ROHSTOFFE: Glencore schlägt eine harte Gangart an

Nach dem Verlust von 8,1 Milliarden Dollar setzt Glencore-Chef Ivan Glasenberg den Rotstift an. 15 Stellen sind in Baar bereits weggefallen – was folgt noch?

Bernard Marks
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«Ich hoffe, dass Glencore ein attraktiver Arbeitgeber bleibt.»
Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Ich hoffe, dass Glencore ein attraktiver Arbeitgeber bleibt.» Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

2015 war für Glencore ein hartes Jahr. Der Rohstoffgigant kommt wegen der stark gesunkenen Rohstoffpreise immer mehr in Bedrängnis. Allein der Preis für Kupfer hat sich innert Jahresfrist halbiert. Auch der Ölpreis verharrt auf einem historischen Tief. Im Geschäftsjahr 2015 schrieb das Unternehmen deshalb einen Konzernverlust von 8,1 Milliarden Dollar. Zudem belasten hohe Schulden das Unternehmen (Ausgabe vom 2. März).

Glencore-Chef Ivan Glasenberg will und muss deshalb sparen. Noch in diesem Jahr will der Konzern seine Verbindlichkeiten auf 18 Milliarden Dollar abbauen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Glencore den Rohstoffabbau, mit dem sich im Moment kein Geld verdienen lässt, gedrosselt. Der Konzern förderte 3 bis 10 Prozent weniger Kupfer, Kohle und Nickel.

Auch Entlassungen sind ein Thema. 4300 Stellen wurden 2015 bei der Glencore-Tochter Mopani Copper Mines in Sambia abgebaut. In Australien, Südamerika und Kasachstan gingen wegen der Drosslung der Produktion 1500 Arbeitsplätze verloren. Auch in der Schweiz gingen bereits Jobs verloren.

Ein Betroffener berichtet

Rund 15 der knapp 800 Stellen seien in den letzten Monaten am Hauptsitz in Baar weggefallen, heisst es bei Glencore. Entlassene berichten von rüden Methoden. Ein Betroffener berichtet von kurzfristigen Freistellungen. «Der Freistellungsakt dauerte 15 Minuten, danach wurde man in Begleitung eines Security Officer, mit seinen persönlichen Sachen unter dem Arm, an die Türe begleitet und verabschiedet», erzählt der ehemalige Glencore-Mitarbeiter unserer Zeitung. «Die Türe ging zu und man war draussen, und das nach vielen loyalen Jahren», sagt er weiter. Einer der Betroffenen wollte an seinem Entlassungstag eigentlich sein 15-jähriges Firmenjubiläum feiern. «Statt der üblichen Blumen gab es den blauen Brief», erzählt der ehemalige Mitarbeiter. Die harte Gangart des Rohstoffkonzerns passt ins Bild. Denn seit Jahren ist Glencore auf Profitmaximierung ausgelegt.

Im September 2013 veröffentlichte die Zuger Regierung eine Schätzung darüber, wie viel Steuern der Rohstoffsektor jährlich zahlt. Danach erbringen die Gesellschaften der Rohstoffbranche jährlich etwa 20 Millionen Franken an Kantonssteuern und etwa 16 Millionen Franken an Gemeindesteuern. Zusätzlich bezahlen die juristischen Personen im Kanton Zug jährlich etwa 1 Milliarde Franken für direkte Bundessteuern. Auf die Rohstoffbranche entfallen davon schätzungsweise etwa 20 Prozent, also etwa 200 Millionen Franken. Davon verbleibt dem Kanton Zug ein 17-prozentiger Kantonsanteil, was rund 34 Millionen Franken entspricht. «Diese Grössenordnungen dürften in einer mehrjährigen Betrachtungsweise nach wie vor aktuell sein», sagt der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler. Genaue Zahlen seien nicht eruierbar, weil die Abgrenzung zwischen den einzelnen Branchen schwierig sei. Auch genaue Zahlen, wie viel die Firma Glencore bezahle, gebe es nicht.

Keine Steuererleichterungen

Im Kanton Zug geniesst laut dem Bericht aber keine Gesellschaft Steuererleichterungen, somit auch keine Gesellschaft aus der Rohstoffbranche. Sicher ist: Glencore profitiert in Zug von zahlreichen Abschreibungsmöglichkeiten. Denn trotz Milliardengewinnen (der Glencore-Gewinn vor Steuern und Abschreibungen fiel die letzten 8 Jahre nicht unter 2 Milliarden Franken) schaffte es der Rohstoffkonzern in den Jahren 2011 bis 2013 keine Steuern zahlen zu müssen. Der Kanton Zug ging in diesen Jahren möglicherweise leer aus. Glencore bekam zudem nach der Übernahme von Xstrata 2013 wegen einem Vorsteuerverlust von 9,22 Milliarden Dollar aus internationaler Sicht eine Steuergutschrift von 163 Millionen Dollar, was mit dem Kanton Zug nichts zu tun hat. 2011, im Jahr von Glencores Börsengang, resultierte eine Steuergutschrift von 264 Millionen Dollar. Im folgenden Jahr betrug die Gutschrift 76 Millionen Dollar. Gleiches könnte nun auch für das Jahr 2015 der Fall sein.

«Es ist aber kein Geheimnis, dass Glencore und zahlreiche andere Unternehmen der Rohstoffbranche zahlreiche Mitarbeiter beschäftigen, die im Kanton Zug und in vielen anderen Kantonen Steuern zahlen», sagt Tännler. Zudem könnten lokale Zuger Gewerbetreibende Waren liefern und Dienstleistungen erbringen, entweder an die Rohstoffunternehmen direkt oder indirekt an deren Beschäftigte. «Ich hoffe natürlich, dass Glencore die aktuelle Herausforderung meistert und weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleibt», sagt Tännler.
 

Bernard Marks