RISCH: Hoch hinaus – mit neuen Richtlinien

Eine kürzlich veröffentlichte Studie soll Klarheit schaffen, was den Bau von Hochhäusern betrifft. Fest steht: In Rotkreuz besteht noch viel Potenzial.

Rahel Hug
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Bislang das einzige Hochhaus in der Ennetseegemeinde: das 68 Meter hohe Gebäude der Roche Diagnostics in Rotkreuz. (Bild Stefan Kaiser)

Bislang das einzige Hochhaus in der Ennetseegemeinde: das 68 Meter hohe Gebäude der Roche Diagnostics in Rotkreuz. (Bild Stefan Kaiser)

Wo besteht in Rotkreuz das Potenzial, um hoch hinaus zu bauen? Um diese Frage beantworten und auf ein Planungsinstrument zurückgreifen zu können, hat der Gemeinderat im Jahr 2014 die Erstellung einer Hochhausstudie in Auftrag gegeben. Nachdem der Entwurf im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde, durften betroffene Grundeigentümer im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens Stellung nehmen. Seit kurzem nun ist die angepasste Hochhausstudie auch für die Öffentlichkeit einsehbar (www.zg.ch/behoerden/gemeinden/risch-rotkreuz).

Höhen bis 75 Meter verträglich

In der neuen, 44 Seiten umfassenden «Richtschnur» wird zunächst festgehalten, dass sich Rotkreuz grundsätzlich als Hochhausstandort eigne. Unter anderem, weil das Siedlungsgebiet im Vergleich zu anderen Orten in der Schweiz eine kurze Geschichte aufweise. «Der Siedlungskörper ist geprägt durch Strukturen, die erst nach der Jahrhundertwende im Zuge des Ausbaus der Verkehrserschliessung entstanden sind», heisst es. So seien Ortsbildschutzgebiete nur im übrigen Gemeindeteil Risch zu finden. Für Rotkreuz seien aus grossräumiger Perspektive Gebäudehöhen bis 75 Meter «gut verträglich».

Hinter diesen Aussagen der Verfasser kann auch der Rischer Bauchef Ruedi Knüsel stehen. «Wir verstehen uns als modernes Dorf mit urbanen Strukturen», erklärt er. Die verdichtete Bauweise biete zahlreiche Chancen: «Wir wollen das anhaltende Wachstum nicht zum Stillstand bringen, aber gleichzeitig sorgfältig mit der Umgebung umgehen und uns innerhalb der bestehenden Bauzonen entwickeln.»

Neues Hochhaus in der Suurstoffi

Definiert man Hochhäuser als Gebäude mit einer Höhe zwischen 35 und 75 Metern, ist der Roche-Tower im Norden von Rotkreuz bislang das einzige Hochhaus in der Ennetseegemeinde. Das 2011 eröffnete Gebäude ragt 68 Meter in den Himmel und bietet Platz für 600 Angestellte. Bald wird die die «Skyline» prägende Baute jedoch Gesellschaft erhalten. Die nächsten beiden Hochhäuser werden im Rahmen des Bebauungsplans Suurstoffi Ost entstehen, den die Bevölkerung im Jahr 2013 genehmigte. Wobei es sich vielmehr um ein Hochhaus handelt, das aus zwei gestaffelt angelegten Körpern besteht, wie Ruedi Knüsel präzisiert. Zum Zeitplan sagt der Bauvorsteher: «Wir gehen davon aus, dass das Baugesuch im Sommer eingehen wird. Entscheiden wird aber der Bauherr.» Den Fahrplan bestätigt man bei der Eigentümerschaft, der Immobilienfirma Zug Estates AG. Kim Riese, Leiter Projektentwicklung und Bau, sagt: «Das Baugesuch soll noch vor den Sommerferien eingereicht werden. Der Verkaufsstart für die Wohnungen im Stockwerkeigentum erfolgt im Sommer 2016.» Der Wohnturm werde eine Höhe von 70 Metern aufweisen, gibt Riese weiter Auskunft.

Als Hochhausstandorte sind in der Studie neben den Gebieten Forren/Industriestrasse und Suurstoffi Ost auch der Knoten Chamerstrasse und die Südseite des Bahnhofs festgehalten. Für diese Gebiete sind verschiedene Szenarien – auch nicht erwünschte – festgehalten. Nach den Suurstoffi-Ost-Gebäuden werde ein weiteres höheres Gebäude im Zusammenhang mit dem Informatikdepartement der Hochschule Luzern (HSLU) entstehen, informiert Knüsel. Für die Gebäude der HSLU führe man derzeit einen öffentlichen Architekturwettbewerb durch, sagt Kim Riese von Zug Estates dazu. «Das Siegerprojekt wird im März bekannt gegeben.» Weitere konkrete Hochhausprojekte sind in Risch derzeit nicht in der Pipeline. Das Gebiet Dorfmatt südlich des Bahnhofs gehört den SBB. Dieses Land sei aus Sicht der Gemeinde ein «sehr interessanter Standort», sagt Knüsel. Der Ball sei jedoch beim Grundeigentümer. «Das Potenzial ist auf jeden Fall da.»

So frisch und modern die neue Studie daherkommt – die Verdichtung bringt auch Risiken mit sich. So etwa gibt es Bedenken betreffend Schattenwurf oder Mehrverkehr. Genau diese Punkte wurden von den Grundeigentümern bei der Mitwirkung eingebracht, wie von Ruedi Knüsel zu erfahren ist. Aus diesem Grund hat der Gemeinderat zusätzliche Bestimmungen zum Schattenwurf in die Studie aufgenommen. Mehrverkehr wird gemäss Knüsel insbesondere im Industriegebiet Forren befürchtet – sollten dort weitere Hochhäuser entstehen. «Dieses Problems sind wir uns bewusst», sagt Ruedi Knüsel. «Wir sind gemeinsam mit dem Kanton daran, eine Studie auszuarbeiten, wie wir die Verkehrsprobleme im Norden optimieren können.» Ergebnisse sollen im nächsten Jahr vorliegen.

Dass das bereits jetzt von vielen als wenig einladend und eher zufällig empfundene Siedlungsbild von Rotkreuz aufgrund neuer Hochhäuser zunehmend leiden könnte, befürchtet Knüsel nicht. «Wir legen Wert auf eine qualitative Entwicklung», hält er fest. Dies werde auch in der Hochhausstudie, beispielsweise mit den Anforderungen an Aussenräume und Erdgeschossnutzungen, thematisiert. Und letztlich, so schliesst Knüsel, würden Hochhäuser der Bebauungsplan-Pflicht unterliegen. «Es entscheiden also in jedem Fall die Stimmberechtigten.»

«Wachstum mit Grenzen»

Ausgangslage für den Auftrag der Studie bildete das grosse Wachstum, das die Ortschaft Rotkreuz in den vergangenen Jahren erlebte. Ein weiterer Grund, weshalb der Rischer Gemeinderat Bedarf für neue Richtlinien sah, war aber auch der Entscheid des Zuger Kantonsrates im Jahr 2013, den Richtplan anzupassen, wie Ruedi Knüsel ergänzt. Dieser verfolgt das Ziel «Wachstum mit Grenzen» und beinhaltet unter anderem Gebiete, die für Verdichtung vorgesehen sind. «Die Gemeinden waren daraufhin gefordert», erklärt Knüsel und fügt an: «Uns war es wichtig, auf die neuen Vorgaben des Kantons eine Antwort zu haben.»

Rahel Hug