Zuger Werkjahr: Rot für die Kunst

Der Regierungsrat des Kantons Zug vergibt jährlich einen finanziellen Beitrag an einen professionellen Kunstschaffenden. Am 26. Juni fand die Finissage der entsprechenden Ausstellung statt.

Haymo Empl
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29 Arbeiten und Projekte wurden in der Chollerhalle präsentiert. (Bild: Maria Schmid, Zug, 26. Juni 2019)

29 Arbeiten und Projekte wurden in der Chollerhalle präsentiert. (Bild: Maria Schmid, Zug, 26. Juni 2019)

Während der Wettbewerbsausstellung «Förderbeiträge und Zuger Werkjahr 2019» gab es am 26. Juni bei der Finissage die letzte Gelegenheit, 29 Arbeiten und Projekte von Zuger Künstlern zu entdecken. Seit 1978 vergibt der Kanton Zug in jedem Jahr Förderbeiträge, bis dato konnten über 350 junge Kunstschaffende aus allen Sparten von entsprechenden Beiträgen profitieren.

An der Ausstellung zeigte sich eine unglaubliche Bandbreite an Kreativität und Können, die Fachjury dürfte es nicht einfach haben, eine entsprechende Entscheidung zu fällen. Von der rustikalen Bildhauerei bis zum Game-Design; die Künstler präsentierten ihr Schaffen in der Chollerhalle professionell. In vielen Fällen waren die Kunstschaffenden an der Finissage persönlich anwesend und konnten dem zahlreich erschienenen Publikum Fragen direkt beantworten. Davon gab es viele, denn manche Objekte erschlossen sich nicht auf Anhieb.

Geld für die Kunst

Der Regierungsrat schreibt unter dem Titel «Förderbeiträge» einen Betrag von total 120 000 Franken an einen Zuger Kunstschaffenden aus, welcher eine herausragende künstlerische Leistung erbracht hat und ein überzeugendes Projekt vorweisen kann und zudem höchstens 40 Jahre alt ist. Im Rahmen des «Zuger Werkjahres» können sich Kunstschaffende ab 30 Jahren bewerben, hier ist der Beitrag auf 50 000 Franken festgelegt. Bewerbungen für beide Beträge sind nicht möglich.

Natürlich stellt sich bei diesen Beträgen die Frage, warum die Öffentliche Hand so etwas Abstraktes wie «Kunst» mit einer stolzen Summe fördert, denn rechnet man den Geldbetrag zusammen, wurden bis heute 4,8 Millionen Franken ausbezahlt. Aber: Das Kunst-Schaffen entspricht dem uralten Bedürfnis des Menschen, sich mit seinem Ausdruck in seiner Umwelt zu positionieren und durch sein «Werk» vielleicht auch die Umwelt zu beeinflussen und im besten Fall mitzugestalten. «Natürlich polarisiert diese Geld-Frage», sagte Aldo Caviezel, Leiter von Amt für Kultur in seiner Ansprache:

«Die einen schütteln den Kopf und sprechen von Markt, von Wirtschaftlichkeit und von der Kulturproduktion, die dem Staat nur auf dem Portemonnaie liegt, die anderen von Gesellschaftsbildung, Identität, Kohäsion, Lebensqualität. Sie sprechen von der Kultur als Fundament, auf dem jeder Staat aufbaut.»

Wenn man sich die Dossiers der Kunstschaffenden etwas genauer anschaute, fiel auf, dass alle Künstler mit Leib, Seele und Geist hinter ihren Projekten stehen. In allen Fällen fand eine intensive, in manchen Fällen schon obsessive Auseinandersetzung mit dem selbst gewählten Thema statt. Kein Zweifel, alle Ausstellenden hatten auf ihre Art etwas zu sagen. Diese «Message» wurde mannigfaltig transportiert: Exemplarisch sei hier das Beispiel «rot» von Luz Maria Molinari angeführt. Ein zehn Meter langes Kleid steht für das, was im Kopf des Betrachtenden geschieht: alles oder nichts. Das Auge gib die Information des roten Kleides, beispielsweise «rot, Kleid und lang» an das Gehirn weiter und dieses entscheidet dann, was geschehen soll. «Das Spannende an einer installativen Performance ist die sofortige Wirkung auf den Kontext», erklärt die gebürtige Peruanerin, die seit 2011 in Zug lebt, in ihrem Dossier. «Rot» als weitreichende Studie am Verhalten des Menschen, eine Idee, die durch ihre bestechende Einfachheit zündenden Charakter hat.

Wie die Fachjury entschieden hat, wird Ende August bekannt gegeben – die Preisübergabe erfolgt dann schliesslich am 30. Oktober in der Galvanik Zug. Wer sich aktiv in die Diskussion um Sinn oder Unsinn von Kunst und Kultur einbringen möchte, kann dies am 3. Dezember im Rahmen des öffentlichen Kulturgipfels in der Shedhalle Zug machen.