RESTAURANTS: Es gibt sie: die EM-freien Zonen im Kanton Zug

Wer im Ausgang auf den Fan-Jubel verzichten will, hats derzeit schwer. Doch es gibt auch Orte, wo Fussball nicht angesagt ist.

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Das Masquevino ist fussballfreie Zone während der EM: Barbara Gilardoni mit dem Schild. (Bild Stefan Kaiser)

Das Masquevino ist fussballfreie Zone während der EM: Barbara Gilardoni mit dem Schild. (Bild Stefan Kaiser)

Zoe Gwerder

Etwas in einer Bar trinken, gemütlich mit Kollegen plaudern – dies kann während der Zeit der Fussball-Europameisterschaft für «Nicht-Fussball-Fans» schwierig sein. So kann die Suche nach einem Lokal fürs Feierabendbier schnell zum Spiessrutenlauf werden, wenn man vom Jubel und von Buhrufen verschont bleiben will. Doch es gibt in der Stadt Zug auch Bars, in denen die Aufmerksamkeit dem Gegenüber gilt und nicht dem Bildschirm. Hier ein paar Beispiele (nicht abschliessend).

 

  • Der Felsenkeller : Seit jeherist im Weinrestaurant am Kolinplatz fussballfreie Zone. Inhaber Rémy Blaser empfindet diese Bezeichnung sogar als Untertreibung. Es sei keine Zone, sondern eine Oase. Während des Eröffnungsspiels am Freitag sei bei ihm derartviel los gewesen, dass man am Ende den Gummi seiner Schuhsohlen gerochen habe, witzelt er. «Viele kamen zu uns und freuten sich darüber, dass bei uns kein Fernseher läuft.»

 

 

  • Das Seeliken: Falls der Sommer noch während der EM zurückkommt, ist auch in der Seebadi unterhalb des Theaters Casino Zug das Feierabendbier frei von Fan-Jubel geniessbar. «Hätten wir gewusst, dass es derart regnet, hätten wir ein Zelt mit Fernseher aufgestellt», sagt die Pächterin Barbara Gilardoni. Doch sobald die Sonne und die Badegäste wieder kämen, wäre das Zelt fehl am Platz. Und die Ankündigung, dass das Seeliken EM-freie Zone ist, sei auf regen Zuspruch gestossen: «Viele Besucher freuten sich ab unserer Ankündigung, dass es bei uns keine Fussballübertragungen gibt», so Gilardoni.

 

 

  • Das Mas que v i no : Auch die Apéro-Bar der Seeliken-Pächterin Gilardoni kommt ohne das runde Leder aus. «Viele sagen, wie schön es ist, in die Ruhe zu kommen», erzählt Gilardoni. Wer das Lokal an der Poststrasse mit viel Ruhe geniessen will, der komme am besten während eines Schweiz-Matchs. «Bei diesen starken Spielenmerken wir deutlich, dass weniger Besucher kommen», sagt sie.

 

 

  • Das C hicago : Hier siegt die Musik über den Fussball: «Wir sind eine Musikbar und keine Fussballbar», sagt Inhaber Nikolaos Roditis. Er findet, es gebe genügend andere Bars in der Stadt, die Fussballspiele übertragen. Er selber möge keinen Fussball, so Roditis. Entsprechend soll auch seine Bar an der Baarerstrasse ohne Fan-Rufe bleiben.
  • D as Blues Brothers: Kein Fernseher, kein Fussball; seine Stammgäste wissen dies längst. Der stellvertretende Geschäftsführer Patrick Sieland macht dann auch keine Werbung für seine EM-freie Zone in der Unter Altstadt. Denn auch vor zwei Jahren an der WM blieb die Bar fussballfrei. Trotzdem rechnet er unter der Woche mit weniger Gästen als sonst – und wahrscheinlich auch mit einem anderen Publikum: «Ich rechne damit, dass ältere Leute kommen als sonst.» Trotzdem soll die Bar auch unter der Woche fussballfrei bleiben.

 

 

  • Die Panorama - S chiffbar: Wer sich punkto Fan-Jubel überraschen lassen will, der ist hier richtig. Pächterin Helena Todorovic istflexibel. Der Fernseher ist ausgeschaltet, solange niemand danach verlangt. Meldet jedoch ein Gast das dringende Bedürfnis an, ein Fussballspiel zu sehen, kann der Apparat auch mal eingeschaltet werden. Am Startwochenende waren die Gäste der Bar am Graben in der Altstadt und entsprechend auch die Pächterin sehr zufrieden: «Die Bar lief super. Und wir hatten so viele Frauen wie noch nie», sagt Todorovic.