Kommentar

Rente oder Ferien?

Harry Ziegler, Chefredaktor der Zuger Zeitung, über einen ständerätlichen Vorschlag, das Rentenalter auf 67 Jahre zu erhöhen, den Betroffenen im Gegenzug dafür mehr Ferien zu gewähren.

Harry Ziegler
Drucken
Teilen

Der Vorschlag ist bedenkenswert. Der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser macht beliebt, dass das Rentenalter auf 67 Jahre angehoben wird, dafür sollen im Gegenzug alle Berufstätigen zwei zusätzliche Ferienwochen erhalten. Das tönt verlockend.

Es ist bekanntermassen in der Schweiz schwierig bis unmöglich, Rentenreformen anzustreben, die an der Urne nicht in Bausch und Bogen verworfen werden. Zu komplex waren die Vorlagen meistens, die Meinungsbildung aufgrund dieser Komplexität schwer. Hier setzt Nosers Idee an. Im Gegensatz zu irgendwelchen komplizierten Rechnereien kann sich jede und jeder vorstellen, was zwei zusätzliche Ferienwochen bedeuten.

Hinzu kommt, dass etwa die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer eine Erhöhung des Rentenalters für unumgänglich hält, wenn man das Sozialwerk einigermassen nachhaltig sichern möchte. Hinzu kommt aber auch, dass in Sachen Rente die Bürgerinnen und Bürger auf den eigenen Nutzen achten. Es könnte also sein, dass gerade die junge Generation diesen Vorschlag gut findet– für sie hat die persönliche Work-Life-Balance einen hohen Wert. Und es ist ja diese Generation, die im Umlageverfahren die Renten der letzten Babyboomer und der nachfolgenden Generation bezahlt.

Nun, das Durchschnittsalter im Nationalrat beträgt 51, im Ständerat 56 Jahre, sie nähern sich also der Rente. Man darf gespannt sein, wie die Räte diesen Vorschlag aufnehmen. So im Lichte des absehbaren Rentenbezugs besehen.