Kolumne

«Fertig luschtig»

Wie die Pandemie auch die lang ersehnte Auszeit auf den Kopf stellt.

Aufgezeichnet von Andreas Faessler
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Rob Spence (54), Comedian, lebt in Zug.

Rob Spence (54), Comedian, lebt in Zug.

Bild: PD

Als Komiker ist mir die Nähe mit Menschen sehr wichtig. Genauso wie ich in meiner neuen Kampagne für Hertz Minilease zeige. Seit bald acht Wochen befinden wir uns nun schon im Shutdown. Für mich fühlt es sich fast so an, als ob man mich frühzeitig in Rente geschickt hätte. Genau am selben Tag, an dem ich mit der Tournee beginnen wollte, wurde das Social Distancing ausgerufen. Die Massnahmen der Regierung sorgten in vielerlei Hinsicht für Verwirrung und liessen Fragen aufkommen, die auch bis heute noch nicht geklärt sind: Wieso darf man sich mit den ersten Lockerungen des Shutdowns ein Tattoo stechen lassen, jedoch nicht Tennis mit 20 Metern Abstand spielen? Haare schneiden ist erlaubt, aber alleine auf dem Golfplatz spielen ist untersagt? Sagen uns die Ärzte nicht immer, Sport und Bewegung an der frischen Luft stärken das Immunsystem?

Etwas, was mich zudem nachdenklich macht, ist die Aussage von Professor Carl Heneghan, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Medizin an der Oxford-Universität. Er meint, dass die negativen Auswirkungen des Shutdowns auf das soziale und wirtschaftliche Leben mit hoher wahrscheinlich mehr Todesfälle verursachen werden als der Virus selbst.

Alle öffentlichen Veranstaltungen bleiben bis mindestens September untersagt. Dies bedeutet auch für mich – zumindest für den Moment – «fertig luschtig». Die Massnahmen der Behörden sind wirtschaftlich so einschneidend, dass die Zukunft auch für mich als Komiker recht ungewiss ist. Wie komme ich damit klar? Ich habe gelernt loszulassen, zu entspannen und das Beste aus jedem Tag herauszuholen. Von Natur aus bin ich ein zufriedener, optimistischer Mensch. Das Leben geht weiter, ich denke viel über Neuorientierung und Lösungen nach.

Das Potenzial für eine gesündere, glücklichere und respektvollere Welt – nach dieser surrealen Virus-Geschichte – ist da. Und eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Es würde mich nichts so sehr freuen, wie wieder lachende Gesichter ohne Schutzmasken in vollgepackten Theatern sehen zu dürfen.

In dieser Kolumne beschreiben Zugerinnen und Zuger, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.