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REISE: Sie sind von Baar aus in die Welt aufgebrochen

Monika Estermann und Robert Spengeler waren elf Jahre mit dem Velo unterwegs. Und sie haben noch immer nicht genug.
Robert Spengeler und Monika Estermann sind elf Jahre mit dem Velo durch die Welt gereist. Unter anderem haben sie das chinesische Qinghai-Plateau (Bild rechts) und Kambodscha durchquert. (Bilder Werner Schelbert/PD)

Robert Spengeler und Monika Estermann sind elf Jahre mit dem Velo durch die Welt gereist. Unter anderem haben sie das chinesische Qinghai-Plateau (Bild rechts) und Kambodscha durchquert. (Bilder Werner Schelbert/PD)

Samantha Taylor

11 Jahre, 42 Länder, 30 000 Kilometer zu Wasser und über 82 000 Kilometer zu Land: Das ist zusammengefasst die Bilanz, die Monika Estermann und Robert Spengeler heute ziehen können. Die beiden haben in den letzten Jahren die Welt bereist. Länger und intensiver als geplant. Denn das Paar war fast ausnahmslos mit dem Fahrrad unterwegs. Und es wollte eigentlich nach zwei Jahren wieder zurück sein. 2004 sind Estermann und Spengeler aufgebrochen, seit Anfang Jahr sind sie nun zum ersten Mal wieder in der Schweiz. «Dass aus zwei Jahren elf wurden, ist irgendwie einfach so passiert», sagt Monika Estermann, die vor ihrer Abreise in Baar gewohnt und gearbeitet hat. Von der Schweiz aus ist das Paar mit dem Velo über Deutschland durch Osteuropa in die Türkei, durch den Iran nach Pakistan und Indien geradelt. Indien war das ursprüngliche Ziel. «Wir konnten und wollten nicht aufhören. Wir sind weiter durch Tibet und Nepal bis Südindien.» Und auch dort war noch nicht Schluss. Das Paar beschloss, so viel wie möglich von der Welt mit dem Velo zu erkunden.

Dass sich die beiden überhaupt für eine so abenteuerliche Reise entschieden hatten, verdankten sie einem Bericht. «Ich habe in einem Magazin einen Artikel über eine Frau gelesen, die eine solche Veloreise in den 1990er-Jahren gemacht hat», erzählt Estermann. Das habe sie inspiriert.

Grosse Strapazen

Ihr Weg führte die zwei von Südindien aus mit einer kleinen Jacht über den Indischen Ozean nach Malaysia. «Eine solche Überfahrt würden wir heute wohl nicht mehr machen», sagt Robert Spengeler. «Der Skipper war als junger Mann im Vietnamkrieg. Das hat ihn geprägt. Er war ziemlich verrückt, fast etwas lebensmüde», berichtet der heute 51-Jährige. Hinzu kam, dass sie kurz vor der Reise an Malaria erkrankten und mit den Auswirkungen zu kämpfen hatten. «Das war ziemlich schlimm», erzählt Estermann. Die Strapazen waren jedoch schnell vergessen. «Südostasien war paradiesisch», schwärmt die gebürtige Luzernerin. Das Paar radelte bis nach China, gelangte nach Japan und schliesslich nach Südkorea. Von dort aus ging es ans andere Ende der Welt. Mit einem Containerschiff setzten sie über nach Mexiko. Drei Jahre lang bereisten sie den amerikanischen Kontinent – von Alaska bis nach Patagonien.

Diverse Gelegenheitsjobs

In diesem Teil der Welt gaben sich die beiden dann auch öfter etwas sesshaft. Nicht zuletzt, um sich ihr Abenteuer zu finanzieren. «Natürlich haben wir vor unserer Reise sehr bewusst bescheiden gelebt und gespart», sagt Spengeler. Aber dieses Polster sei irgendwann aufgebraucht gewesen. «Wir haben darum an diversen Orten Freiwilligenarbeit geleistet gegen Kost und Logis.» Daneben hätten sie vor allem in den USA und in Kanada viele kleine Gelegenheitsjobs erledigt. «Wir haben bei der Renovation von Häusern geholfen, geputzt, Orangen oder Kirschen geerntet oder Gartenarbeiten erledigt. So konnten wir uns immer über Wasser halten», erzählt Estermann. Sie hätten dabei sehr bescheiden gelebt. «Das braucht auch Disziplin», erklärt die heute 43-Jährige. Essen in Restaurants, Hotels oder neue Kleider hätten sie sich kaum leisten können. «Dafür haben wir viele einmalige Orte gesehen und viel Gastfreundschaft erfahren.» Sie hätten beispielsweise in Peru in einem Kindergarten übernachtet, in den USA bei diversen Leuten in Gärten campiert oder in Japan in Pärken die Nacht verbracht. Das Faszinierende sei dabei gewesen, so Spengeler, dass man sich auf die Grundbedürfnisse zurückbesinne. «Wir haben viel Zeit gebraucht für die einfachen Dinge, wie Essen oder Wasser zu beschaffen. Das war aber kein Problem. Das Schöne war ja, dass wir mehr Zeit als Geld hatten.»

Es war aber nicht allein das bescheidene Leben, das den Informatiker und die gelernte Malerin vorantrieben. Es waren auch die zahlreichen Begegnungen. Spengeler: «Im Iran haben wir von Frauen auf der Strasse Lebensmittel geschenkt bekommen. In Mexiko konnten wir mit Einheimischen grillieren und feiern, und in China haben wir mit Grenzwachen Zigaretten zur Freundschaftsbekundung ausgetauscht.» Und Estermann ergänzt: «Wir haben uns immer an einen Grundsatz gehalten. Und zwar, dass wir nett sind zu den Leuten. Das Buschtelefon funktioniert in solchen Ländern enorm schnell, man ist auf die Hilfe von Einheimischen angewiesen.»

Im Tourismus aktiv werden

Dass Monika Estermann und ihr Partner seit Anfang Jahr wieder in der Schweiz sind, hat familiäre Gründe. Ihr Reisehunger ist aber noch nicht gestillt. Denn bevor sie in die Schweiz kamen, haben sie ihre nächste Etappe begonnen. Südafrika. Die Velos sind noch dort, und im Herbst will das Paar wieder reisen. Voraussichtlich zwei Jahre werden die beiden noch durch Afrika radeln. Was danach kommt, ist offen. Sesshaft zu werden, ist für die Weltenbummler aber durchaus auch ein Thema. «Vielleicht machen wir etwas im Tourismusbereich.» Sie könnten sich etwa vorstellen, ein Guesthouse zu führen. Estermann: «Vielleicht in Kroatien oder in Montenegro oder auch im Wallis. Wir wissen es noch nicht.»

Hinweis

Heute Abend berichten Monika Estermann und Robert Spengeler in der Gewürzmühle, an der St.-Johannes-Strasse 40, von ihren Reisen. Der Anlass beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es gibt eine Kollekte.

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