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RISCH: Bauen im Aabach bleibt möglich

Gemeindepräsident Peter Hausherr zeigt sich nach dem Rückzug der Novartis- Pläne optimistisch. An die Adresse der Gegner hat er eine klare Botschaft.
Luc Müller
Der Rischer Gemeindepräsident Peter Hausherr wünscht sich, dass Beschwerden in Zukunft schneller behandelt werden. (Bild Stefan Kaiser)

Der Rischer Gemeindepräsident Peter Hausherr wünscht sich, dass Beschwerden in Zukunft schneller behandelt werden. (Bild Stefan Kaiser)

Am Montag kam die überraschende Information aus Basel: Das Pharmaunternehmen Novartis gab bekannt, dass es das geplante Ausbildungscenter in Risch direkt am Zugersee nun nicht realisiert. Die Planung war schon weit fortgeschritten: An der Urne genehmigten die Rischer 2011 den Bebauungsplan (56 Prozent Ja-Stimmen) sowie die Zonenplanäderung zum Gut Aabach. Doch es gab mehrere Beschwerden gegen den Entscheid an der Urne sowie die kantonalen Entscheide zur veränderten Seeuferschutzzone oder die Verlegung einer Zufahrtsstrasse. Der Rischer Gemeindepräsident Peter Hausherr (CVP) nimmt hier Stellung zum Aus des Bauprojektes und zur Zukunft des Guts Aabach.

Herr Hausherr, wie gross ist die Enttäuschung, nachdem Novartis die Pläne für ein Ausbildungscenter in Risch zurückgezogen hat?

Peter Hausherr: Auch der Gemeinderat wurde von der Nachricht überrascht. Wir schauen aber bereits in die Zukunft.

Und was sehen Sie dort?

Hausherr: Es wird weiterhin der Grundsatz der Gemeindepolitik sein, zu gestalten und zu entwickeln. Dabei müssen wir es ab und zu wagen, auch unkonventionelle Überlegungen und Prozesse anzustossen – und in Kauf nehmen, Angriffsfläche zu bieten. Einfach nur den bisherigen Bestand zu verwalten, würde längerfristig einen Rückschritt bedeuten.

Sind die Gegner des Ausbildungscenters im Gut Aabach also Verhinderer?

Hausherr: Man muss zunächst eines klar festhalten: Die Rischer haben an der Urne mit rund 56 Prozent einen Bebauungsplan und mit fast gleicher Zustimmung eine Zonenplanänderung befürwortet. Die Stimmberechtigten haben mit diesem Votum dafür gestimmt, dass auf dem Gut Aabach eine Entwicklung stattfinden kann. Dabei gab es klare Forderungen an den Bauherrn und einen abgesteckten Rahmen, was realisiert werden kann und was nicht. Für die Gemeinde standen von Anfang an die Landschaft und Natur im Vordergrund. Das Projekt hätte eine Aufwertung der Seelandschaft gebracht: mittels Seeufergestaltung inklusive Schilfanpflanzung und Renaturierung des Aabaches.

Und was sagen Sie zu den Gegnern des Novartis-Projektes, die einen politischen Entscheid an der Urne nie akzeptiert haben?

Hausherr: Beschwerde einzureichen gehört zum demokratischen Grundrecht. Aber aktuell geht es zu lange, bis eine Beschwerde rechtsgültig entschieden ist. Verfahren sollten innerhalb eines Jahres entschieden werden können. Das ist aber eine Frage, die auf Bundesebene geklärt werden müsste. Heute haben die Beschwerdeführer den längeren Hebel und können Projekte verzögern und in die Länge ziehen.

Die Gegner sprachen aber davon, dass die Behörden einen Kniefall vor dem Multi Novartis gemacht hätten.

Hausherr: Dazu kann ich nur sagen: Wir haben dem Bauherrn klare Vorgaben gemacht, er musste umfangreiche Kompromisse eingehen. Die Auflagen über das ganze Baugebiet wurden mittels Bebauungsplan abgesichert. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission hat das Projekt gerade deshalb positiv gewürdigt. Das war für uns wichtig: Wir schaffen saubere rechtliche Grundlagen. Unsere Arbeit reichte bis zur Urnen­abstimmung, an der die Rischer dem Projekt zugestimmt haben. Auf den weiteren Prozess hatten wir keinen Einfluss mehr. Wichtig ist zudem zu sagen: Es ist immer noch ein Privatgrundstück. Nicht die Gemeinde baut hier. Als Behörde kann man Vorschriften machen, aber natürlich nicht jeden erdenklichen Wunsch einfordern.

Aber nochmals: Weshalb sind Ihrer Meinung nach die kritischen Stimmen nie verstummt?

Hausherr: Das Gebiet ist natürlich speziell. Es handelt sich um ein landschaftliches Juwel. Es ist im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler verzeichnet. Das Baugebiet liegt in einer Landwirtschaftszone und sollte in eine Zone mit speziellen Vorschriften umgezont werden – dies im Rahmen des kantonalen Richtplans. Bei unkonventionellen Bauprojekten ist es immer so, dass mit Beschwerden gerechnet werden muss. Und bei juristischen Auseinandersetzungen gibt es immer zwei Meinungen. Noch sind mehrere Beschwerden hängig. Für die Gemeinde wäre es optimal gewesen, wenn es einen abschliessenden, rechtsverbindlichen Entscheid gegeben hätte. Nun hat der Kanton ja erklärt, dass die Beschwerden vorerst pendent gehalten werden und im Januar über das weitere Vorgehen informiert wird.

Was ist der Wunsch der Gemeinde, wie es weitergehen soll?

Hausherr: Zuerst muss die Auslegeordnung gemacht werden. Wir sind aber grundsätzlich weiterhin der Meinung, dass auf dem Gut Aabach innerhalb eines klaren Rahmens auch eine bauliche Entwicklung möglich sein kann. Schlussendlich ist es eine politische und juristische Frage, ob auf dem Gut gebaut werden soll oder nicht.

Was, glauben Sie, waren die wirklichen Gründe, dass Novartis die Pläne am Zugersee begraben hat?

Hausherr: Ich spekuliere nicht. Es ist in einem langen Prozess normal, dass Projekte sporadisch überprüft und Geldmittel neu verteilt werden. Es kann eine Rolle gespielt haben, dass Daniel Vasella, der das Projekt angeschoben hat, nicht mehr Verwaltungsratspräsident von Novartis ist.

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