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RISCH: Sitzend in die Ferne schweifen

Der Bahnhof Rotkreuz ist für mich ein spezieller Ort. Aber nicht in erster Linie, um von dort wegzufahren.
Marco Morosoli
Auf der Bank zwischen den Gleisen 2 und 3 im Bahnhof Rotkreuz hat der Sitzende eine gute Übersicht über an-, ab- und durch­fahrende Züge. (Bild Werner Schelbert)

Auf der Bank zwischen den Gleisen 2 und 3 im Bahnhof Rotkreuz hat der Sitzende eine gute Übersicht über an-, ab- und durch­fahrende Züge. (Bild Werner Schelbert)

Marco Morosoli

Eines vorneweg: Im Bahnhof Rotkreuz ist bahnmässig der Bär los. In keinem anderen Punkt des SBB-Streckennetzes innerhalb des Kantons Zug ist auch nur annährend so viel los wie dort. Pro Tag sind es rund 400 Züge. Da schlägt mein Bahnherz natürlich immer ein paar Takte schneller. Ich kann dort auf einer Bank zwischen den Gleisen zwei und drei sitzen, und es ist mir nie langweilig, auch wenn ich keinen Lesestoff dabei habe.

Güterzüge faszinieren

Was mich dabei im Speziellen freut – aber den Gemeindeoberen natürlich eher weniger – ist der Umstand, dass viele Züge mit zügigem Tempo in Rotkreuz vorbeifahren. Und dabei handelt es sich nicht nur um solche, die Personen transportieren. Was diesen Bahnhof im Ennetsee zu meinem Lieblingsplatz im Kanton macht, ist vielmehr der Umstand, dass es dort auch noch viele Güterzüge zu sehen gibt. Die «Liebsten» sind mir solche, die mit Re-6/6-Lokomotiven bestückt sind. Auf dieser Typenklasse prangt jeweils noch ein Gemeindewappen. Früher wusste ich es meist, wenn ich die Nummer dieser Zugmaschine sah, und konnte auch gleich das darauf angebrachte Wappen benennen. In dieser Hinsicht hat mein Gedächtnis leider ein paar Lücken bekommen. Aber ich freue mich immer noch, wenn ich aufs richtige Wappen setze.

Chamer Wappen wird umgehängt

Leider gibt es von dieser Lokomotivklasse mit insgesamt 89 Maschinen keine mehr, die ein Wappen einer Zuger Gemeinde trägt. Die einzige «Zuger Re 6/6» mit der Nummer 11673 «Cham» ist nach einem Unfall in Erstfeld im Vorjahr zum Ersatzteilspender degradiert worden. Immerhin ist das Wappen gerettet worden. Es prangt seit diesem März von der Re 4/4 II mit der Nummer 11 278. Leider habe ich diesen Exoten bisher nicht zu Gesicht bekommen. Es gibt von dieser Lokomotive-Typenklasse nur eine mit einem Wappen. Und zwar mit demjenigen von Porrentruy. Diese hing einmal an einer Ae 6/6 (besser bekannt als Gotthard-Lokomotive). Und ist von dort entfernt worden und durch das Wappen des Kantons Jura ersetzt worden. Die SBB haben nach dessen Gründung 1978 diesem Stand auch eine eigene Lokomotive zugebilligt. Und diese Zugmaschine «Porrentruy» habe ich bei einer meiner Besuche in Rotkreuz sogar schon mal fotografiert. Mein nächstes Projekt ist es, auch diese Chamer Lokomotive zu erwischen.

Heute sind im Güterverkehr natürlich nicht nur SBB-Gefährte unterwegs. Regelmässig gibt es in Rotkreuz auch solche der BLS, der Deutschen Bahn und anderer Güterverkehrsunternehmen zu sehen. Diese Vielfalt ist im Personenverkehr nicht mehr vorhanden. In Rotkreuz sind vor allem Flirts zu sehen. Regelmässig fahren auch ICN (RABDe 500), ETR 630 (RABe 503) durch. Komplettiert wird das «Angebot» durch Interregio-Züge.

Viele Erinnerungen

Bahnhöfe sind aber auch sonst meine Lieblingsplätze. Und das, seit ich mich erinnern kann. Schon als kleiner Knirps bin ich in Brunnen – wo meine Eltern oft ihre Verwandten besuchten – auf dem dortigen Bahnhof hängen geblieben. Ich bin dort stundenlang auf einer Bank zwischen zwei Gleisen gesessen. Oft haben mich SBB-Angestellte gefragt, wohin ich verreisen wolle. Ich habe das immer verneint. Meine Eltern hatten nie Angst um mich. Sie haben mir erklärt, wo ich mich bewegen darf. Und an deren eiserne Regel «auf dem Mittelstrich auf dem Perron» zu laufen, habe ich mich zeitlebens gehalten.

Ich hatte bei diesen Aufenthalten immer ein kleines Büchlein dabei. In dieses habe ich die Nummern der vorbeifahrenden Lokomotiven eingetragen. Ich hatte ein Ziel: Ich wollte die Wappen in einem Heft selber nachzeichnen. Eine zeitintensive Arbeit – und deshalb ein Projekt, das mich über Jahre beschäftigte, weil einige Gemeindewappen nicht einfach zu zeichnen waren. Dazu gehört auch dasjenige der Gemeinde Risch mit dem Luchs und dem Baum. Ich habe all die Unterlagen heute noch bei mir zu Hause und schmökere dann und wann in ihnen. Eines kann ich sagen: Im Internetzeitalter ist es einfacher zu Wappeninformationen zu kommen, als es in meiner Jugend war.

Ich denke vor allem an diese Sammlung, wenn ich in Rotkreuz meiner Leidenschaft Bahn fröne. Nur das Notizbuch fehlt heute, wenn ich auf der Bank zwischen den Gleisen zwei und drei in Rotkreuz sitze. Mein Interesse an der Bahn ist aber seither nicht kleiner geworden. Ich schaue mir auch heute noch in fast jeder Stadt oder Gegend, die ich besuche, Bahnhöfe an. Sie üben eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Und das nicht, weil ich verreisen will, denn an einigen von mir besuchten Bahnhöfen fährt schon lange kein Zug mehr. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Lieblingsort: Alle Beiträge gibt es auf www.zugerzeitung.ch/serien

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