Der EVZ-Academy-Trainer über Älplermagronen und stürmische Winde

Die EVZ Academy (Swiss League) wird seit dieser Saison vom Schweden Roger Hansson (52) trainiert.

Interview Michael Wyss
Drucken
Teilen
Roger Hansson ist Trainer der EVZ Academy. (Bild: Dominik Wunderlin, Zug, 5. Oktober 2019)

Roger Hansson ist Trainer der EVZ Academy. (Bild: Dominik Wunderlin, Zug, 5. Oktober 2019)

Wie haben Sie sich in der Schweiz eingelebt?

Roger Hansson: Sehr gut. Das letzte halbe Jahr ist sehr positiv zu werten. Die Schweiz und Schweden haben ja vieles gemeinsam. Ein Kulturschock war es für mich sicher nicht. Ich bin in der schwedischen Stadt Helsingborg am Meer aufgewachsen, in Zug habe ich den See, den Blick auf die Berge und etwas weniger stürmisches Wetter, sprich Winde, als in Schweden. Zudem ist Zug natürlich sehr schön gelegen von der Geografie her. Ich bin happy hier zu sein.

Wie sind Sie mit den Leistungen der EVZ Academy in der Swiss League zufrieden?

Wir sind auf Kurs und die jungen Spieler machen ihren Weg. Punktemässig kann man immer mehr haben und zufrieden bin ich mit der Ausbeute sicher nicht. Wir haben viele Partien knapp verloren, mit etwas mehr Glück oder auch Erfahrung wäre sicher eine bessere Platzierung möglich gewesen. Doch das Team ist jung, durchläuft einen Reifeprozess. Die Fortschritte sind ersichtlich, was das Wesentliche ist. Die Spieler sind sehr selbstkritisch und wissen genau, wo sie sich steigern müssen.

Das angestrebte Ziel heisst das Erreichen der Playoffs, sprich Rang 8. Ist das realistisch?

Absolut. Wir haben nach 17 Partien, notabene bei einem Spiel weniger als die Konkurrenz, nur zwei Punkte Rückstand auf Rang 8. Wir sind im Fahrplan und der 8. Rang ist machbar. Wir werden das schaffen, denn meine Spieler haben viel Qualität und wachsen von Training zu Training und Spiel zu Spiel immer mehr. Zudem haben wir gegen die ganz Grossen dieser Liga in vielen Duellen mithalten können. Wir sind nicht so weit weg von den Topteams. Es sind immer Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. Das zeigt mir, dass wir unseren Job gut machen.

Wie erleben Sie den EV Zug als Verein?

Sehr positiv sind meine Eindrücke, die ich in den letzten Wochen und Monaten machen durfte. Der Verein ist zielorientiert, will immer weiterkommen und setzt ein starkes Zeichen für die Nachwuchsabteilung. Der EVZ ist sicher ein Vorzeigebeispiel und ich bin sehr glücklich hier zu arbeiten und dankbar, dass ich die Möglichkeit vom EVZ erhalten habe, die jungen Spieler auf ihrer Karriereleiter eine Stufe weiter zu bringen.

Damit war Ihre Entscheidung, in die Schweiz zu kommen, richtig?

Absolut. Ich bin froh, dass ich mit meiner Frau den Weg in die Schweiz gemacht habe. Es war die richtige Entscheidung und für uns ein neue Herausforderung, in einem neuen Land. Ich lebte auch in Deutschland während fünf Jahren, als ich bei den Kassel Huskies in der Deutschen Eishockey Liga spielte. Das sind wichtige Erfahrungen im Leben.

Ihr früherer Abstecher nach Deutschland dürfte auch der Grund sein, warum Sie die deutsche Sprache beherrschen. Oder?

Ja klar. Ich bin aber immer noch am Lernen. Aber die Zeit in Deutschland hat sicher viel gebracht. Nun kann ich in der Schweiz davon profitieren und verstehe das Hochdeutsch ziemlich gut. Mit dem Dialekt habe ich aber noch die eine oder andere Mühe. Deshalb bin ich froh, dass wir uns in Schriftsprache unterhalten. (lacht)

Was war die schlimmste Niederlage, welche Sie mit der EVZ Academy erlebten?

Das zweite Meisterschaftsspiel, welches wir gegen die Ticino Rockets 0:2 verloren. Das hat mich etwas geärgert, denn es sind diejenigen Duelle gegen Mitstreiter im Kampf um Rang 8, die man gewinnen muss, wenn man in die Playoffs einziehen will. Auch die Niederlagen gegen die Topteams Olten (0:1) oder Kloten (2:3 n.V.) waren frustrierend.

Ihr schönstes Erlebnis mit der EVZ Academy?

Das Cupspiel in der ersten Hauptrunde am 10. September gegen den amtierenden Meister SC Bern. Wir spielten unbelastet, hatten keinen Druck und lieferten eine starke Vorstellung ab. Die 1:2-Niederlage war bitter, doch ich war sehr stolz auf mein Team, was es zeigte, gegen den Favoriten.

Was vermissen Sie?

Ich und meine Frau vermissen sicher unsere drei Töchter, die in Schweden und Dänemark leben. Wir sehen uns zwischendurch, wenn es zeitlich passt. Ansonsten habe ich alles hier in Zug, um ein glückliches Leben führen zu können. Ich fühle mich schon als richtiger Schweizer. Schweiz und Schweden haben viele Parallelen, zudem tönen die beiden Landesbezeichnungen fast gleich.

Haben Sie eine Lieblingsspeise entdeckt?

Das Essen ist sehr vielfältig. Ich liebe die verschiedenen Fleischfondues, freue mich auf das erste Raclette und habe die Älplermagronen sehr gerne. Auch Ragusa ist sehr fein. Die Liste wird vermutlich noch länger.

Heute spielt die Academy in Sierre (20:00, Patinoire de Graben) gegen einen Playoff-Mitstreiter. Punkte sind Pflicht. Wie sehen Sie das?

Das sehe ich gleich. Wir müssen gegen die Walliser punkten, noch besser wäre es einen Sieg einzufahren. Das sind genau die Big-Points, die man braucht, um Ende Saison unter den Top 8 zu stehen.

Weiter geht es für die EVZ Academy in der Meisterschaft am Freitag, 15. November, (19:45, Patinoire des Mélezès) gegen La Chaux-de-Fonds und am Sonntag, 17. November, (17:45, Academy Arena) gegen die GCK Lions. Aktuell steht die EVZ Academy nach der 17. Runde auf dem 11. Rang mit 17 Punkten.