Reaktionen reichen von «sehr erfreut» bis «sehr ärgerlich»

Samantha Taylor
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Parteistimmen Der Ausgang der Abstimmung hat unter den Baarer Parteien und den Fraktionen des Zuger Stadtparlaments teilweise für Stirnrunzeln gesorgt. «Ich bin sehr überrascht», sagt der Baarer FDP-Präsident Michael Arnold. Er habe die Stimmung anders eingeschätzt. «Während der Informationsveranstaltungen in Baar wurde sehr sachlich und ruhig diskutiert», sagt Arnold. Es sei darum auch schwer zu sagen, woran das Nein der Baarer gelegen sei. «Das gilt es jetzt zu eruieren, und je nachdem, was dabei herauskommt, muss das Projekt angepasst werden», findet Arnold.

Als grosses Fragezeichen wertet Barbara Häseli, Baarer CVP-Präsidentin, das Ergebnis ihrer Gemeinde. Sie bedauert den Entscheid und betont: «Wir müssen uns jetzt fragen: Was wollen wir in Zukunft für Baar?» Ihrer Meinung nach könnte die Ablehnung mit den Dimensionen des Projekts zusammenhängen. «Man hatte wohl Angst, dass das Ganze für Baar zu gross wird. Tatsache ist aber, dass wir verdichten müssen, und das nicht nur im Unterfeld», so Häseli.

Keine «Ursachenforschung» betreiben möchte Bernadette Hölzl. «Das bringt jetzt nichts», ist die Präsidentin der GLP-Ortsgruppe Baar überzeugt. Zwar bedauert auch sie das Nein aus Baar. Jetzt gelte es aber, nach vorne zu schauen und aus den Fehlern zu lernen. «Ich bin der Meinung, dass die Bevölkerung zu wenig eingebunden und informiert wurde, und das Nein ist das Ergebnis. Viele hatten den Eindruck, die Katze im Sack zu kaufen.»

Der Baarer SVP-Präsident Oliver Wandfluh ist der Meinung, «dass es ein gutes Projekt gewesen wäre». Er hofft, dass der Entscheid für die Gegner des Projekts nicht zu einem Bumerang werde. «Es ist wichtig, dass hier trotzdem eine Einheit und ein neues sinnvolles Projekt entstehen. Ich hoffe, dass nicht jede Parzelle verstückelt überbaut wird», so der SVP-Präsident. Seiner Meinung nach wäre es zwar denkbar, dass Zug und Baar künftig getrennte Wege gehen. «Wünschenswert ist das aber nicht.»

Klare Vorstellungen, wie ein nächstes Projekt aussehen könnte, haben die linken Parteien in Baar. «Ein neues Projekt muss luftiger sein und mehr Bezüge zum Umfeld und zu den umliegenden Quartieren schaffen», sagt Anna Lustenberger, Präsidentin der Alternative-die Grünen (ALG). Ihre Partei sei darum sehr erfreut über den Ausgang der Abstimmung. Zu überdenken seien das Verkehrskonzept, die Anzahl Gewerbeflächen, die Zahl der preisgünstigen Wohnungen auf Baarer Boden und ganz grundsätzlich die Dimensionen. «Wir haben immer gesagt, dass wir nicht gegen Wachstum oder eine Überbauung an diesem Ort sind. Aber dieses Projekt war zu viel», so Lustenberger weiter.

Dem stimmt auch der Baarer SP-Präsident Zari Dzaferi zu: «Uns störte insbesondere das ungünstige Verhältnis zwischen Gewerbe- und Wohnanteil sowie das überdimensionierte Bauvolumen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies auch viele Bürgerinnen und Bürger ähnlich gesehen haben.» Der Ball liege nun wieder bei den Investoren. Diese seien jetzt gehalten, die Kritikpunkte aufzunehmen und den Bebauungsplan zu überarbeiten. «Dann wäre dieser auch breiter abgestützt und hätte eine bessere Chance in einer erneuten Abstimmung.» Zudem, so findet Dzaferi, müsse eine grundsätzliche Diskussion stattfinden, wie sich der Kanton Zug weiterentwickeln solle.

Klare Forderungen der linken Fraktionen

Die Forderungen der linken Fraktionen des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug klingen ganz ähnlich wie jene ihrer Baarer Parteikollegen. Die Höhe der Gebäude, das Verkehrskonzept und auch die Nachhaltigkeit seien zu überdenken, findet Astrid Estermann, Gemeinderätin Alternative-CSP. «Wir sind ausserdem der Meinung, dass die Verbindung zu den anderen Quartieren besser gelingen muss. Das Projekt darf sich nicht nach innen abschotten.» Zudem hoffe man auf eine konkretere Planung bei den Gewerbeflächen.

SP-Fraktionschef Urs Bertschi sieht das Nein aus Baar und damit die nötige Überarbeitung als Chance. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Überbauung im Unterfeld. Ganz und gar nicht. Aber es war nicht das richtige Projekt.» Für Bertschi ist klar, dass das Nein der Baarer sowie das knappe Ja aus Zug nur dem Projekt selbst galten. «Ich glaube nicht, dass es eine generelle Absage ans Wachstum war.» Mit diesem Resultat erhalte man die Chance, etwas zu planen, das Hand und Fuss habe. «Ich hoffe, dass die Mitwirkung bei einem weiteren Projekt verstärkt wird, damit wirklich etwas Gutes entstehen kann.»

Anderer Meinung bezüglich der Ursachen für das Nein ist CVP-Fraktionschef Benny Elsener. Verdichten sei ein Wort, das nach wie vor vielen Angst mache. «Die Zuger und die Baarer sind noch nicht so weit, das Verdichten zu akzeptieren, obwohl wir das einfach müssen. Denn wir sind immer mehr Leute.» Für Elsener ist deshalb klar, dass das insgesamt knappe Abstimmungsergebnis vor allem die Skepsis der Bevölkerung gegenüber dem Wachstum zeigt.

«Es war ein gutes Projekt und meiner Meinung nach ganz und gar nicht überdimensioniert. Umso bedauerlicher ist es, dass es jetzt vom Tisch ist», findet SVP-Fraktionschef Jürg Messmer. Welche Lehre daraus zu ziehen sei, sei schwer zu sagen. «Vor allem auch deshalb, weil jetzt wieder völlig offen ist, was uns für ein Nachfolgeprojekt erwartet. Das steht in den Sternen.»

«Sehr ärgerlich», findet FDP-Fraktionschef Stefan Moos das Ergebnis. «Es wurde für dieses Projekt sehr viel Aufwand betrieben, und jetzt war das alles für nichts. Das ist schade», findet Moos. Er sei sehr gespannt, wie nun im Unterfeld weiterverfahren werde. «Es ist völlig offen. Ich hoffe einfach, dass es wieder ein gutes Projekt gibt.»

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch