Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REGIERUNGSRAT: «Wir kämpfen mit harten Bandagen»

Sie ist die einzige Frau und die einzige Linke im Zuger Regierungsrat: Manuela Weichelt-Picard. Seit genau 100 Tagen führt sie als Frau Landammann diese Regierung. Eine erste Bilanz.
Harry Ziegler
Manuela Weichelt-Picard führt seit genau 100 Tagen als Frau Landammann die Zuger Regierung. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Juli 2016))

Manuela Weichelt-Picard führt seit genau 100 Tagen als Frau Landammann die Zuger Regierung. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 18. Juli 2016))

Interview: Harry Ziegler

harry.ziegler@zugerzeitung.ch

Seit genau 100 Tagen führt Manuela Weichelt-Picard (49) den Zuger Regierungsrat. Frau Landammann Weichelt ist seit 2007 Regierungsrätin und steht der Direktion des Innern vor. Sie ist Mitglied der Alternative-die Grünen (ALG), war von 1994 bis 2002 Kantonsrätin und Fraktionschefin der Partei. Sie ist die einzige Frau im Siebnergremium. Manuela Weichelt ist verheiratet, Master of Pu­blic Health und lebt in Zug.

Frau Landammann Manuela Wei­chelt-Picard, Sie haben in einem Interview mit unserer Zeitung Ende des letzten Jahres gesagt, unter Ihrer Führung würden die Sitzungen des Regierungsrates wieder um 9 Uhr beginnen. Wann beginnen sie denn nun?

Um 9 Uhr, wie es früher traditionell üblich war. Das Sitzungsende schwankt jedoch, und je nach Traktanden sind wir mal schon um 16 Uhr oder – wie etwa beim Grossprojekt Finanzen 2019 – erst um 18 Uhr abends fertig.

Sie haben auch von Entschleunigung der Politik gesprochen. Ist Ihnen das bereits gelungen?

Ich arbeite erfolgreich daran. Die Gesetzesarbeit bei «Finanzen 2019» wurde auf 2020 verschoben, denn dies ist und bleibt ein grosser Brocken, der mit Bedacht gestemmt sein will. Zudem muss das Projekt mit der Finanzstrategie 2017 bis 2025 in Einklang sein. Diese strebt nicht nur einen kurz-, sondern einen mittelfristig ausgeglichenen Staatshaushalt an.

Man sagt, Regierungsratsmitglieder müssten Alphatiere sein. Sind Sie eines?

Es kommt darauf an, was Sie darunter verstehen. Wenn mit Alphatier autoritär, dominant, machthungrig und nicht kompromissbereite Leader gemeint sind, denen ihre Stellung über alles geht, bin ich es nicht. Wenn damit jedoch eine selbstbewusst, engagiert agierende und entscheidungsfreudige Führungspersönlichkeit gemeint ist, die ein Team motivieren und mitziehen kann, identifiziere ich mich gerne mit dem Begriff. Seien wir ehrlich: Im Regierungsrat sitzen neben mir noch sechs weitere Alphatierchen, die alle viel individuellen Gestaltungswillen an den Tag legen und leidenschaftlich politisieren. Das ist primär positiv. Dabei müssen wir aber bei allen Entscheidungen immer den Blick fürs Ganze wahren und nie vergessen, welch grosse Verantwortung wir beim Regieren gegenüber dem Gemeinwohl tragen.

Wie ist es für Sie als einzige Frau den männlichen Restregierungsrat zu führen?

Ich fühle mich respektiert, habe Freude an der Aufgabe und nehme sie gerne wahr. Mein Vorteil ist, dass ich nun schon zehn Jahre Regierungserfahrung habe. An den Umstand, dass ich die einzige Frau im Gremium bin, möchte ich mich nicht gewöhnen. Es wäre längst an der Zeit, eine Kollegin in der Exekutive zu haben.

Begegnet man Ihnen als Frau Landammann in der Öffentlichkeit anders als vorher?

Durchaus. Der Bekanntheitsgrad ist grösser geworden, aber auch die Erwartungen sind gestiegen. Generell erlebe ich viel Wohlwollen, von den zahlreichen schönen direkten Begegnungen mit dem Volk gar nicht zu reden. Neulich an der Veranstaltung Quer durch Zug machte der Speaker per Mikrofon euphorisch auf meine Präsenz aufmerksam und verkündete: «Es ist das erste Mal, dass eine Frau Landammann an unserer Veranstaltung teilnimmt.»

Was ist für Sie das aktuell wichtigste Geschäft auf der politischen Agenda des Kantons?

Auch wenn mit «Finanzen 2019» gespart werden muss, ist mir wichtig, dass soziale Themen und die Natur weiterhin Gehör finden. Die 65 Millionen, um die der Staatshaushalt entlastet werden soll, sind kein Pappenstiel. Viele Menschen und Themenbereiche sind direkt von diesem Projekt betroffen, denn es gibt Personal- und Leistungsabbau, und das Verursacherprinzip wird mehr berücksichtigt. Das Gute ist, dass der Kantonsrat und allenfalls später auch die Bevölkerung die Massnahmen einzeln diskutieren und darüber befinden können. Diese Auseinandersetzung wird ganz wichtig und trägt im Idealfall dazu bei, dass sich direkt und indirekt Betroffene mit den Massnahmen anfreunden können. Auch die moderate Steuererhöhung, mit der die Zuger Regierung 50 Millionen Mehreinnahmen generieren will, kann dazu beitragen, dass die Sparmassnahmen eine Akzeptanz erfahren.

Welches Geschäft aus Ihrem Departement des Innern liegt Ihnen besonders am Herzen?

Das Projekt «InBeZug». Die Abkürzung steht für individuelle und bedarfsgerechte Unterstützung für Zugerinnen und Zuger mit Behinderung. Der Kanton Zug will in der Behindertenunterstützung die Menschen mit ihren Fähigkeiten und ihrem Bedarf künftig noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Nach einem entsprechenden Grundsatzentscheid der Regierung nahm das kantonale Sozialamt im Januar die Arbeit an diesem Projekt auf. Ziele sind: mehr Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen und – auch hier – ein wirkungsvoller Einsatz der Kantonsfinanzen.

Wie viel Mehraufwand haben Sie nun als Frau Landammann gegenüber früher?

Intern kommt es zu ein paar Mehrstunden für die Vor- und die Nachbereitung der Sitzungen. Da ich als Frau Landammann zudem der Staatskanzlei vorstehe, ist dies ein weiterer Verantwortungsbereich. Was die öffentlichen Auftritte anbelangt, muss ich hier anders Prioritäten setzen und das «nice to go» vom «must go» trennen. Anlässe, an denen ich 10 Jahre lang regelmässig teilgenommen habe und wo meine Präsenz als selbstverständlich gesehen wurde, lasse ich eher mal aus und entscheide mich stattdessen für einen Grossanlass, an dem ich zuvor noch nie aufgetreten bin und auf ein neues, mir weniger vertrautes Publikum stosse.

Worauf freuen Sie sich am meisten in den kommenden zwei Jahren? Gibt es einen Anlass, auf den Sie sich speziell freuen?

Gross ist die Vorfreude auf zwei Anlässe mit der Regierung. Wir planen in diesem Jahr einen kulturell umrahmten Arbeitsbesuch im Kloster Muri-Gries, die etwas modernere Ausführung der Pilgerreise unserer Vorfahren im Regierungsrat. Für 2018 steht eine Reise in meine Heimat Graubünden an. Ich erhoffe mir davon eine Stärkung des Teamgeistes. Denn wir kämpfen immer wieder mit harten Bandagen, doch letztlich sind wir alle nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Ein Höhepunkt wird sicher auch die 50-Jahr-Feier des EVZ vom 5. Mai, zu der ich eingeladen bin und an der wir auf die Erfolge in der Vereinsgeschichte – dieses Jahr hoffentlich als Meister – anstossen und diese würdigen werden.

Wohin möchten Sie den Kanton Zug in Ihren zwei Jahren als Frau Landammann führen?

Ich möchte einen sozialen und natur­nahen, aber auch selbstbewussten, mutigen und experimentierfreudigen Kanton Zug. Wir dürfen nicht in Sparpanik geraten und ängstlich werden. Denn im Idealfall generiert das Sparen nicht einfach nur Opfer oder Verlierer, sondern kreativen Geist und bringt uns auf neue, unkonventionelle Ideen, auf die man aus Bequemlichkeit oder vor lauter Routine vielleicht bis jetzt gar nicht gekommen ist. Etwas weniger Glanz und Glamour, dafür mehr Bescheidenheit oder auch Unkonventionalität stünde uns gut an. Gute Spielfelder dafür sind das seit Jahrzehnten leer stehende Theilerhaus und die Shedhalle in Zug, zwei wunderbare Orte mit riesigem Potenzial, um Zug Süd auf mannigfaltige Art auch für Generationen der Zukunft zu beleben.

Wie sieht Ihre politische Zukunft aus: Stellen Sie sich 2018 zur Wiederwahl?

Ein Leben ohne Politik könnte ich mir im Moment nur schwer vorstellen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.