Leserbrief
Rechtssicherheit und faire Verhandlungen auf Augenhöhe

Zur Abstimmung über die Teilrevision des Denkmalschutzgesetzes am 24. November

Drucken
Teilen

In Zug können Sie ohne Baubewilligung Ihr Haus umbauen und aushöhlen, wenn Ihr Eigentum auf der Wunschliste des Amtes für Denkmalschutz steht. Aktive Unterstützung leistet dabei das Baudepartement: «Wir unternehmen nichts», so der Originalton zu einem radikalen Umbau eines Nachbarn! Es geht um knallharte Interessen. Dass der Kantonsrat am 31. Januar 2019 überhaupt die Notwendigkeit sah, ein neues Denkmalschutzgesetz zu verabschieden, hängt wohl mit dem bis dato praktizierten Vorgehen der Denkmalschutzbehörde zusammen, und hier muss ich leider die gut gemeinten Diskussionen und nostalgischen Bildli vom Zytturm und Chilleli ein wenig stören und die erlebte Realität schildern, denn für nichtbetroffene Bürger wird es nicht einfach sein, den Durchblick zu erhalten. Es ist offenbar so, dass ein Umbauwilliger im Schutz der Ämter seine Liegenschaft aushöhlen, umbauen und – in diesem statisch so heiklen Terrain – sogar Wände herausreissen kann. Das alles ohne Baugenehmigung und ohne Rissprotokoll. Ein Vorgehen, das für ortsansässige Architekten unvorstellbar ist. Erst danach werden die Objekte unter Denkmalschutz gestellt. Honi soit qui mal y pense.

Unsere Überbauung besteht juristisch nicht aus Eigentumswohnungen, sondern aus Terrassen-Einfamilienhäusern. Nach schon jetzt gültigem Recht muss zwingend mit jedem einzelnen Hausbesitzer individuell verhandelt werden, doch darüber setzt sich die Behörde bisher grosszügig hinweg. Ökologisch und baulich entsprechen die meisten unserer Häuser den heutigen Standards nicht mehr, doch dringend notwendige Anpassungen wären nach der Unterschutzstellung nicht mehr möglich. Für eine so einschneidende Massnahme wie die Teilenteignung musste ich zudem eine gewisse Willkür feststellen, weil man nicht einmal über die grundlegendsten Einträge des Grundbuchamtes informiert war.

Es wird Zeit, dass die Unterschutzstellungsverfahren offen und legal abgewickelt werden. Dann können auch wir mit voller Überzeugung unser bauliches Kulturgut hegen, pflegen und schützen. Wer, der seine Heimat und die Kultur der Vergangenheit liebt, könnte dagegen sein? Dies wird mit dem neuen Gesetz gewährleistet sein. Es bringt Rechtssicherheit und faire Verhandlungen auf Augenhöhe zwischen den Behörden und den Hausbesitzern. Der beste Weg, die Terrassenhäuser im Zentrum von Zug zu erhalten, ist ein Ja zum neuen Denkmalschutzgesetz.

Lotti Pfund, Terrassenweg, Zug

Aktuelle Nachrichten