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RECHTSSTREIT: Historisches Haus im Oberägerer Dorfzentrum wird abgebrochen

Nach vierjährigem Rechtsstreit zwischen der Eigentümerin und dem Heimatschutz hat das Verwaltungsgericht nun dem Abbruch des Gebäudes an der Hauptstrasse 4 grünes Licht erteilt. Es soll an seiner Stelle ein Neubau entstehen.
Das historische Gebäude an der Hauptstrasse in Oberägeri wird nun nach 4-jährigem Rechtsstreit zum Abriss freigegeben. (Bild: Maria Schmid)

Das historische Gebäude an der Hauptstrasse in Oberägeri wird nun nach 4-jährigem Rechtsstreit zum Abriss freigegeben. (Bild: Maria Schmid)

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Es ist ein schlichtes, rund 250-jähriges Haus im Dorfzentrum, um das in der Gemeinde Oberägeri in den vergangenen vier Jahren erbittert gekämpft wurde. Die Eigentümerin, die Mathis Meier Architekten AG, wollte den Abbruch und die Realisierung eines Neubaus, der Heimatschutz und das Bauforum Zug unter der Federführung von Meinrad Huser machten sich für den Erhalt und die fachgerechte Sanierung stark. Nach dem letzten Entscheid des Verwaltungsgerichts für die Eigentümerin ist das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Gebäude aus dem Inventar der schützenswerten Denkmäler entlassen worden (siehe Box).

Meinrad Huser, Präsident des Zuger Heimatschutzes, bedauert den Entscheid des Verwaltungsgerichts: «Das Gebäude hat einen sehr hohen wissenschaftlichen, kulturellen und heimatkundlichen Wert – so wie es das Gesetz über Denkmalpflege, Archäologie und Kulturgüterschutz als Schutzvoraussetzung vorsieht.» Dies habe der Regierungsrat in seinem ersten Entscheid vom 3. März 2015 selbst festgestellt. «Auch das Verwaltungsgericht hat diese Einschätzung nicht als fehlerhaft bezeichnet.»

Der Zuger Heimatschutz ist der Meinung, dass ein Gebäude, das die nach dem Gesetz sehr hohen Voraussetzungen für den Schutz erfüllt, erhalten werden muss. Den privaten Interessen stehen öffentliche entgegen. «Unsere Vergangenheit muss erhalten werden. Wenn ein Gebäude die Voraussetzungen erfüllt, ist es ein ausserordentlicher Zeitzeuge. Je mehr solcher Zeugen verschwinden, desto mehr verlieren wir das Verständnis für die Vergangenheit und damit auch für unsere Herkunft», ist Huser überzeugt.

Gutachten bestätigt Machbarkeit

Ein Gutachten, welches im Verlauf des Prozesses von einem auf den Umbau historischer Holzbauten spezialisierten Architekten eingeholt wurde, besagt, dass das Haus substanzerhaltend saniert werden könnte. Dabei geht der Experte von Kosten in der Höhe von rund 990 000 Franken aus für eine langfristige Erhaltung, wovon rund 150 000 Franken von Kanton und Gemeinden übernommen würden. Der Regierungsrat anerkannte zwar die Schutzwürdigkeit des Wohn- und Geschäftshauses, äusserte jedoch Zweifel an der Verhältnismässigkeit der Unterschutzstellung beziehungsweise an der Zumutbarkeit der Substanzerhaltung für die Eigentümerschaft. Die Sanierung, so argumentierte er, habe unweigerlich eine massive Einschränkung der Gebäudenutzung zur Folge. In diesem Fall gelte es, die privaten Interessen der Eigentümerschaft über jene der Öffentlichkeit zu stellen. Dieser Einschätzung folgte auch das Verwaltungsgericht und wies die Beschwerde ab.

«Der Entscheid erscheint uns unglaublich»

Die Verantwortlichen des Zuger Heimatschutzes nahmen dies zur Kenntnis und bezahlten die Gerichtskosten sowie eine Parteientschädigung. «Der Entscheid erscheint uns unglaublich, wird doch ein Gebäude mit offensichtlichem und von allen Verfahrensbeteiligten anerkanntem sehr hohem Wert zum Abriss freigegeben», betont Huser. Das Verwaltungsgericht habe im Rahmen einer Interessenabwägung, die in einzelnen Teilen stark die politische Diskussion im Kanton und der Gemeinde Oberägeri berücksichtigt habe, einen Wertungsentscheid gefällt. «Die Sachlage hätte durchaus auch einen anderen Entscheid zulassen können», ist er überzeugt. Der Zuger Heimatschutz und das Bauforum Zug hätten intensiv über einen Weiterzug des Falls ans Bundesgericht diskutiert. «Aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt der hohen Kosten wegen, verzichten wir jedoch darauf.»

Die Eigentümer der Liegenschaft erklärten auf Anfrage, sie würden momentan auf eine Stellungnahme verzichten.

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