Risch-Rotkreuz
Wohnen im Alter: Neu gegründete IG fordert einen Zwischenhalt

Die überparteiliche Gruppe spricht von mangelnden Mitsprachemöglichkeiten und noch nicht ausgereiften Grundlagen.

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(rh) Eine überparteiliche Gruppe von Einwohnerinnen und Einwohnern aus Risch hat sich zur Interessengemeinschaft (IG) Zukunft Alter Risch-Rotkreuz zusammengeschlossen. Damit will die IG ihre Vorbehalte und Anliegen zur aus ihrer Sicht «bisher wenig transparenten und zeitlich forschen Vorgehensweise» in Sachen Leben und Wohnen im Alter breiter in der Öffentlichkeit diskutieren. Das «Starterteam» der IG setzt sich aus Josef Kaufmann, Christine Hausherr und Rémi Odermatt zusammen.

Die Gemeinde Risch möchte im Zentrum von Rotkreuz bekanntlich Alterswohnungen bauen und gleichzeitig – entgegen den kommunizierten Plänen – ein neues Pflegezentrum erstellen. Dieser Neubau soll das bestehende, aus Sicht der IG gut funktionierende Alterszentrum Dreilinden nicht ergänzen, wie ursprünglich vorgesehen, sondern ersetzen. Diese Richtungsänderung würde durch einen Finanzbeschluss mit einer Urnenabstimmung im September zementiert. «Dagegen gibt es von verschiedener Seite Vorbehalte», schreibt die IG in einer Medienmitteilung. «Im Zentrum stehen das übereilte Vorgehen und die bisher mangelnden Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung sowie noch nicht ausgereifte Grundlagen.» Die IG Zukunft Alter Risch-Rotkreuz versteht sich als überparteiliche Diskussions- und Informationsplattform.

Eine breit abgestützte Altersstrategie

Die IG anerkenne ausdrücklich die bisherigen Leistungen und das zielorientierte Vorgehen des Gemeinderates. «Es ist das Verdienst der verantwortlichen Gremien, dass die dazu notwendigen Bauflächen durch Zukauf durch die Gemeinde Schritt für Schritt in eine arrondierte Liegenschaft an der Buonaserstrasse überführt und bereits mit einem Bebauungsplan belegt wurden.» Der Gemeinderat habe infrastrukturelle Voraussetzungen für eine altersfreundliche Gemeinde geschaffen. «Aber es braucht jetzt einen Zwischenhalt, um zusammen mit der Bevölkerung neben der Infrastruktur eine breit abgestützte, zukunftsorientierte und aktuelle Altersstrategie zu erarbeiten.» Der Souverän habe ein Anrecht, wie bei anderen gemeindlichen Bauvorhaben auch, das Betriebskonzept und detaillierte Raumprogramm zu kennen, bevor über eine Finanzvorlage dieser Grössenordnung abgestimmt wird.

Der Gemeinderat hat im März entschieden, eine Altersstrategie 2040 zu entwickeln. Er will diese im Sommer 2021 präsentieren. Die Erarbeitung einer Altersstrategie sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, so die Meinung der IG. Prognosen, Entwicklungen und Trends müssen überprüft und angepasst werden. Eine Altersstrategie muss breit abgestützt und unter Mitwirkung von Bevölkerung und Fachpersonen erarbeitet werden. Dies brauche Zeit. Deshalb erachte die IG Zukunft Alter Risch-Rotkreuz das Vorgehen des Gemeinderates als «nicht überzeugend».

Ein Massnahmenplan soll entstehen

Eine fundierte Altersstrategie beleuchte neben den Themen Wohnen, Pflege und Betreuung weitere wichtige Aspekte. Seien dies die Angebote im Quartier, Nachbarschaftshilfe, Unterstützung pflegender Angehöriger, Finanzfragen, die Solidarität zwischen den Generationen, Digitalisierung, Diversität, Verkehrsfragen und Mobilität sowie Partizipation und Engagement. Die Erarbeitung mündet schlussendlich in einen Massnahmenplan, wo Jung und Alt, Professionelle wie Freiwillige, Institutionen und Organisationen ihren Beitrag auf unterschiedlichen Ebenen leisten.

«Der Bau von Alterswohnungen soll umgehend in Angriff genommen werden», schreibt die IG weiter. Die Einwohnergemeinde und die Bürgergemeinde haben bereits 2015 12 Millionen Franken bewilligt und der Gemeinde Risch Immobilien AG (Griag) den Auftrag erteilt. «Der Wunsch nach stärkerer Individualisierung im Alter wird lauter. Das vorliegende Projekt soll deshalb auf alternative und flexiblere Wohn- und Betreuungsformen hin überprüft werden.» Generationenübergreifende Lebensformen seien in die Planung miteinzubeziehen.

«Es besteht keine Not für einen raschen Ersatz»

Das bestehende Alterszentrum Dreilinden ist erst 30 Jahre alt. Der Erweiterungsbau wurde 2001 erstellt und der Demenzgarten, ermöglicht durch viele Spendengelder, wurde 2014 eröffnet. «Es besteht somit keine Not für einen raschen Ersatz», sind die IG-Mitglieder überzeugt. Auch fehle bisher die definitive Zuteilung der 20 zusätzlichen Pflegeplätze durch den Regierungsrat. Eine Strategieänderung seitens des Kantons sei nicht ausgeschlossen. «Aktuelle Berichte aus den Nachbarkantonen zeigen, dass vielerorts auf den Ausbau von Pflegeplätzen verzichtet und dafür das Wohnen mit Dienstleistungen gefördert wird.»

Auf der Basis der Altersstrategie können innovative Ideen entwickelt werden, wie ein neues oder das bestehende Gebäude als Zentrum für ganz verschiedene Bedürfnisse (Pflege mit zusätzlichem Angebot für temporäre Aufenthalte, Tagesheim, zentrale Küche für verschiedene Anspruchsgruppen, Spitex-Stützpunkt, öffentliches Restaurant, Kita etc.) dienen kann. Demografische wie soziale und gesellschaftspolitische Veränderungen stellen die Gemeinde Risch vor besondere Herausforderungen. Deshalb braucht es neue, partizipative und breit abgestützte Denkansätze für das Leben im Alter.

Interessierte finden weitere Informationen auf www.igzukunftalter.ch.