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RISCH / GOLDAU: Shorty überwintert hier nie mehr

Noch wird der Waldrapp im Tierpark Goldau gepflegt – doch bald wird er nach Hause gefahren.
Luc Müller
Derzeit wird Shorty im Tierpark Goldau aufgepäppelt. (Bild: PD)

Derzeit wird Shorty im Tierpark Goldau aufgepäppelt. (Bild: PD)

Nun ist das Winterabenteuer der Vogeldame Shorty endgültig vorbei: In rund zwei Wochen soll das Waldrappweibchen im Auto ins heimatliche Brutgebiet im bayerischen Burghausen gebracht werden. Noch weilt der seltene Vogel im Tierpark Goldau, wo er aufgepäppelt wird. Im Januar sichteten Hobbyornithologen die Vogeldame im Gebiet Risch-Freudenberg, Dietwil AG und Sempach. Shorty verbrachte diesmal wie schon 2013 ab Januar den Winter in der eigentlich für ihn ungeeigneten Schweiz – und zwar erneut auch in Risch am Zugersee.

Vor zwei Wochen wurde Shorty nun im aargauischen Jonen von einem Vogelfreund eingefangen und zur Vogelwarte Sempach gebracht. «Der Vogel war sehr abgemagert und weist kältebedingte Entzündungen an den beiden Flügeln auf. Wegen der gefrorenen Böden fand er nicht mehr genügend Nahrung», sagt Martin Wehrle, Tierarzt im Tierpark Goldau. Shorty sei in Quarantäne. «Dem Tier geht es aber schon besser. Er erhält Würmer und auch mal eine kleine Maus zum Fressen», so Wehrle. Im Tierpark Goldau leben schon seit Jahren Waldrappe, weshalb das Team ein grosses Wissen hat. «Noch warten wir auf die Ausfuhrgenehmigung für Shorty», erklärt Johannes Fritz. Er ist Leiter eines internatonalen Waldrappteams. Seit 2002 existiert ein europäisches Projekt für den Schutz und die Wiederansiedlung der Vögel. Waldrappe sind extrem seltene Tiere: Weltweit existieren in freier Wildbahn nur noch rund 30 Exemplare. Kolonien gibt es noch in der Türkei, Marokko oder Syrien.

Fehlprägung bleibt erhalten

«Lernt der Vogel im ersten Jahr den Flug ins Winterquartier nicht, dann lernt er es gar nie mehr», betont Johannes Fritz. Im Herbst 2013 wurde Shorty mit dem Auto von Burghausen in die Toscana ins Winterquartier chauffiert. Von Italien wurde der Vogel im Frühling wieder nach Bayern gebracht.

Eigentlich müsste Shorty wie seine Artgenossen derzeit im Winterquartier in der Toscana weilen. Doch der Vogel machte sich zwar im Herbst aus seiner Heimat Burghausen auf ins Winterquartier – doch sein Ziel war nicht das warme Italien, sondern erneut die Region um den Zugersee. «Wir haben gedacht, dass Shorty sich beim zweiten Winterquartierflug umorientiere – doch die Fehlprägung blieb», erklärt Fritz.

Keine Fettschicht

Die unübliche Überwinterung in der Schweiz machte den Vogel vor zwei Jahren national und international zum Gesprächsthema. In der Stadt Zug wurde ihm direkt am Zugersee sogar eine Statue gewidmet. In der Schweiz landete Shorty ursprünglich, weil er im Herbst 2012 beim Flug ins Winterquartier den Kontakt zu seinem Leitvogel verlor. Zuerst tauchte der damalige Jungvogel in der Region St. Gallen auf, bis er dann schliesslich den Winter 2013 in Risch am Zugersee verbrachte – und überlebte. Das war alles andere als klar: Denn der Vogel verfügt nur über ein dünnes Federkleid und hat keine Fettschicht. Dass Shorty sich so gut hielt, sorgte in der Fachwelt für viel Aufsehen. Zuerst sollte Shorty in einer grossen Rückholaktion aus dem Schweizer Winter gerettet werden. Sogar ein professioneller Vogelfänger war im Winter 2013 Einsatz, der das Tier aber nicht einfangen konnte: Im April flog Shorty dann selber nach Burghausen.

Shorty nun geschlechtsreif

«Shorty wird künftig nicht mehr alleine ins Winterquartier fliegen», sagt Fritz. Wie sieben weitere Waldrappe wird er nun in die Toscana transportiert und im Frühling aus dem Winterquartier nach Burghausen gefahren. Diese Vögel stammen aus Zoos und haben in der Gefangenschaft kein Zugverhalten entwickelt. Das Waldrappteam trainiert aber auch Waldrapp-Küken den Flug ins Winterquartier an – die Kleinen fliegen bei ihrer ersten Reise ins Winterquartier dann Flugzeugen nach.

«Im August, wenn die Vögel sich gegen Süden aufmachen, wird Shorty eingefangen. Täglich machen wir Lockfütterungen. Ist im August Aufbruchzeit für den Flug gegen Süden, werden die Vögel in einer verschliessbaren Voliere gefüttert. So können wir Shorty festsetzen», informiert Johannes Fritz. Die Vogeldame ist im März zum ersten Mal geschlechtsreif. «Sie wird als Brutvogel wichtig sein und sollte Nachwuchs bekommen», so Fritz.

Luc Müller

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