Rolf Longhi ist mit der Gemeinde Baar gewachsen

Ende Mai geht der Gemeindeangestellte in Pension – nach 42 Jahren im öffentlichen Dienst.

Vanessa Varisco
Drucken
Teilen
Der Stadtzuger Rolf Longhi fühlt sich nach der langen beruflichen Zeit in Baar mit der Gemeinde verbunden.

Der Stadtzuger Rolf Longhi fühlt sich nach der langen beruflichen Zeit in Baar mit der Gemeinde verbunden.

Bild: Matthias Jurt (16. April 2020)

Konsens finden, auch unkonventionelle Lösungen in Betracht ziehen und überlegte Entscheidungen treffen: In den 42 Jahren, in denen Rolf Longhi bei der Gemeinde Baar angestellt war, blieb er diesem Motto treu. Damit ist er gut gefahren, wie er erzählt. «Ich kann auf ein erfülltes Arbeitsleben zurückblicken», findet er und ergänzt: «Ich habe viel, viel mehr positive als negative Erfahrungen gesammelt. Und Letztere vergesse ich ausserdem schnell wieder.»

Im Jahr 1978 trat Rolf Longhi seine Sekretariatsstelle beim Bauamt der Gemeinde an. Zuvor hat er eine kaufmännische Lehre in der Baubranche absolviert. «Ich wollte mein Wissen nun in einem anderen Umfeld einbringen», begründet er den Entscheid für die Bewerbung damals. Nach zehn Jahren wurde er zum Leiter des Sekretariats befördert. Fortan beschäftigten ihn dort vermehrt Entsorgungs- und Umweltthemen, wie beispielsweise die legendären Bring- und Holtage im Tändlimoos. 1999 wurde der Stadtzuger Leiter der Abteilung Gesundheit/Sicherheit, welche nach einer Verwaltungsreorganisation in die heutige Abteilung Sicherheit/Werkdienst umgestaltet wurde. Seit November und bis zu seiner Pension im Mai ist er Projektleiter im Bereich Entsorgungen, vornehmlich kümmert er sich um die Unterflurcontainer.

Der Kontakt mit den Menschen war ihm wichtig

Auch die gemeindliche Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und Polizei fielen in seinen Kompetenzbereich. «Um die Abwechslungen und Veränderungen war ich sehr dankbar», bekräftigt er. «In dieser Hinsicht hat mir mein Berufsalltag viel genützt und ich denke, auch meine Arbeit in der Gemeinde konnte etwas bewirken.» In seiner Position hatte Rolf Longhi häufig Kontakt sowohl mit der Bevölkerung als auch mit Politikern. Wichtig war ihm dabei immer, den Dialog zu suchen. «Die Anliegen der Baarer habe ich ernstgenommen und versucht, gemeinsam mit ihnen Lösungen zu entwickeln», führt er aus.

Und obgleich die Menschen nicht immer leicht im Umgang gewesen seien, so fiel es ihm doch leicht, neue Wege zu finden und Kompromisse zu schliessen. Ziel war eine zufriedene Bevölkerung. «Ich war nie ein Beamter, der mit Scheuklappen durch die Welt geht, und seinen Weg durchstieren wollte.» Deshalb machte es ihm auch nichts aus, abends länger zu arbeiten, oder einen Samstag für seinen Beruf zu investieren. «Mich für meine Arbeit und die Menschen zu engagieren, wollte ich aus dem Innersten heraus. Das entspricht einfach meiner Art. Ich habe dafür auch viel Dankbarkeit zu spüren bekommen.»

In seinen 42 Jahren bei der Gemeinde hat er selbstredend viele Veränderungen miterlebt. Ein Punkt, der wohl heraussticht, ist das Wachstum von Baar. Longhi erinnert sich:

«Früher hatte die Gemeinde Dorfcharakter. Jeder kannte jeden, sofern man nicht einer war, der um 17 Uhr gleich zu Hause verschwand.»

Die Wege waren dadurch kurz, vieles konnte direkt geklärt werden. «Heute ist durch die Grösse der Gemeinde und des Verwaltungsapparats alles etwas anonymer», sagt Longhi. Was er aber keineswegs als negativ empfindet. «Es ist anders, aber nicht schlechter», präzisiert er. Denn mit Herausforderung sei er schliesslich während seiner ganzen Zeit konfrontiert gewesen. Aus denen hat er gelernt. «Letztlich bin ich mit dem Dorf gewachsen. Man wird älter und profitiert sowohl von mehr Erfahrung als auch Wissen.» Deshalb stört es ihn nicht, dass er wegen geänderter Verwaltungsabläufe weniger Entscheidungen fällen kann als früher. «Auch daran gewöhnt man sich.»

Mehr Zeit für das Fischen oder zum Reisen

Kommt denn Wehmut auf bei einem Abschied nach so langer Zeit? «Ich betrachte das relativ nüchtern. Jede Ära geht einmal vorbei», antwortet Rolf Longhi. «Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier erleben durfte, und bin jetzt dankbar, dass ich gehen kann.» Er erinnert sich dabei gerne zurück und spricht auch seinen Wegbegleitern und Mitarbeitern grossen Dank aus: «Sie sind immer hinter mir und meinen Entscheiden gestanden, was nicht selbstverständlich ist.» Nun freut er sich auf die Zukunft, plant, sich wieder vermehrt dem Fischen zu widmen, und spielt mit dem Gedanken, mit seiner Frau oder Freunden zu reisen. Abschliessend meint er: «Ich bin überzeugt, Baar hat nicht alles falsch gemacht in den letzten Jahren. Der Erfolg spricht für sich.