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Robert Gottschalk: «Die Liebe zu den Tieren ist ungebrochen»

Den Tierschutzverein Zug gibt es seit 70 Jahren. Dessen Präsident Robert Gottschalk erklärt im Vorfeld
der Jubiläumsfeierlichkeiten, wie sich die kantonalen Sparbemühungen auf das Tierheim auswirken – und warum er kein Vegetarier ist.
Raphael Biermayr
Das Tierheim in Allenwinden finden viele Tiere Unterschlupf, auch Hasen. (Bild: Werner Schelbert)

Das Tierheim in Allenwinden finden viele Tiere Unterschlupf, auch Hasen. (Bild: Werner Schelbert)

Der Tierschutzverein Zug (TSV Zug) wird am 1. September sein 70-jähriges Bestehen feiern. Von 10 bis 16 Uhr wird im Tierheim Allenwinden ein Tag der offenen Tür stattfinden. Der TSVZ wird seit 2013 von Robert Gottschalk präsidiert. Der 58-jährige Hagendorner ist auch im Zentralvorstand des Schweizer Tierschutzes STS aktiv. Er wünscht sich mehr Platz im Tierheim zur Aufnahme von Katzen und Nagern während der Ferienzeiten. In Allenwinden sei man allerdings durch den Zonenplan begrenzt und auswärtige Projekte seien erst Gedankenspiele.

Robert Gottschalk, töten Sie Fliegen und Mücken?

Ja – die nerven auch mich manchmal! Ich esse übrigens auch Fleisch, was mir schon vorgehalten wurde. Aber für mich persönlich schliessen sich Fleisch essen und Tierschutz nicht aus.

Warum nicht?

Es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir Tiere züchten, um sie zu essen. Eine Welt ohne Fleischverzehr ist utopisch. Hauptsache ist, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und der Tötungsprozess kein Leiden verursacht.

Gibt es im Kanton Zug Fälle von Tierquälerei?

Mir sind keine direkt gemeldet worden. In Fällen von nicht artgerechter Haltung, wie sie immer mal wieder vorkommen, kontaktieren wir die Halter und suchen nach Lösungen.

Und wenn keine Lösungen
gefunden werden?

Dann endet unsere Zuständigkeit und wir geben den Fall an den Veterinärdienst weiter, der andere Möglichkeiten hat. Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass wir als Verein keine Befugnisse haben, beispielsweise Grundstücke zu betreten oder Fotos der Tiere im Haus zu machen. Uns sind die Hände gebunden, was manchmal zu Frust führt. Gerade für unsere Mitarbeiterinnen vom Tierheim, die sich total mit ihrer Aufgabe identifizieren, ist das schwierig – es sind auch schon Tränen geflossen.

Auch die Räumungen des Häslihofs in Abtwil oder eines Pferdehofs im Thurgau sorgten in jüngerer Zeit für breite Betroffenheit. Was für Auswirkungen haben solche Fälle in Bezug auf das allgemeine Tierwohl?

Es ist wichtig, dass Tiermissstände in den Medien vorkommen, um immer wieder diskutiert zu werden. Gerade auch soziale Medien, auf denen schreckliche Bilder verbreitet werden, haben einen grossen Anteil daran, dass die Öffentlichkeit sensibilisiert wird und die Gesetze verschärft werden.

Ist es nicht paradox, dass es erst negative Schlagzeilen braucht, um das zu erkennen?

Nein, denn viele Leute haben von Haus aus keinen Bezug zu Tieren. Bei grossen Themen wie den erwähnten oder etwa die Verschmutzung der Weltmeere werden auch sie dafür sensibilisiert.

Inwiefern profitiert der TSV Zug davon?

Es profitiert der Schweizer Tierschutz STS, dessen Untersektion wir sind. Als solche sind wir nicht politisch aktiv.

Das heisst, der Tierschutz hat keine Lobby im Kantonsrat?

Ich bin schon mit Kantonsräten in Kontakt, die sich für unsere Anliegen starkmachen. Aber bei den momentanen Sparbemühungen des Kantons ist eine Unterstützung nicht sehr wahrscheinlich.

Ist Ihr Verein bereits von Einsparungen betroffen?

Ja. Wir waren seit dem Jahr 2004 die kantonale Tiermeldestelle für Findeltiere, wofür wir bis 2016 noch 24000 Franken erhielten. Im Jahr darauf verzichteten wir nach Anfrage des Kantons aus Solidarität freiwillig auf zehn Prozent, um unseren Beitrag zum Sparen zu leisten. Im Zusammenhang mit dem Sparpaket Finanzen 2019 hiess es, dass wir fortan nur noch 2000 Franken erhalten würden. Damit können wir das Angebot unmöglich aufrechterhalten, weshalb wir uns entschieden haben,
die Tiermeldestelle auf dieses Jahr hin abzugeben.

An wen kann man sich jetzt wenden, wenn man ein Tier findet?

An das Tierheim in Allenwinden. Der Kanton wird ab 2019 mit der Schweizerischen Tiermeldezentrale zusammenarbeiten. Diese nimmt nur Tiermeldungen entgegen, während bei uns das gefundene Tier auch abgegeben werden kann. Weil wir befürchten, dass manche Finder die Findeltiere wieder aussetzen könnten, werden wir weiter Meldungen und Tiere entgegennehmen. Das geschieht in unbürokratischer und guter Zusammenarbeit mit dem Kantonstierarzt.

Sind Haustiere noch in?

Ja, die Liebe zu den Tieren ist ungebrochen gross. Mich berührt vor allem die tiefe Faszination von Kindern gegenüber Tieren – die verändert sich nie.
Wir stellen einzig fest, dass es einen Trend hin zu kleineren Hunden gibt, dies vermutlich wegen des beschränkten Platzes in der Wohnung und der «Unterhaltskosten».

Im Kanton Zug leben immer mehr Menschen – und auch immer mehr Tiere?

Das lässt sich schwer sagen. Die Zahl von gefundenen Tieren ist seit Jahren konstant. 2017 gab es zwar einen Ausreisser, der lässt sich allerdings mit den aufgenommenen Kaninchen vom geräumten Häslihof erklären. Klar rückläufig ist einzig die Zahl der ausgesetzten Hunde. Dies wegen der obligatorischen Kennzeichnung, des Chippens, von Hunden seit Ende 2006.

Dennoch nimmt Ihr Verein jährlich mehrere hundert Tiere auf. Für wie viele davon werden neue Plätze gefunden?

Für jedes, es sei denn, sie sterben wegen schwerer Krankheit oder Verletzung oder müssen deshalb eingeschläfert werden. 2017 haben 88 Prozent oder über 1000 Tiere unsere Anlagen bereits binnen Jahresfrist verlassen. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit bei uns betrug nur 49 Tage.

Sind Sie erstaunt über diese kurze Aufenthaltszeit?

Nein. Es liegt auf der Hand, dass man sich beim Wunsch nach einem Tier zuerst in der Region umschaut. Hier hilft uns unsere grosse Bekanntheit im Kanton Zug. Unsere Präsenz auf Facebook seit fünf Jahren hat eine Menge dazu beigetragen.

Wurden dem Tierheim schon Tiere zurückgegeben?

Ja, das kam vor. Wir hatten eine Katze, die zurückkam, weil sie inkontinent war. Oder drei Chinchillas, bei denen die Vermittlung erst beim zweiten Anlauf geklappt hat. Fünf Katzen sind übrigens permanent in Allenwinden, die haben wir sozusagen adoptiert.

Mehr Informationen zum Verein und dem Festprogramm vom 1. September findet man auf www.tsvzug.ch

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