Risch
Am 26. September steht eine Weichenstellung für die ältere Bevölkerung an

Die Pläne der Gemeinde, gleichzeitig ein neues Pflegeheim sowie Alterswohnungen in Rotkreuz zu bauen, kommen bei den Parteien gut an. Nur eine hat für die Urnenabstimmung Stimmfreigabe beschlossen.

Rahel Hug
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Die Ostfassade des neuen Pflegezentrums, wo auch der Schulweg vorbeiführen wird.

Die Ostfassade des neuen Pflegezentrums, wo auch der Schulweg vorbeiführen wird.

Visualisierung: PD

Wollen Sie den Beschluss über das Vorgehen betreffend die Überbauung an der Buonaserstrasse annehmen? Mit der Beantwortung dieser Abstimmungsfrage stellen die Rischer Stimmbürgerinnen und -bürger am 26. September Weichen für die Zukunft der älteren Bevölkerung. Wird die Frage mit Ja beantwortet, ist der Grundstein gelegt für die gleichzeitige Realisierung eines neuen Pflegezentrums mit 73 Betten sowie von 60 Alterswohnungen inmitten von Rotkreuz.

Die Details haben die Verantwortlichen, die Einwohner- und die Bürgergemeinde, die Gemeinde Risch Immobilien AG (Griag) sowie die Stiftung Alterszentrum Risch/Meierskappel, bereits an Informationsveranstaltungen im Juni sowie Anfang dieser Woche vorgestellt. Mit der gleichzeitigen Realisierung beider Projekte wolle man Synergien nutzen. So können die Mitarbeiter des Pflegezentrums auch Dienstleistungen für die Mieter der Alterswohnungen erbringen. Zudem rechnen die Beteiligten mit Einsparungen von rund 4,4 Millionen Franken bei einer gleichzeitigen Umsetzung. Kostenpunkt für das gesamte Vorhaben: 65 Millionen Franken.

Der Aussenraum des Pflegezentrums mit Blick auf die Musikschule.

Der Aussenraum des Pflegezentrums mit Blick auf die Musikschule.

Visualisierung: PD
Und umgekehrt der Blick von der Musikschule auf das Areal.

Und umgekehrt der Blick von der Musikschule auf das Areal.

Visualisierung: PD

Das Baukonzept basiert auf dem Bebauungsplan Buonaserstrasse, der an der Gemeindeversammlung vom 9. September 2020 genehmigt wurde. Teil dieses Bebauungsplans ist auch der Bereich mit dem bestehenden Alterszentrum Dreilinden. Nach Bezug des neuen Pflegezentrums soll dieses einer Zwischennutzung zugeführt werden. Im Vordergrund steht eine Nutzung für studentisches Wohnen. Laut der Gemeinde habten bereits Gespräche mit möglichen Interessenten stattgefunden. Zudem steht ein Ausbau des Angebots der modularen Tagesschule im Gebäude zur Debatte.

Das Geschäft ist komplex. Teil des Beschlusses Vorgehen Überbauung Buonaserstrasse (VÜB) sind sieben Punkte, darunter der Aktionärsbindungsvertrag zwischen der Bürger- und der Einwohnergemeinde betreffend ihre Anteile an der Griag. Die Griag wurde 2016 gegründet mit dem Ziel, die Immobilien vom Betrieb im Altersbereich zu trennen. Weitere Bestandteile des Beschlusses sind ein Objektkredit von 16 Millionen Franken für die Erhöhung des Aktienkapitals der Griag sowie die Änderung des Baurechtsvertrags mit der Stiftung Alterszentrum Risch/Meierskappel.

«Überhastete Pläne» eines neuen Pflegeheims

Bei den Ortsparteien kommt das Vorhaben grossmehrheitlich gut an. Einzig die Grünen Risch-Rotkreuz haben Stimmfreigabe beschlossen. «Einerseits befürworten wir die zeitnahe Realisierung der dringend benötigten Alterswohnungen im Zentrum von Rotkreuz», schreiben die Grünen. «Andererseits haben wir Zweifel gegenüber den überhasteten Realisierungsplänen eines neuen Pflegeheims zum heutigen Zeitpunkt.» Der Bedürfnisnachweis für 20 zusätzliche Pflegebetten sei nicht erbracht, da aktuell kein Pflegebettennotstand im Kanton Zug herrsche und eine Zustimmung der Zuger Regierung offen sei. «Damit gehen die Gemeinde und die Griag ein grosses Risiko ein.»

Die Konferenz Langzeitpflege der Zuger Gemeinden habe 2020 eine Empfehlung ausgesprochen, dass in Rotkreuz ab der Pflegeheimplanung 2026 das Angebot um 20 Plätze erhöht wird, schreibt der Rischer Gemeinderat dazu in der Abstimmungsvorlage. Der Regierungsrat sei darauf eingetreten und habe in der Pflegeheimplanung 2021 bis 2025 zusätzlich 20 Betten in den Reserven vorgemerkt. Der endgültige Entscheid werde voraussichtlich 2023 erfolgen.

Die beiden geplanten Neubauten an der Buonaserstrasse: vorne die Alterswohnungen, hinten das neue Pflegezentrum.

Die beiden geplanten Neubauten an der Buonaserstrasse: vorne die Alterswohnungen, hinten das neue Pflegezentrum.

Visualisierung: PD
Blick von Osten auf die neuen Gebäude.

Blick von Osten auf die neuen Gebäude.

Visualisierung: PD

Die bürgerlichen Parteien FDP, Die Mitte und SVP haben ein Unterstützungskomitee gegründet. «Das Projekt VÜB stellt aus unserer Sicht sicher, dass die benötigte Infrastruktur für die älteren Menschen in Risch bis Ende 2025 rechtzeitig erstellt werden kann», teilt die FDP mit. Die Realisierung in einer Etappe bringe zahlreiche Vorteile mit sich. Die Griag wie auch die Gemeindevertreter hätten mit sehr detaillierten Studien vom Projekt überzeugen können, schreibt Die Mitte. Und die SVP spricht von einem «ausgewogenen Projekt», das die Gemeinde auch finanziell stemmen könne. Die SP wiederum teilt mit: «Wir begrüssen es, dass betagte Menschen ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen und dabei zeitgemässe Strukturen nutzen können.»

Bei einem Nein wäre eine Neubeurteilung nötig

Sagt die Stimmbevölkerung Ja zum Vorgehen an der Buonaserstrasse, werden die Neubauten laut Vorlage bis Ende 2025 stehen. Bei einem Nein müssten die Beteiligten eine Neubeurteilung vornehmen. «In Absprache mit den Parteien und interessierten Gruppierungen müsste ein umfassender Prozess eingeleitet werden, bei dem festzustellen wäre, wie eine tragfähige Lösung aussähe», schreibt der Gemeinderat. Und weiter: «Kernfrage wäre, ob die Überbauung in einer oder zwei Etappen gebaut werden soll.»