Strafgericht Zug: Einem Mann werden sexuelle Handlungen mit Kindern vorgeworfen

Einem bald 40-jährigen Mann wirft die Staatsanwaltschaft zahlreiche Sexualdelikte vor. Die Verteidigung scheitert mit zwei Anträgen.

Marco Morosoli
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Wie ein Schwerverbrecher sah der Mann, der sich gestern vor dem Strafgericht zu verantworten hatte, nicht aus. Die Justizorgane waren jedoch anderer Meinung. Sie führten ihn mit Fussfesseln vom Lift her ins Gerichtsgebäude.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Informatiker vor, dass er mehrfach Kinder geschändet, sexuelle Handlungen mit Kindern vorgenommen und sich im Darknet in der Schweiz verbotene Pornografie beschafft und geteilt habe. Das verlangte Strafmass: vier Jahre Gefängnis. Der Mann verdiente an seiner letzten Stelle gegen 200000 Franken jährlich. Aber nur mit dem Bonus, wie er betonte. Trotz dieses Lohns lebte er in einer kleinen Einzimmerwohnung in der Stadt Zug, die den Eindruck einer Vorstufe der Verwahrlosung vermittelte.

Der Angeklagte antwortete ausweichend

Philipp Frank, der Referent des Strafgerichts, stellte dem Beschuldigten viele detaillierte Fragen, doch die wohl erhofften Antworten kamen nicht. Der Beschuldigte wiederholte einen Satz oft: «Ich kann nur über das reden, was ich weiss.» Um später bei einer anderen Frage des Prozessführers die übliche Standardantwort zu liefern: «Daran kann ich mich nicht erinnern.»

Wenn diese Standardfloskel nicht passte, redete er einfach von allem anderen, ohne aber Bezug auf die Fragen des Strafgerichtsvorsitzenden zu nehmen. Da wäre es prozessökonomischer gewesen, hätte er einfach geschwiegen. Der Beschuldigte ist ja gemäss Strafprozessrecht nicht zu Aussagen verpflichtet.

Schwere Anschuldigungen

Die Staatsanwaltschaft geizte nicht mit Anschuldigungen. Zweimal soll der Mann sich an Kleinkindern sexuell vergangen haben. In der Anklageschrift versuchte die Staatsanwaltschaft zwar nach Kräften, heikle Begriffe zu umgehen, was aber ab und an nicht gelang. Zudem: Details über Neigungen, die gemeinhin als abartig gelten, tun in diesem Fall so oder so kaum etwas zur Sache, denn es geht um die Tatbestände an sich.

Wobei der Verteidiger des bald 40-Jährigen in seinem Plädoyer aus der Fassung des Schweizerischen Militärstrafgesetzes aus den 1980er-Jahren zitierte, in welchem Homosexualität in der Armee noch unter Strafe stehe. Für ihn sei diese Orientierung allerdings ein angeborenes Merkmal. Der Verteidiger wollte mit seinem Zitat offenbar Parallelen aufzeigen: «Wenn er (der Angeklagte) pädosexuelle Neigungen hätte, dann könnte er nichts dafür.» Und auf die Forderungen des Staatsanwalts zielend, bemerkte der Verteidiger: «Der Strafantrag ist mit 48 Monaten Gefängnis völlig überrissen.»

Die Frage nach den Beweisketten

Der Verteidiger hatte schon kurz nach Sitzungsbeginn am Morgen einen ersten, fast 70 Minuten dauernden Sitzungsunterbruch herbeigeführt. Er erachtete die vorliegenden Akten als unvollständig. Dies vor allem im Hinblick auf den Tatvorwurf des Besitzes pornografischer Bilder, die sich der Mann im Darknet beschafft und mit anderen Nutzern geteilt haben soll. In einem weiteren Manöver wollte der Verteidiger dann der Staatsanwaltschaft die Spitze nehmen, indem er befand, dass im Ausland beschaffte Beweise «nicht verwertbar» seien. Der Verteidiger zielte dabei auf Protokolle von Dateien. Aber auch diesem Ansinnen widersetzte sich der Referent der Verhandlung Aufgrund der vorgerückten Stunde eröffnet das Gericht das Urteil schriftlich. Eines scheint klar: Dieser Prozess geht bald vor Obergericht weiter.