Regierungsrat Hürlimann: «Vielleicht probiere ich sogar ein E-Bike aus»

Nachgefragt

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Die Entwicklung der Mobilität und welche Strategie der Kanton dabei fahren möchte, ist auch eine hochpolitische Angelegenheit. Baudirektor Urs Hürlimann gibt einen Ausblick, wie der Kanton Zug dereinst mit den Pendlerströmen umgehen möchte und welche neuen Massnahmen man in Betracht zieht.

Urs Hürlimann, wie kommen Sie von Hünenberg aus zur Arbeit nach Zug?

Ich fahre heute durchwegs mit dem Auto von Hünenberg nach Zug (schmunzelt).Ich bin mir aber dessen bewusst, dass es auch die Stadtbahn, den ZVB-Bus oder das Velo gäbe. Für mich als ehemaliger Gesundheitsdirektor wäre das Velo eine Alternative.

Warum entscheiden Sie sich trotzdem fürs Auto?

Zugegeben, es ist bequem, von Tür zu Tür mit dem Auto zu reisen. Ich muss so keine Rücksicht auf das Wetter oder auf Bus- und Bahnfahrpläne nehmen und bin sogar noch schneller – in der Regel. Nun zu meinen Vorsätzen fürs Jahr 2017: Da ich ja als Baudirektor die Verkehrsplanung zu verantworten habe, fahre ich ab Frühling auch mal mit der Stadtbahn oder dem Velo zum Arbeiten. Vielleicht probiere ich sogar ein E-Bike aus.

Der Kanton Zug wächst und damit auch die Zahl der Zu- und Wegpendler, die das Auto anscheinend auch mögen. Welche Herausforderungen bringt das?

Vielfältige auf jeden Fall. Es gibt viele Fragen im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Verkehrs. Fahren zukünftig alle Pendler zu viert im Auto, oder gar im selbstfahrenden Vehikel nach Zug zur Arbeit? Wann greift diese Entwicklung, und verringern sich dadurch die Verkehrsprobleme? Wir wissen es heute nicht und müssen trotzdem eine Verkehrsplanung andiskutieren. Ich bin dezidiert der Meinung, dass wir die vom Volk beschlossenen Infrastrukturen auf der Strasse, der Schiene, aber auch für das Velo bauen müssen. Ich meine damit die Tangente und die Umfahrung Cham–Hünenberg. Aber auch das dritte Gleis zwischen Baar und Zug oder die Doppelspur in Walchwil sind wichtig für die Bahn.

Gemäss Kantonsplaner René Hutter stehen drei Lösungsansätze zur Diskussion: der Ausbau von Strassen, Lenken und Steuern etwa mit Lichtsignalen oder intelligenten Steuerungen und Mobility-Pricing. In welche Richtung wird es dereinst gehen?

Die Antwort auf diese Frage kann ich heute nicht geben. Vielleicht gibt es sanfte Ablösungen: Fertigbauen der genehmigten Infrastrukturbauten, gleichzeitig Verstärkung des Lenkens und Steuerns sowie fliessender Übergang ins Mobility-Pricing. Ein Tanker braucht Zeit, um den Kurs zu ändern.

Solche Veränderungen haben stets Gegenwind. Wie überzeugen Sie Kritiker davon?

Aus meiner Sicht ist zentral: Zeit lassen zum Denken. Wir müssen nicht heute ein Mobility-Pricing einführen, aber wir müssen heute über die Konsequenzen diskutieren.

Gibt es seitens des Kantons bezüglich der einen oder der anderen Richtung bereits konkrete Ideen oder angedachte Massnahmen?

Nein, in dieser Frage sind wir noch völlig offen. Es wäre falsch, jetzt mögliche Ergebnisse der anstehenden Arbeiten vorwegzunehmen.

Zug ist interessiert, beim Mobility-Pricing als Pilotkanton zu fungieren. Gespräche mit dem Bund laufen dazu. Wo steht man heute, und wie geht es weiter?

Ja, wir reichten dem Bund erste Vorstellungen für denkbare Ansätze ein. Der Regierungsrat ist bereit mitzudenken, nur dürfen für uns keine Kosten entstehen, welche wir nicht eh hätten für die Erarbeitung des Verkehrskonzeptes. Wir hoffen auf eine Win-win-Situation mit dem Bund: Er zahlt und erhält weitere Fakten für seine Überlegungen zum Mobility-Pricing auf Bundesebene, und wir steuern unser Wissen bei und können so wichtige Grundlagen für die weiteren Arbeiten zu Gunsten des Kantons Zug gewinnen. (st)