkerkundemuseums Zürich. Diese hätten festgestellt, dass es sich bei den Ausstellungsgegenständen grösstenteils um sorgfältig hergestellte Handarbeiten, nicht aber um Objekte von historischer Bedeutung handle. «Einige Ausstellungsobjekte wurden inzwischen weitergegeben, zum Beispiel an das Archäologische Institut der Universität Zürich, Devotionalien übernahm das Historische Museum Luzern und einige Objekte wurden als Anschauungsmaterial der Kantonsschule Menzingen geschenkt.»