ROOT: Chocolatier Aeschbach: «Wir rechnen mit deutlichem Wachstum»

Einst war sie Zugs Schokoladenseite – heute produziert die Firma in Luzern. Der Chef verrät, was sich geändert hat und was gleich geblieben ist.

Ernst Meier
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Geschäftsführer Markus Aeschbach im Produktionsraum seines Schokoladenunternehmens im luzernischen Root. (Bild Werner Schelbert)

Geschäftsführer Markus Aeschbach im Produktionsraum seines Schokoladenunternehmens im luzernischen Root. (Bild Werner Schelbert)

40 Jahre lange produzierte Aeschbach Chocolatier seine süssen Spezialitäten im Kanton Zug. Ende Oktober 2012 hat das Unternehmen den Produktionsstandort Cham aufgeben und ist ins neu erstellte Firmengebäude im luzernischen Root eingezogen. Markus Aeschbach (49) hat das von seinem Vater Charles 1972 gegründete und aufgebaute Unternehmen 2003 übernommen.

Wie haben Sie sich im Kanton Luzern eingelebt?

Markus Aeschbach: Wir sind am neuen Standort hervorragend gestartet. So konnten wir nicht nur unsere Produktion zeitgerecht und neu auf einer Etage einrichten – was die Arbeitsabläufe massiv erleichtert. Unser Firmensitz hier ermöglicht uns auch, ganze neue Geschäftsfelder zu betreiben.

Das wären?

Aeschbach: Wir führen neu neben dem Verkaufsgeschäft auch ein Café und bieten zusätzlich zu den Confiserie-Produkten auch Mittagessen an. Wichtig sind aber auch unsere Führungen und Firmenevents, bei denen man die Schokoladenproduktionen eins zu eins erleben und selber Hand anlegen kann. Hier wurden unsere Erwartungen deutlich übertroffen.

Als 2011 bekannt wurde, dass Aeschbach Chocolatier Zug Richtung Luzern verlasse, bedauerte man den Verlust des Traditionsunternehmens. Wie wichtig sind die Zuger Wurzeln noch?

Aeschbach: Sehr wichtig! Wir haben nach wie vor zwei Verkaufslokale im Kanton Zug. Und selbstverständlich werden unsere Spezialitäten wie «Zuger Kirschschtängeli» oder «Zuger Chriesiblüete» immer noch mit Zuger Kirsch aus dem Hause Etter hergestellt. Dank dem Standort Root stieg und steigt unser Bekanntheitsgrad aber weiterhin stark.

Nur weil Sie jetzt ein Luzerner Unternehmen sind?

Aeschbach: Ich denke da weiter als nur innerhalb von Kantonsgrenzen. In Root sind wir verkehrstechnisch mit der ­S-Bahn-Haltestelle Root D 4 praktisch vor unserer Haustür sowie den Autobahnanschlüssen Perlen-Buchrain und Gisikon-Root in unmittelbarer Nähe perfekt gelegen. Auch aus den Kantonen Zürich, Aargau, Schwyz, Ob- und Nidwalden ist man innerhalb von weniger als einer halben Stunden bei Aeschbach Chocolatier. Unsere traditionellen Zuger Spezialitäten begeistern so auch immer mehr Schokoladenliebhaber aus anderen Kantonen.

Profitieren Sie auch vom Tourismuszentrum Luzern?

Aeschbach: Obwohl wir noch keine spezielle Werbung machen, besuchen uns immer mehr Touristen. Gerade an Regentagen ist ein Ausflug von Luzern zu uns ideal. Mit der S-Bahn ist man innert elf Minuten hier. Wir wollen unsere Marketingaktivitäten im Bereich Luzerner Tagestouristen verstärken und arbeiten künftig auch mit Luzern Tourismus und anderen Organisationen zusammen.

Kommen auch die Zuger zu Ihnen?

Aeschbach: Bis jetzt hatten wir erfreulich viele Besucher aus Zug. Viele kennen uns seit Jahren und kamen aus «Gwunder» vorbei. Wir verzeichneten auch viele Führungen und Firmenevents aus Zug. So waren bereits drei der fünf Zuger Zünfte und einige Unternehmen wie zum Beispiel die Zuger Kantonalbank zu Besuch. Meistens übernahm ich dann auch persönlich die Führungen. So gab es für mich einige 18-Stunden-Arbeitstage in den letzten Monaten (lacht).

Wie stark zeigt sich das Wachstum in Ihren Geschäftszahlen?

Aeschbach: Das ist noch zu früh, um es abschliessend zu sagen, denn wir erzielen gegen 40 Prozent unseres Umsatzes in den letzten drei Monaten des Jahres. Ich rechne für 2013 aber mit einem deutlichen Wachstum und einem Gesamtumsatz von markant über 10 Millionen Franken.

Gleichzeitig sind aber wohl auch die Kosten gestiegen?

Aeschbach: Die Personalkosten sind klar gestiegen. Wir haben am Standort Root 15 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir konnten aber in anderen Bereichen – zum Beispiel Produktion und Energie – Kosten senken. Dank moderner Bauweise und Wärme-/Kältegewinnung via Grundwasser sparen wir umgerechnet bis zu 30 Prozent Energie ein. Anders ausgedrückt: Wir zahlen in Root etwa gleich viel für Energie wie in Cham, haben aber deutlich mehr Raum zur Verfügung und produzieren auch mehr. Zudem profitieren wir von den tiefen Hypothekarzinsen.

Der Entscheid, in Root Land zu kaufen und etwas Eigenes zu bauen, war somit ein Volltreffer.

Aeschbach: Heute kann ich sagen: Ja, es war eine Super-Chance, die wir nutzen konnten. Allein der Preis für die rund 12 000 Quadratmeter Land, wobei die Hälfte als Baureserve dient, wäre heute wohl deutlich höher. Als ich mich vor drei Jahren entscheiden musste, hatte ich aber schon die eine oder andere schlaflose Nacht. Schliesslich investierten wir gegen 15 Millionen Franken in den Neubau und eröffneten einige neue Geschäftsfelder, bei denen wir uns auf keine Erfahrungszahlen abstützen konnten.