Risch-Rotkreuz
Analysen zu den Unwettern vom vergangenen Sommer fliessen in den laufenden Hochwasserschutz-Prozess mit ein

Im Juni und Juli 2021 war die Gemeinde Risch von zwei starken Wetterereignissen betroffen, die vor allem in Rotkreuz zu grossflächigen Überschwemmungen führten. Aufgrund früherer Ereignisse laufen die Planungsarbeiten für ein umfassendes Hochwasserschutzprojekt für den Ortsteil Rotkreuz bereits seit geraumer Zeit.

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Überschwemmte Luzernerstrasse im Zentrum von Rotkreuz nach dem Ereignis vom 25. Juli 2021.

Überschwemmte Luzernerstrasse im Zentrum von Rotkreuz nach dem Ereignis vom 25. Juli 2021.

Bild: P. Knüsel

Die Gemeinde Risch wurde in der Vergangenheit wiederholt von Hochwassern heimgesucht. Infolge starker Regenfälle überstiegen die Fliessgewässer und Durchlässe/Eindolungen ihre Kapazitätsgrenzen. Dies resultierte in teilweise schwerwiegenden Überflutungen im Siedlungsgebiet. Ein bereits stark gesättigter und damit schlecht sickerfähiger Boden oberhalb des Siedlungsgebietes führt zusätzlich zu einem raschen Anstieg des Oberflächenabflusses.

So führte die Kombination aus starkem Oberflächenabfluss und überlasteten Bachläufen auch am 21. Juni 2021 und 25. Juli 2021 zu Überflutungen und sorgte insbesondere im Ortsteil Rotkreuz für erheblichen Sachschaden. Das ist einer Mitteilung der Gemeinde Risch zu entnehmen.

Während die erste Phase nach den diesjährigen Unwettern durch Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten geprägt war, läuft aktuell die systematische Aufarbeitung der Ereignisse, in welcher auch Bild- und Videomaterial der jüngsten Ereignisse analysiert wird. Für die Ereignisanalyse arbeitet die Gemeinde auch mit kantonalen Stellen zusammen. Die Unterlagen werden sorgfältig ausgewertet und im Rahmen einer Ereignisdokumentation aufgearbeitet.

Hochwasserschutzprojekt Rotkreuz

Nach umfassenden, mehrjährigen Abklärungen und der Prüfung von verschiedenen Varianten steht das Bauprojekt zum Hochwasserschutz Rotkreuz kurz vor dem Abschluss. Noch dieses Jahr werden die kantonalen Fachstellen, das Bundesamt für Umwelt sowie die Schweizerischen Bundesbahnen AG (SBB) zur Stellungnahme eingeladen, ist der Mitteilung weiter zu entnehmen.

Nach einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Frühjahr/Sommer 2022 ist eine Urnenabstimmung über den Baukredit zur Ausführung des Hochwasserschutzprojekts (HWS) in der zweiten Jahreshälfte 2022 vorgesehen. Die Gesamtsumme, welche in das HWS-Projekt investiert werden soll, beträgt rund 25 Millionen Franken. Nach einer Überarbeitungsphase infolge der erwähnten Stellungnahmen soll das Projekt im Winter 2022 öffentlich aufgelegt werden. Ohne weitere Verzögerungen kann im Frühjahr 2024 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bauzeit für sämtliche Massnahmen wird voraussichtlich zirka vier Jahre in Anspruch nehmen.

Das HWS Rotkreuz sieht eine Kombination von verschiedenen kleineren und grösseren baulichen Massnahmen am Chüntwilerbach, Steintobelbach, Waldbach und Sijentalbach vor. So sollen primär die bestehenden und zu kleinen Eindolungen des Chüntwilerbachs im Zentrum von Rotkreuz durch den Neubau einer grösseren Entlastungsleitung (Abbildung unten, orange) ersetzt werden. Auch die Eindolungen des Steintobelbachs und des Waldbachs sollen erneuert und vergrössert werden.

Auf einigen Abschnitten können die beiden Gewässer dabei wieder als offenes Gerinne ausgebildet und teilweise revitalisiert werden. In den Hangbereichen sind zudem Massnahmen vorgesehen, die das Siedlungsgebiet besser vor Oberflächenwasser schützen.

Der neue Entlastungsstollen Chüntwilerbach (orange) und der Ersatz der Eindolung Waldbach (rot) sind zwei zentrale Massnahmen im Hochwasserschutzprojekt, als Ergänzung zur bestehenden Entlastungsleitung Waldhof (blau).

Der neue Entlastungsstollen Chüntwilerbach (orange) und der Ersatz der Eindolung Waldbach (rot) sind zwei zentrale Massnahmen im Hochwasserschutzprojekt, als Ergänzung zur bestehenden Entlastungsleitung Waldhof (blau).

Visualisierung: PD

Dreibein-Strategie zur Risikominimierung

Das Hochwasserschutzprojekt verfolgt das Schutzziel eines 100-jährlichen Ereignisses im Siedlungsgebiet. Ausserhalb des Siedlungsgebiets ist als Schutzziel ein 30-jährliches Ereignis festgelegt. Auch nach Realisierung des HWS bleibt somit ein gewisses Restrisiko bestehen und Sachschäden durch Hochwasserereignisse können nicht absolut ausgeschlossen werden.

Zur weiteren Risikominimierung ist es deshalb unumgänglich, dass die Eigentümer exponierter Liegenschaften gezielten Objektschutz planen und umsetzen. Zusätzlich zu den beiden Stützpfeilern HWS und Objektschutz prüft die Gemeinde Risch im Sinne einer Dreibein-Strategie, ob weitere organisatorische und/oder bauliche Massnahmen sinnvoll sind, um die Auswirkungen von grösseren als 100-jährlichen Ereignissen weiter begrenzen zu können. Die Kosten dieser Massnahmen würden vollumfänglich zu Lasten der Gemeindekasse gehen.

Erkenntnisse Unwetter 2021

Die Erkenntnisse der Ereignisanalyse des Unwetters vom 25. Juli 2021 werden in die weitere Planung des Hochwasserschutzprojektes einfliessen. Insbesondere soll eine Überprüfung der geplanten Massnahmen im Sinne von Schutzwirkung und Kapazität erfolgen. Bei Bedarf besteht mit dem skizzierten Projektablauf die Möglichkeit, Projektanpassungen vor der öffentlichen Auflage noch vorzunehmen.

Die Gemeinde Risch will direktbetroffene Grundeigentümer und Interessierte frühzeitig über die geplanten Massnahmen informieren. Dazu werden die vorliegenden, noch nicht definitiven Unterlagen zum HWS und der Ereignisanalyse noch dieses Jahr einsehbar sein. Im Rahmen von Einzelgesprächen erhalten Direktbetroffene die Gelegenheit, sich vertieft über die geplanten Hochwasserschutzmassnahmen zu informieren. (cro)

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