RAUBTIER: Luchs kommt Zuger Wäldern immer näher

Die Wildkatze findet man in der Zentralschweiz. Unklar ist aber, wie stark diese schon im Kanton Zug beheimatet ist.

Ernst Meier
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Im Tierpark Goldau und im Wildnispark Zürich in Sihlwald (Bild) kann man die grösste Raubkatze Europas beobachten. (Bild: PD)

Im Tierpark Goldau und im Wildnispark Zürich in Sihlwald (Bild) kann man die grösste Raubkatze Europas beobachten. (Bild: PD)

Alleine zieht er durch die Schweizer Wälder, des Nachts und in der Dämmerung ist er auf der Jagd. Seine Augen sehen auch in der Dunkelheit, sein Gehör ist ausgezeichnet. Die Pinsel an seinen Ohren verstärken die Fähigkeit, Lautquellen zu orten – gleichzeitig sind sie das markante Zeichen, an dem man die Raubkatze erkennt. Falls man den Luchs überhaupt zu sehen bekommt! Denn Luchse sind sehr menschenscheu. Etwa 130 ausgewachsene Tiere sollen laut einer Zählung des Bundes in den Schweizer Wäldern leben – gegen 15 davon zählte man im Kontrollgebiet «Zentralschweiz West» (Luzern, Bern, Nid- und Obwalden; siehe Ausgabe vom 11. Oktober).

Bleibt die Frage: Streifen auch Luchse durch die Zuger Wälder? «Nein», heisst es bei Peter Ulmann, Leiter Amt für Fischerei und Jagd des Kantons Zug. «Bei den jüngsten Erhebungen im Winter 2010/2011 konnten keine Spuren von einem Luchs auf Zuger Kantonsgebiet nachgewiesen werden.» Während der Kontrollperiode seien verschiedene Gebiete der Schweiz, welche zusammenhängende Jagdreviere umfassen, auf Luchsspuren überwacht worden. Zug gehört dabei mit Schwyz und Teilen von Glarus zum Gebiet Zentralschweiz Ost. Dieses wird durch die natürlichen Hindernisse Reuss und Vierwaldstättersee vom Gebiet Zentralschweiz West getrennt. «In Schwyz konnten durch Überwachungen mit Fotofallen Luchse nachgewiesen werden, in Zug jedoch nicht», sagt Ulmann. Damit schliesse er aber nicht aus, dass schon mal einer durch die Wälder im Ägerital oder am Zugerberg gestreift sei.

Landwirt vermutet Luchs in Zug

Dass die bis zu 26 Kilogramm schweren Tiere auch bei uns auf die Jagd gehen, davon ist Gerhard Merz überzeugt. Der Landwirt aus Unterägeri ist viel in den Wäldern des Ägeritals zu Fuss unterwegs, wie er sagt. «Ich habe schon Spuren gesehen, die ganz bestimmt von einem Luchs stammen. So im letzen Winter», erzählt er. Auch Rehkadaver habe er auf seinen Touren schon gefunden. «Die Reste eines Tieres, welches nur von einem Luchs erlegt worden sein kann», sagt Merz. Überprüfen liess er die Spuren aber nie. Eine weitere Feststellung lässt ihn auf die Anwesenheit des Luchses schliessen. «2012 habe ich praktisch bei jedem Spaziergang Hasen beobachten können», sagt Merz. Manchmal habe er an einem einzigen Abend bis zu sieben Stück gesehen. «In diesem Jahr scheinen die Hasen verschwunden zu sein. Nur einmal habe ich einen gesehen.» Der passionierte Wildbeobachter glaubt, dass der Luchs im Kanton Zug mit den Wildhasen eine reichhaltige «Vorratskammer» gefunden hat. «Ich habe im Winter Spuren entdeckt, die davon zeugten, wie ein Luchs ein Hase durch den Schnee jagte.»

«Wir bekommen immer wieder Meldungen von Personen, die glauben, Spuren eines Luchs gefunden zu haben», sagt Peter Ulmann dazu. Man gehe den Hinweisen nach. «Bis heute hat sich aber kein gesicherter Nachweis auf den Luchs ergeben», sagt der Leiter Amt für Fischerei und Jagd des Kantons Zug. «Auch nicht bei Kot- oder Speicheluntersuchungen.»

Platz für Jäger und Luchs

Bei den Zuger Jägern kennt man ebenfalls keine bestätigten Hinweise auf die Anwesenheit des Raubtiers. «Ein Luchs reisst pro Jahr zirka 50 Rehe. Im Kanton Zug gibt es gegen 1000. So gesehen, könnte es dem Luchs bei uns gefallen», sagt Alfred Meier, Präsident Zuger Kantonaler Patentjägerverein. «Falls er nicht schon hier ist, so ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis er einwandert», meint Alfred Meier. Jäger würden mit der Anwesenheit der Grosskatze leben können. «Breitet sich der Luchs aber zu stark aus, wird man eine Regulierung des Bestandes – so wie bei anderen Wildtieren – diskutieren müssen.»

Luchsin Aika kam nahe

Der Luchs ist die grösste Raubkatze Europas und wurde durch die zunehmende Zersiedelung der Schweiz im 19. Jahrhundert ausgerottet. Zur ersten Freilassung eines Luchses – im Rahmen des Wiedereinführungsprogrammes – kam es 1971 im Kanton Obwalden. Laut des Vereins Kora, welcher das Leben von ausgesetzten Wildtieren mit Sendern verfolgt, wurde die Luchsin Aika 2003 in der Nähe der Kantonsgrenze von Zürich und Zug gepeilt. «Zuger Boden hat Aika aber nie betreten», weiss Kora-Mitarbeiter Fridolin Zimmermann. «Am 29. April 2006 gab es zudem eine nicht überprüfbare Sichtbeobachtung eines Luchses südöstlich der Gemeinde Zug. Das ist die einzige Luchs-Meldung aus dem Kanton Zug, die uns seit der Wiederansiedlung gemeldet wurde.»