Religionsunterricht im Kanton Zug wird weltlicher

Der Religionsunterricht im Kanton Zug soll grundlegend erneuert werden. In der Schule wird er künftig bekenntnisunabhängig gestaltet, während die Kirche mit der Katechese die konfessionelle Erziehung übernimmt.

Cornelia Bisch
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Guido Estermann in der Fachstelle Bildung-Katechese-Medien (BKM) der Katholischen Kirche Kanton Zug. (Bild: Werner Schelbert 24. August 2018)

Guido Estermann in der Fachstelle Bildung-Katechese-Medien (BKM) der Katholischen Kirche Kanton Zug. (Bild: Werner Schelbert 24. August 2018)

Mit der Umsetzung des Lehrplans 21 wird auch der Religionsunterricht im Kanton Zug weiterentwickelt. Eine wichtige Änderung ist die Neupositionierung von konfessionellem und bekenntnisunabhängigem Unterricht.

In der Schule wird künftig ein bekenntnisunabhängiger Religions- und Ethikunterricht von weltlichen Lehrpersonen für alle Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Daneben findet auch weiterhin der konfessionelle Religionsunterricht in der Schule statt und wird von kirchlichem Personal angeboten. Auch für den kirchlichen Religionsunterricht gibt es einen neuen Lehrplan. Die Fachstelle Bildung-Katechese-Medien BKM (siehe Box) des Kantons Zug entwickelte federführend die neuen Lehrmittel und wird ab dem laufenden Schuljahr Weiterbildungskurse für Religionslehrer anbieten.

«Beide Seiten, die kirchliche und die schulische, werden in engem Kontakt zueinander stehen.» Guido Estermann, Leiter Fachstelle BKM

Parallel zum Schulunterricht hätten sich auch Religionsunterricht und Katechese in den letzten Jahren weiterentwickelt, erklärt Guido Estermann, Leiter der Fachstelle BKM. «Der pädagogische Unterrichtsansatz ist heute viel kompetenzorientierter als früher.» Es gehe nicht mehr nur um Wissensvermittlung, sondern vor allem auch darum, dass die Schüler dieses Wissen anzuwenden lernten.

Wichtiger kirchlicher Beitrag zur Kulturbildung

Diese Grundlage sei der Motor gewesen für die Entwicklung des neuen kirchlichen Lehrplans. «Künftig wird in der Schule im kirchlichen Religionsunterricht die Vermittlung eines gesamtheitlichen Glaubenswissens das Zentrum bilden. Damit leistet die Kirche einen wichtigen Beitrag zur Kulturbildung. Ausserhalb der Schule werden zukünftig noch verstärkt Angebote für die kirchliche Sozialisation vorhanden sein».

Die Fachstelle bietet aber nicht nur kirchlichen Religionslehrpersonen  Unterstützung, sondern auch staatlichen Lehrpersonen. Dies nicht mit der Absicht, quasi durch die Hintertür Einfluss zu nehmen, sondern lediglich, um Hilfestellung zu leisten. «Beide Seiten, die kirchliche und die schulische, werden in engem Kontakt zueinander stehen. Wir hoffen, dass das übergreifend funktioniert», so Estermann.

Seit 40 Jahren auf Kurs

Die Fachstelle Bildung-Katechese-Medien BKM der Katholischen Kirche Zug wurde 1978 gegründet und während 30 Jahren von Edgar Hotz geleitet. «Es herrschte eine Zeit des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil», erklärt Guido Estermann, seit 2013 Fachstellenleiter. «Die Mitarbeit von Laien wurde aktiv gefördert. Für die Lehrtätigkeit im Religionsunterricht wurden qualifizierte Mitarbeiter gebraucht.» Deren Ausbildung und Unterstützung sei Aufgabe der Fachstelle BKM gewesen, so Estermann. Damals war der Lehrmittelmarkt in diesem Bereich nicht so gut ausgebaut wie heute. Die Fachstelle vermittelte deshalb Unterrichtsmaterial und gründete eine Mediothek. «Eine unserer zentralen Aufgaben ist bis heute die Vernetzung, Unterstützung und Stärkung der Religionslehrpersonen.» (cb)

Die neue Ausrichtung sei eine Herausforderung für die Religionslehrpersonen, betont Estermann. Die Fachstelle BKM plant nun bereits im laufenden Schuljahr 2018/2019 die Durchführung von Einführungskursen in den neuen kirchlichen Lehrplan für die Religionslehrpersonen . «Im Schuljahr 2019/2020 werden wir mit der Umsetzung beginnen», kündigt Estermann an. Man müsse sich aber schon bewusst sein, dass es fünf bis sieben Jahre daure, bis das neue Programm richtig greifen werde.