Regionale Handelsmesse in Zug: Im Metalli sprüht der jugendliche Unternehmergeist

Seit Montag, 2. März, findet in der Stadt Zug die Regionale Handelsmesse statt. Jugendliche präsentieren dort ihre Ideen – und ziehen die Kundschaft in ihren Bann.

Pascal Studer
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Die Kantischülerinnen Kim Vogel (links) und Jana Güntert preisen ihr Bananenbrot an.

Die Kantischülerinnen Kim Vogel (links) und Jana Güntert preisen ihr Bananenbrot an.

Bild: Maria Schmid (Zug, 4. März 2020)

Licht dringt durch die gläserne Überdachung der Einkaufsallee im Metalli. Im Aussenbereich des Kaffees Speck sitzen einige Senioren. Die Gäste plaudern gelöst miteinander, rauchen Zigaretten. Manchmal wandern ihre Blicke umher und ruhen kurz auf dem weissen Komplex, der gleich vor der Migros steht. Dort nämlich findet seit Montag die Regionale Handelsmesse Zug statt, bei welcher Jugendliche an ihren Ständen ihre Geschäftsideen vorstellen und Produkte verkaufen.

Hinter einem der Stände stehen Jana Güntert und Kim Vogel. Die beiden Schülerinnen der Kantonsschule Zug hatten die exotische Idee, Backmischungen für hawaiianische Bananenbrote zu verkaufen. Die beiden 16-Jährigen tragen eine passende Bluse, welche blumig bedruckt ist. Hinter ihnen sticht das Logo ihres Unternehmens «Bananaloha» an einer provisorischen Stellwand hervor.

Man merkt: Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, der Auftritt ist gelungen. «Wir haben die Backmischung selbst gemacht», beginnt Vogel, das Produkt zu erklären. Es sei einfach, das Brot zu backen, man brauche dazu nur eine Schüssel und die entsprechenden Zutaten. Die beiden führen weiter aus, wie sie die letzten paar Monate als Geschäftsführerinnen erlebt hatten. Vor allem in Sachen Teamwork hätten sie viel gelernt. «Auch haben wir gemerkt, dass wir uns sehr gut organisieren müssen», sagt Vogel. Und Güntert ergänzt:

«Es geht um das Sammeln von Erfahrungen: Was braucht es letztlich, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen?»

Auch eine Frau hört den beiden aufmerksam zu. Sie hat soeben in der Migros eingekauft, die Tasche ist eigentlich bereits voll, ihre Packung Haushaltspapiere muss sie unter dem Arm tragen. Doch sie ist beeindruckt. «Sehr schön», meint sie anerkennend – und kauft sogleich eine Backmischung. Das Geld wird lächelnd übergeben, die beiden Kantonsschülerinnen strahlen – und merken gleichzeitig, dass bereits die nächste Kundin wartet: Eine ältere Dame macht sich daran, ein Stück Bananenbrot zu probieren.

An diesem Mittwochmorgen herrscht allerdings nicht nur hawaiianisches Flair im Metalli. Auch andere Produkte stellen jungen Unternehmer und Unternehmerinnen vor. Etwa Abbinash Sathananthan und Ella Seeberger von der Wirtschaftsmittelschule Luzern. Die beiden sind heute die Vertreter von «Lusto» – einem Kofferwort aus «Luzern», «Pesto» und «Gusto» – dem italienischen Begriff für Geschmack. Beeindruckend ist, wie die beiden die Digitalisierung nutzen, um ihre Produktgeschichte zu erzählen: Hinter ihnen läuft ein Film, wie ihr Pesto aus regionalen Zutaten zubereitet wird. Mit einem Tablett zeigen sie den Kunden zudem ihren Auftritt im Internet.

Veranstalter sind stolz

Organisiert hat diesen Anlass der Verein Young Entreprise Switzerland (YES). Die Non-Profit-Organisation ist seit über 20 Jahren in der Schweiz tätig und betreut praxisorientierte Wirtschafts- und Meinungsbildungsprogramme für Schülerinnen und Schüler. Verantwortlich für die Zentralschweizer Messe ist Simon Gerig. Er ist sichtlich stolz auf seine Schützlinge. «Das Niveau wird jede Jahr besser», findet er. Grund dafür sei vor allem der immer grösser werdende Erfahrungsschatz, aber auch das Engagement der regionalen Schulen sei vorbildlich. Er sagt zudem:

«Es ist schön, die Entwicklung der Jugendlichen während des Programms zu beobachten – auch in persönlicher Hinsicht.»

Doch nun gilt es für die Jungunternehmerinnen und -Unternehmer ernst: Der Mittag steht kurz bevor, das Metalli füllt sich allmählich, Kunden müssen angesprochen und zum Kauf überzeugt werden. Dies ist auch ein entscheidender Moment für Gerig – immerhin muss er die Arbeit der Jugendlichen auch bewerten. Den Gewinnern winken dabei eine Teilnahme an der nationalen Messe. Zudem dürfen die regionalen Siegerteams die Schweiz an der Europäischen Handelsmesse in litauischen Kaunas vertreten. Ob die internationale Jury dort hawaiianisches Brot, Luzerner Pesto oder ein anderes Produkt bewertet, entscheidet sich am 18. März.