Risiken beim Online-Glücksspiel: Lockdown hat die Problematik verschärft – Zug beteiligt sich an Kampagne

Das Risiko für ein problematisches Spielverhalten ist bei Online-Glücksspielen beson-ders hoch. Dabei dürfte die Zahl an Online-Spielenden in den vergangenen Monaten we-gen der Corona-Pandemie nochmals gestiegen sein. Deshalb beteiligt sich der Kanton Zug zusammen mit 15 weiteren Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein an der Sen-sibilisierungskampagne mit der Botschaft «Glücksspiele können abhängig machen. Auch online.»

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(haz) Als wegen der Corona-Pandemie temporär die Casinos geschlossen und auch sonstige Spiel-angebote eingeschränkt verfügbar waren, haben zeitgleich die Anbieter ihre Werbeoffensive für die neuen Online-Angebote spürbar erhöht. Wie internationale Studien vermuten lassen, dürften dabei auch viele neue Spielende ins Online-Glücksspiel eingestiegen sein.

Das Märchen vom Traumleben

Spielende von Online-Glücksspielen weisen ein überdurchschnittlich hohes Risiko für ein problematisches Spielverhalten auf. Das geht aus einer Medienmitteilung der Zuger Gesundheitsdirektion hervor.

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Angebote sind permanent verfügbar, der Bezug zum realen Geld geht verloren und eine soziale Kontrolle fehlt. Eine neue Analyse vom GREA (Groupement romand des addictions) und Sucht Schweiz zeigt, dass über-durchschnittlich viele jüngere Personen, Menschen mit einem niedrigen Einkommen oder einem tieferen Bildungsabschluss ein problematisches Spielverhalten zeigen. Diese Personen sind besonders empfänglich für den Lockruf vom schnellen und grossen Gewinn – und die Werbung spricht sie gezielt an. Es ist jedoch bekannt, dass Glücksspielsucht in allen gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.

So sieht das Plakat der Sensibilisierungskampagne aus.

So sieht das Plakat der Sensibilisierungskampagne aus.

Bild: PD

Problematisch Spielende zahlen die Hälfte aller Einsätze

Zudem sind bestimmte Spielarten besonders riskant: Spielende von Online-Casinos, Sportwetten und Finanzmarktwetten zeigen ein überdurchschnittliches Risiko. Bei Lotterien und Rubbellosen ist der Anteil an problematisch Spielenden deutlich geringer. Da sie jedoch stark verbreitet sind, ist ihre Anzahl nicht zu unterschätzen. Bemerkenswert ist, dass die rund 10 Prozent problematisch Spielenden für die Hälfte aller Spieleinsätze verantwortlich sind. In der Schweiz Seite zeigen rund 192’000 Personen ein solches problematisches Spielverhalten. Ein kleiner Teil davon gilt als spielsüchtig – mit oft verheerenden Konsequenzen: Neben Spielschulden, körperlichen und psychischen Beschwerden hat eine Spielsucht häufig auch schwerwiegende Folgen für das Familien- oder Berufsleben.

Beispiel Gratisspiele: Gefördert durch Digitalisierung

Die finanzielle Problematik beschränkt sich nicht nur auf Online-Glücksspiele. So wächst parallel bspw. der Markt von «Free-to-Play»-Video-Games auf dem Smartphone rapide. In «Pay-to-Win»-Spielen, einer bestimmten Form von Free-to-Play-Spielen, können durch Einkäufe bspw. spielerische Vorteile erworben werden. Dabei gibt es viele Parallelen: Untersuchungen zeigen, dass, egal welcher Markt, die Mechanismen der Spiele zu einem ähnlichen Verhalten führen. So überrascht es nicht, dass auch bei den Gratisspielen ein kleiner Teil Spielende den grossen Anteil am Kuchen berappt: Rund 10 Prozent der Spielenden sind gemäss der Studie für über 60 Prozent der Ausgaben verantwortlich.

Kanton Zug beteiligt sich an Kampagne

Um auf die Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie zu reagieren, lanciert das interkantonale Programm Spielen ohne Sucht eine Sensibilisierungskampagne mit Fokus auf das Online-Glücksspiel. Dabei beteiligt sich der Kanton Zug zusammen mit 15 Deutschschweizer Kantonen und dem Fürstentum Lichtenstein. Der Gesundheitsdirektor Martin Pfister lässt sich in der Medienmitteilung wie folgt zitieren:

«Es ist uns ein Anliegen, ein jüngeres Publikum anzusprechen, da viele Spielende bereits in jungen Jahren erstmals mit den Glücksspiel-Angeboten in Kontakt kamen.»

Angebote für Betroffene und Angehörige

Bei der Suchtberatung des Kantons Zug erhalten Betroffene und Angehörige Unterstützung und Beratung bei problematischem Geld- und Glücksspiel. Auch die Triangel Beratung bietet kos-tenlose Beratung zu den Themen Schulden, Umgang mit Geld und Budget. Ausserdem steht via www.sos-spielsucht.ch ein kostenloses und anonymes Beratungsangebot zur Verfügung.

Suchtberatung Aegeristrasse 56, 6300 Zug, Telefon. 041 728 39 39, E-Mail: gesund@zg.ch

Triangel Beratung Bundesstrasse 15, 6300 Zug, Telefon 041 728 80 80, E-Mail: info@triangel-zug.ch