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Ausstellung: Komplexe Reminiszenzen an die Romantiker

Mit seiner aufwendigen Fotokunst transportiert Hiroyuki Masuyama Meister des 18. und 19. Jahrhunderts in eine neue Wirklichkeit. In Zug ist eine Auswahl an seinen Werken zu sehen.
Andreas Faessler
Sie wirken wie meisterliche Landschaftsmalerei des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts: die komplexen Fotoarbeiten des Japaners Hiroyuki Masuyama in der Galerie Reichlin. (Bild: Maria Schmid, Zug, 3. Oktober 2019)

Sie wirken wie meisterliche Landschaftsmalerei des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts: die komplexen Fotoarbeiten des Japaners Hiroyuki Masuyama in der Galerie Reichlin. (Bild: Maria Schmid, Zug, 3. Oktober 2019)

Ist es fotografisches Malen? Malerische Fotografie? Oder doch reine Fotokunst? Die Technik von Hiroyuki Masuyama will keine globale Definition zulassen. Und das ist gut so, denn mit der Unkenntnis davon, wie genau der Japaner seine Bilder zu dem macht, was sie sind, bleibt dem Erlebnis beim Betrachten etwas Geheimnisvolles anhaften. Und wenn man Masuyama nach dem Arbeitsprozess fragt, gibt er sich zurückhaltend mit Auskunft, so auch vergangene Woche an der Vernissage seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Reichlin in Zug.

Dass der Arbeitsprozess mit enormem Aufwand verbunden und zeitintensiv ist, sieht man seinen Werken ohnehin an. Es sind fantastische Welten voller Dynamik, visuell vereinen sie in sich das Beste, was die Landschaftsmalerei der Früh- und Hochromantik hervorgebracht hat: Die Bilder des japanischen Künstlers sind namhaften Ölgemälden und Aquarellen der bedeutendsten Maler jeder Epoche nachempfunden, welche Natur und Landschaft als Hauptmotive für sich entdeckt hat. Masuyamas Vorbilder sind Grössen wie Caspar Wolf, Caspar David Friedrich oder William Turner.

Letzterer liefert dem Japaner die intensivsten Anstösse. Die unnachahmliche Dramaturgie und das Spiel mit dem Licht in Turners Gemälden überträgt Masuyama in seine Fotokompositionen.

Wenn immer möglich, begibt sich der Japaner an jene mutmassliche Stelle, wo der Maler einst gestanden hat, um die Landschaft zu skizzieren. Masuyama nimmt Fotografien an diesem Ort auf, meist Hunderte davon, die jeweilige Lichtstimmung und Witterung spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit aufwendiger Technik legt der Künstler eine Vielzahl an ausgewählten Momentaufnahmen übereinander, bringt punktuell zusätzliche Elemente ein, verfremdet, wo nötig. Masuyama steuert den sukzessiven Aufbau der hochkomplexen Komposition dahingehend, dass das Endresultat dem Originalgemälde in seiner ganzen Sinnlichkeit und zuweilen surrealen Stimmung so ähnlich sieht, dass beide a prima vista kaum auseinanderzuhalten sind. Selbst kleinste Details wie Vögel in der Ferne, eine Figurenstaffage, ein Boot am Rande, ein durch die Wolkendecke dringender Sonnenstrahl oder gar die nicht der Realität entsprechenden Idealisierungen der historischen Maler bleiben berücksichtigt und formieren sich neu zum modernen Abbild einer vergangenen Wirklichkeit. Besonders frappant ist dieser Effekt im Falle der «Blauen Rigi». Masuyamas Werk möchte man für eine Sekunde für Turners Original halten, das derzeit im Rahmen der Sonderausstellung im Kunstmuseum Luzern zu sehen ist.

Die Absicht des Japaners ist wohlbemerkt nicht etwa das Kopieren neuer Meister des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts mit seiner Fototechnik, vielmehr sieht er seine Werke als persönliche Interpretation derselben. Er gibt mit modernster Technik wieder, was die Künstler einst vor Augen hatten – ohne aber die Entwicklung in der Landschaft zu leugnen. So klammert er etwa eine gewachsene Siedlungsstruktur nicht aus, sondern integriert sie – wenn auch subtil – in seine Neuinterpretation, ohne dass diese gegenüber des Originals an Authentizität einbüsst.

Masuyama bannt seine Fotokompositionen zum einen via Druckverfahren auf Leinwand, zum anderen fertigt er daraus sogenannte Lightboxen. Dabei wird das Sujet – ähnlich wie bei Hinterglasmalerei – auf eine Scheibe aufgebracht und mit einer Reihe an LED-Lämpchen hinterleuchtet. So entfaltet sich die Dramaturgie in den Werken besonders intensiv.

Motive mit Bezug zur Region

Hiroyuki Masuyama wurde 1968 in Tsukuba in Japan geboren. Seine Kunststudien absolvierte er in Tokio, Düsseldorf und Köln. Seit 2001 lebt und arbeitet der Japaner in Düsseldorf. Aufmerksam auf den innovativen Künstler ist der Galerist Urs Reichlin an der Art Basel geworden. Für die aktuelle Ausstellung in Zug hat Reichlin bewusst eine Auswahl an Werken mit Bezug zur Region getroffen – und schlägt mit den von Turner inspirierten Werken eine Brücke zur vielbeachteten Sonderausstellung im Kunstmuseum Luzern.

Hinweis
Hiroyuki Masuyama in der Galerie Reichlin, Baarerstrasse 133, Zug. Noch bis 9. November.

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