Risch-Rotkreuz
Das Tauschgeschäft mit der Kirche und Kredite von über 5,3 Millionen Franken wurden genehmigt

An der Gemeindeversammlung Risch-Rotkreuz wurden sämtliche sieben Geschäfte anstandslos gut geheissen. Der Gemeinderat beantwortete sämtliche Fragen ausführlich, welche die IG Zukunft Alter Risch-Rotkreuz im Rahmen einer Interpellation an ihn gerichtet hatte.

Cornelia Bisch
Drucken

Mit wohlwollendem Interesse verfolgten die 157 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Gemeindeversammlung Risch-Rotkreuz die Ausführungen des Finanzvorstehers Francesco Zoppi, der eine grandiose Rechnung mit einem Ertragsüberschuss von 6,5 Millionen Franken präsentierte. In der Folge gingen denn auch die recht beachtlichen Kreditanträge anstandslos durch. Wohl einerseits wegen der komfortablen finanziellen Lage der Gemeinde, aber sicher auch, weil die Bevölkerung die Vorhaben als sinnvoll und notwendig erkannte.

Gemeindepräsident Peter Hausherr stellte das geplante Tauschgeschäft mit der Katholischen Kirchgemeinde vor. Für ihr Stockwerkeigentum im Zentrum Dorfmatt erhält die Kirchgemeinde eine Summe von rund zweieinhalb Millionen Franken. Dafür tritt ihr die Gemeinde eine Parzelle nördlich der Pfarrkirche für knapp eine halbe Million Franken ab. Beide Gemeinden planen Bauprojekte. Das Zentrum Dorfmatt wird durch einen Neubau ersetzt, der laut Hausherr die doppelte Ausnützungsziffer aufweisen wird. «Der Neubau wird Richtung Osten verrückt, damit der Dorfplatz als Herzstück gestärkt wird», betonte er. Der Bebauungsplan für das Areal südlich des Bahnhofs werde in einem Jahr der Gemeindeversammlung vorgelegt.

Für die Bebauung der Parzelle nördlich der Kirche müsse eine Umzonung erfolgen. «Diese soll im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision erfolgen.» Für beide Bauprojekte ist eine Mantelnutzung mit Wohnungen vorgesehen. Der am 17. März erstellte Vorvertrag zwischen Kirche und Gemeinde wurde grossmehrheitlich gut geheissen.

Die Kirchgemeinde Risch will nördlich der Katholischen Kirche einen Neubau realisieren.

Die Kirchgemeinde Risch will nördlich der Katholischen Kirche einen Neubau realisieren.

Bild: Matthias Jurt (Risch, 3. Dezember 2020)

Die Beschlüsse

Die Gemeindeversammlung Risch-Rotkreuz fasste folgende Beschlüsse: Das Protokoll der Gemeindeversammlung vom 24. November 2020 wurde angenommen. Die Rechnung 2020 wurde gut geheissen. Ebenso der Vorvertrag mit der Katholischen Kirchgemeinde Risch, die Änderung des Reglements über den Schulzahnarztdienst, der Baukredit für die Erweiterung des Friedhofs, der Rahmenkredit für den Unterhalt und Ausbau des gemeindlichen Abwassernetzes sowie die Teilrevision des Reglements über die familien- und schulergänzende Betreuung.

Ein Friedhofshain mit Parkcharakter

Der Gemeindepräsident Hausherr stellte auch den Ausbau der Friedhofsanlage vor. «Geplant ist ein neuer Bereich in Form eines Baumhains, der den zunehmenden Bedarf an Urnengräbern und Urnengemeinschaftsgrabstätten aufnimmt und zugleich eine hohe Aufenthaltsqualität bietet», erklärte er.

Mit dem Ausbau verbunden sind mehrere Drittprojekte wie die Offenlegung des eingedolten Waldbaches, der entlang des Friedhofsgeländes geführt werden soll. Darüber hinaus wird der Spielplatz angepasst und die Fussgängerquerung über die Meierskappelstrasse im Bereich der Friedhofseinfahrt aufgewertet. «Die heutige Kirchentreppe ist zu steil angelegt und stellt für ältere Menschen ein Hindernis dar», sagte der Gemeindepräsident. Auch sie werde saniert, was mehrheitlich zu Lasten der Kirche gehe.

Dazu regte Einwohnerin Hanni Schriber an, man möge im Zuge der Treppensanierung eine behindertengerechte Lösung mit Lift oder Treppenlift integrieren. Die anwesende Kirchenratspräsidentin Margrith Hammer verdankte die konstruktive Idee: «Wir sind bestrebt, eine ideale Lösung zu finden», bekräftigte sie. Der Objektkredit im Umfang von 2,1 Millionen Franken wurde anstandslos genehmigt.

Gemeindliche Siedlungsentwässerung

Die 2016 und 2019 gesprochenen Kredite für Ausbau und Unterhalt des Abwassernetzes von total 9,5 Millionen Franken würden voraussichtlich im Jahr 2022 aufgebraucht sein, führte der Bauchef Patrick Wahl aus. Grund dafür seien die zurzeit entstehenden Siedlungsentwässerungen. «Die Gemeinden sind dazu angehalten, kein Regenwasser mehr in die ARA Schönau zu leiten.» Diese sei überlastet, weshalb das Leitungsnetz erweitert und saniert werden müsse. «Für den Bau des Trennsystems Weid und weitere Massnahmen brauchen wir einen neuen Kredit von 3,25 Millionen Franken», schloss Wahl.

Mehr Zeit, Transparenz und Mitsprache

Die IG Zukunft Alter Risch-Rotkreuz hatte dem Gemeinderat im Vorfeld der Versammlung eine Interpellation mit 17 Fragen zum geplanten Grossprojekt Wohnen und Leben im Alter gestellt. Die IG warf der Gemeinde vor allem das hohe Tempo der Umsetzung sowie mangelnde Information und Mitwirkung seitens der Bevölkerung vor. Die Ankündigung, das neue Alters- und Pflegezentrum gleichzeitig mit den Alterswohnungen zu bauen, habe die Bevölkerung überrumpelt.

«Es macht vor allem aus Kostengründen Sinn, die beiden Projekte gleichzeitig zu realisieren», entgegnete Peter Hausherr. Die daraus entstehenden Synergien könnten mit 4,4 Millionen Franken beziffert werden, dazu kämen noch die betrieblichen Kosteneinsparungen. «Das momentane Tiefzinsumfeld macht dieses Vorhaben attraktiv.» Ebenfalls gebe es weniger Emissionen, die Pflegekapazitäten könnten ausgebaut und das Prinzip «Ambulant vor stationär» umgesetzt werden.

Josef Kaufmann, Sprecher der IG, äusserte sich positiv über die Ausführungen des Gemeinderats, kündigte aber an, weiterhin das Gespräch mit demselben suchen zu wollen.

In einer früheren Version war vom «Zentrum Eichmatt» statt vom Zentrum Dorfmatt die Rede. Ausserdem war der Name des Gemeindepräsidenten falsch geschrieben. Wir bitten um Verzeihung für diese Fehler.

Aktuelle Nachrichten