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RECHT: «Eine strikte Durchsetzung des Verbots ist kaum möglich»

Fotografieren ist in Badeanstalten generell nicht erlaubt. Trotzdem wird es immer wieder gemacht. Das Kontrollieren gestaltet sich als äusserst schwierig.
Andreas Faessler
Das Fotografieren und Filmen ist in den meisten Badeanstalten generell nicht erlaubt. Aber eine strikte Durchsetzung des Verbots wird kaum praktiziert. (Bild Stefan Kaiser)

Das Fotografieren und Filmen ist in den meisten Badeanstalten generell nicht erlaubt. Aber eine strikte Durchsetzung des Verbots wird kaum praktiziert. (Bild Stefan Kaiser)

Spätestens mit dem Aufkommen von Smartphones ist Filmen und Fotografieren zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort faktisch eine Selbstverständlichkeit geworden. Vielen Nutzern ist allerdings nicht bewusst, dass das wahllose Fotografieren und Filmen in der Öffentlichkeit nicht unbedenklich ist, denn es gilt grundsätzlich das so genannte Recht am eigenen Bild: Das Bundesgericht sagt, dass alle identifizierbaren Personen auf einem Bild oder in einem Film – auch wenn sie im Hintergrund sind – ihre Zustimmung geben müssen.

Und wenn Hobby- und Handyfotografen an Orten wie Badeanstalten knipsen, wo viele situationsgemäss leicht bekleidete Leute, darunter viele Kinder, auf kleinem Raum sich aufhalten, erhält die Sache eine noch delikatere Note. Badibetreiber sind sich der Problematik wohl bewusst. Bei einigen Anstalten wird bereits am Eingang deutlich auf das Fotografierverbot hingewiesen.

Aufsicht und Erste Hilfe gehen vor

So etwa im Strandbad Zug. Doch werde es angesichts der Tatsache, dass mittlerweile so viele Leute ein Smartphone haben, immer schwieriger, die Kontrolle zu behalten, räumt Badmeister Peter Schuermann ein und fügt an, dass deshalb eine strikte Durchsetzung des generellen Fotografierverbotes kaum praktizierbar sei. «Denn dann hätten wir gar keine Zeit mehr für Aufsicht und Erste Hilfe», so Schuermann. Somit lasse man die Leute Fotos machen, solange niemand sich belästigt fühle oder dies nicht beispielsweise verdächtig nahe vom Planschbecken oder am Strand geschehe. «Fällt uns diesbezüglich eine Person auf, so erklären wir ihr das Verbot und behalten sie im Auge.» Nennenswerte bedenkliche Vorfälle hat man im Strandbad Zug bis anhin jedoch nicht zu verzeichnen.

Dasselbe meldet auch das Hallen- und Freibad Lättich in Baar. Hier, wo das Fotografier- und Filmverbot in der Badeordnung festgelegt ist, sucht man bei Verdachtsfällen ebenfalls zuerst das direkte Gespräch, denn gelegentlich gebe es Hinweise von den Besuchern an das Personal. «In der Regel ist die Situation mit dem Gespräch jedoch schnell geklärt», sagt Bruno Hoppler, Abteilungsleiter Liegenschaften/Sport der Gemeinde Baar. Stelle man fest, dass inakzeptable Aufnahmen gemacht werden, so würde die Polizei hinzugezogen. Eine mögliche Folge wäre beispielsweise ein Hausverbot. «Macht jemand ein Selfie, oder filmt etwa ein Vater die ersten Schwimmzüge seines Kindes, so wird das toleriert. Im Zweifelsfall würde die betreffende Person aufgefordert, die gemachte Aufnahme vorzuzeigen.» Aber auch in diesem Fall sei ein Gespräch in der Regel bereits zielführend, sagt Bruno Hoppler.

«Soziale Kontrolle»

Die Badeordnung der Bäder Cham weist nicht ausdrücklich auf ein generelles Film- und Fotografierverbot hin, es gelten hier jedoch die öffentlich-rechtlichen Bestimmungen, heisst, dass erkennbare Personen auf dem Bild ihre Zustimmung geben müssen. Pascal von Däniken, Badmeister Bäder Cham, relativiert: «Für uns Badmeister sind hier gesunder Menschenverstand sowie Fingerspitzengefühl gefragt.» Man schreite nicht ein, wenn beispielsweise Jugendliche mit einer so genannten Action Cam ihre Sprünge vom Sprungturm filmen, Besucher auf der Wiese Selfies knipsen oder wenn Eltern ihren Nachwuchs bei den Schwimmversuchen aufnehmen. Wird irgendwo auffällig fotografiert, so kann man sich auch in der Badi Cham auf die Aufmerksamkeit der Besucher stützen. «Es gibt sozusagen eine gegenseitige ‹soziale Kontrolle›», stellt von Däniken fest. Jedenfalls hat es auch in Cham noch keine bedenklichen Verstösse gegen die Fotografierregeln gegeben. «Das Badmeisterteam muss zwar ab und zu Personen auf die geltenden Bestimmungen aufmerksam machen. Bei sämtlichen mir bekannten Fällen handelte es sich aber um harmlose Verstösse», sagt der Badmeister. Sollte dies einmal nicht fruchten, wären die Konsequenzen klar. «Im Wiederholungsfall kann die Person weggewiesen werden. Bei unsittlichen Fotografierabsichten wird die Person damit konfrontiert und allenfalls die Polizei zugezogen.» Seitens Badeanstalt wäre das Hausverbot die Folge.

Wie in den erwähnten Bädern setzt man in der Badi Seeliken in Zug ebenso auf das freundliche Hinweisen und allenfalls das Gespräch, wenn fotografiert wird. «Auch wir setzen dabei auf den gesunden Menschenverstand», sagt Badmeisterin Christina Simeon. Ein striktes Fotografierverbot stehe in der Seeliken ausser Frage. «Die Aussicht ist bei uns viel zu schön, um keine Fotos zu machen», sagt sie und lacht. Allerdings sei es schon mehrmals vorgekommen, dass Leute mit zweifelhaften Fotografierabsichten beobachtet wurden. Die seien dann aber jeweils sehr schnell verschwunden, nachdem sie entdeckt worden waren. «In einem Fall mussten wir die Polizei rufen», erinnert sich die Badmeisterin. Da habe ein Betrunkener gezielt badende Mädchen abgelichtet. Der sei dann entfernt worden.

Auf den Hintergrund achten

«Verstösse gegen das Recht am eigenen Bild sind nicht im Straf-, sondern im Zivilrecht geregelt», erklärt Sandra Peier, Mediensprecherin der Zuger Polizei. Somit könne jemand, der sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt fühle, Klage beim Gericht einreichen. Das Strafgesetz kennt zwar einen Artikel, der die «Verletzung des Geheim- oder Privatrechts durch Aufnahmegeräte» regelt, «doch greift dieser im Falle von Badeanstalten nicht, weil der Aufenthalt dort in der Öffentlichkeit stattfindet», so Sandra Peier weiter. Strafrechtlich gehöre nicht zum geschützten Bereich, was sich in der Öffentlichkeit abspiele und von jedermann wahrgenommen werden könne.

Obschon eine Badeanstalt einen öffentlichen Bereich darstellt, handelt es sich oft um Privatgrund. Darum sei primär zu beachten, ob in der Hausordnung das Fotografieren verboten wird. «Wir empfehlen grundsätzlich, keine fremden Personen zu fotografieren, vor allem keine fremden Kinder.» Weiter sei darauf zu achten, dass auch im Hintergrund (etwa bei Selfies) keine fremden Personen im Bild erkennbar seien. Zudem sollten Fotos mit fremden Personen nicht ins Internet hochgeladen werden.

Andreas Faessler

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