ROLLSTUHLTENNIS: Die Kämpfernatur weiss, was sie will

Nalani Buob aus Baar hat Beachtliches vorzuweisen. Die erst 15-Jährige ist eine Botschafterin für ihren Sport – und ein kleiner Fernsehstar.

Martin Mühlebach
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Nalani Buob trainiert täglich, um der Weltspitze näher zu kommen. (Bild Stefan Kaiser)

Nalani Buob trainiert täglich, um der Weltspitze näher zu kommen. (Bild Stefan Kaiser)

Nalani Buob erblickte am 2. Februar 2001 mit einem offenen Rücken (Spina bifida) das Licht der Welt. Gehhilfen waren ihre treuen Begleiter bis zum Schuleintritt. Obschon sie seither auf einen Rollstuhl angewiesen ist, strotzt sie vor Lebensfreude. Sie sagt: «Meine Familie, Vater Urs, Mutter Cecilia und Bruder Dario, sind mir eine grosse Stütze. Aber ich brauche keine Spezialbehandlung.» Buob, die seit der 5. Klasse erfolgreich Rollstuhltennis spielt, betont: «Ich habe mich an den Rollstuhl gewöhnt, aber ich habe die Hoffnung nicht verloren, eines Tages wieder gehen zu können.»

Nach mehreren erfolglos verlaufenen Operationen hofften die Ärzte vor drei Jahren, die mittlerweile versteiften Kniegelenke der Nalani Buob lösen und ihre Beine strecken zu können. Es misslang. «Das war für mich die grösste Enttäuschung in meinem bisherigen Leben. Ich versuchte zu verstehen, aber es gelang nicht auf Anhieb. Erstmals hinterfragte ich, warum ich an den Rollstuhl gefesselt sein muss», gesteht sie. Intensive Gespräche mit ihren Eltern hätten ihr wieder Zuversicht verliehen, sagt Nalani Buob, die derzeit die 3. Oberstufenklasse der Kunst- und Sportschule in Cham absolviert.

Lebensunterhalt selbst bestreiten

Diese bietet der Rollstuhltennisspielerin die Möglichkeit, täglich zu trainieren und an Turnieren teilzunehmen. Und dies ohne schulischen Leistungseinbruch. «Lehrpersonen helfen, den durch Abwesenheit vom Unterricht verpassten Lernstoff aufzuarbeiten. Dafür bin ich dankbar, denn ich möchte im kommenden Sommer die vier Jahre dauernde Vinto-KV-Lehre in Angriff nehmen», verrät Buob. Ihr grösster Wunsch sei es, dereinst ihren Lebensunterhalt mit dem Sport zu bestreiten. Weltweit gebe es nur fünf bis sechs Frauen, die vom Rollstuhltennis leben könnten. Deshalb fasse sie auch die Möglichkeit ins Auge, eine Trainerkarriere einzuschlagen. Die kürzlich 15 Jahre alt gewordene Buob weist bereits ein beachtliches Palmarès auf. Sie ist vierfache Schweizer Juniorenmeisterin, und im Februar 2015 erkämpfte sie sich an den Juniorenmasters in Tarbes (Frankreich), an dem die Top-4-Spielerinnen der Weltrangliste teilnahmen, den 3. Rang. Im März bestritt sie mit dem Frauen-Nationalteam in der Türkei die Ausscheidung im World-Team-Cup gegen Schweden und Frankreich. Dazu kommen viele weitere Einsätze im internationalen Umfeld mit beachtlichen Resultaten.

Diese Erfolge wurden anlässlich der Sportlerehrung der Gemeinde Baar gewürdigt. Sie gibt sich aber längst noch nicht zufrieden. Sie weiss, dass sie eine Sportart betreibt, die von Jahr zu Jahr professionellere Formen annimmt, sodass der Weg an die Weltspitze nur mit täglicher Arbeit im technischen, taktischen und mentalen Bereich zu schaffen ist. Buob hält unmissverständlich fest: «Mein Fokus gilt den Paralympics 2020 in Tokio.» Da das Rollstuhltennis im Begriff ist, sich vom karitativen Charakter hin zu einem Leistungssport zu entwickeln, wird es auch für das Sponsoring zunehmend interessanter.

Am vergangenen 13. Dezember strahlte das Schweizer Fernsehen im Rahmen der «Sport Awards» ein knapp ein Minuten dauerndes Porträt von Nalani Buob aus. Die Bild- und Tonaufnahmen waren bereits im Oktober in Baar gemacht worden. Buob erzählt: «Als ich die vielen Kameras und sonstigen Utensilien der Fernsehcrew sah, war ich überwältigt. Die sympathische Art der gesamten Crew und ihr Geschick im Umgang mit einem Medien-Greenhorn lösten meine anfängliche Anspannung. Bei den Nahaufnahmen brachte mich der Gedanke, dass ich bei meinem nächsten Schlag mit dem Racket die Kamera zertrümmern konnte, sogar zum Lachen.»

Nichts zu lachen gab es für Buob während der separaten Tonaufnahmen für das Interview. Sie gesteht: «Ich war unglaublich nervös und blockiert. Ich hatte das Gefühl, mir selbst im Weg zu stehen.» Dank dem hartnäckigen Intervenieren des Produzenten und einigen Korrekturen wurden die Sätze schliesslich zu kräftigen Werbeaussagen für den Rollstuhlsport. Buob schildert: «Als ich am Sonntagabend die Ausstrahlung im Fernsehen sah, war ich stolz, die Aufgabe gemeistert und Werbung für eine gute Sache gemacht zu haben.»

Ihr grosser Wunsch

Dass sie keine Einladung zu den «Sport Awards» erhielt, ist zu bedauern. Zumal bei einer Einladung vielleicht ein Herzenswunsch der jungen Frau in Erfüllung gegangen wäre: «Mein absoluter Lieblingssportler ist Stan Wawrinka, der zum Sportler des Jahres gewählt wurde», erklärt sie, und fügt hinzu: «Ich hoffe, ihn einmal persönlich zu treffen und kennen zu lernen.»
 

Martin Mühlebach