Leserbrief

Retten Berner Beamte ernsthaft mit Fliegen unsere Umwelt?

«Umweltbeamte sind Vielflieger» und «Bund hadert mit Videokonferenzen», Ausgaben vom 28. und 30. Dezember

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Der Zuger Zeitung vom 28.  Dezember 2019 war zu entnehmen, dass Mitarbeiter des Bundes auf Flugreisen verzichten sollten, wenn die Zieldestination mit weniger als sechs Stunden mit dem Zug zu erreichen sei. So weit, so gut! Zugreisen gelten gemeinhin als umweltschonender, auch wenn sie weder CO2-neutral sind, noch in den meisten Fällen dadurch erhebliche Zeitersparnisse anfallen dürften.

Überrascht hat mich insbesondere, dass für die 498 Arbeitsstellen im Bundesamt für Umwelt Bafu in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 715 Flugtickets ausgestellt wurden. Im oben erwähnten Artikel vom 28. Dezember wird dies mit der Teilnahme an internationalen Anlässen begründet. Dies sei unerlässlich, da sich Umweltthemen nur grenzüberschreitend regeln liessen. Moment – aber 715 Flugtickets in zwei Jahren für 498 Mitarbeiter? Das Bafu, welches den gesetzlichen Auftrag hat, für die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft, Ruhe und Wald zu sorgen! Wie lassen sich all diese Flugbewegungen mit dem Grundauftrag des Bafu vereinbaren?

Noch weniger Verständnis habe ich dafür, dass der Bund per se mit der Verwendung von Videokonferenzen hadert, wie die Zuger Zeitung am 30.  Dezember 2019 ausführt. Grund? Sicherheitsbedenken! Aus Sicherheitsgründen dürften Bundesangestellte an Videokonferenzen von Organisationen ausserhalb der Bundesverwaltung nicht teilnehmen. Echt jetzt? In Zeiten von E-Banking, E-Mail (auch mit dem Bafu möglich) sei es «aus Sicherheitsgründen» nicht möglich, das zu tun, was in der Privatwirtschaft schon seit mehr als 10 Jahren täglich praktiziert wird?

Feststellbar ist, derzeit wird viel über Klima und Umwelt gesprochen – aber die heute schon vorhandenen Möglichkeiten (Stichwort: Digitale Kommunikationsmittel) werden bisweilen kaum genutzt. Physische Treffen in Verbindung mit Bahn- und Flugreisen geniessen weiterhin hohe Priorität, womit letztlich die Glaubwürdigkeit für Umweltfragen und Ressourceneffizienz selbst im Bundesamt für Umwelt kritisch zu hinterfragen ist.

Cédric Schmid, Präsident FDP Stadt Zug, Zug