ROTKREUZ: 230 herzige Hasen müssen schon wieder umziehen

Ueli Bichsels Häslihof ist vor allem bei Familien mit Kindern sehr beliebt. Doch seine Zukunft ist ungewiss.

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Ueli Bichsel muss für seine Lieblinge eine neue Bleibe suchen: Denn auf dem alten Areal wird 2015 ein Park gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

Ueli Bichsel muss für seine Lieblinge eine neue Bleibe suchen: Denn auf dem alten Areal wird 2015 ein Park gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

«Schreiben Sie doch über den Hase-ueli und seinen Häslihof, der nun weg muss», so die Aufforderungen mehrerer Leser in Rotkreuz. Ihnen brennt das Thema unter den Nägeln, denn viele haben Angst um die Zukunft der beliebten Anlage, auf der rund 230 Hasen leben.

Herr über die Tiere ist Ueli Bichsel (62), der im Rotkreuzer Industriegebiet den Hasen ein Paradies geschaffen hat. Hier leben die Tiere auf einem rund 1300 Quadratmeter grossen Areal, auf dem mehrere Ställe stehen. Viele der Nager, die nun hier leben, wurden von den Vorbesitzern vernachlässigt. Von Bichsel werden sie nun liebevoll umsorgt. Der Schweizer Tierschutz lobt die Anlage als vorbildhaft und schweizweit einmalig. Das Hasenparadies ist ein regelrechtes Besuchermagnet: An schönen Tagen zieht es vor allem Familien mit Kindern zu den herzigen Tieren.

Ins Industriegebiet nördlich des Bahnhofs ist Bichsel mit seinen Hasen vor rund einem Jahr gezogen: Zuvor standen seine Ställe rund 500 Meter entfernt auf der anderen Seite der Autobahn bei der Deponie Langenfeld, welche von der Risi AG betrieben wird. Bei der Firma ist Ueli Bichsel auch tätig. «Damals wurde der Humushaufen auf der Deponie, auf dem die Hasen wohnten, abgetragen.»

Grünpark bis 2015

Leider steht Ueli Bichsels Häslihof bereits wieder eine ungewisse Zukunft bevor. Denn die Anlage steht auf einem Stück Gemeindeland, das neu genutzt werden soll – für einen Park.

Das Land ist seit Jahren an einen Bauern verpachtet. Mit diesem Landwirt hat Ueli Bichsel mit Einverständnis der Gemeinde seinerseits einen unbefristeten Pachtvertrag abgeschlossen. Für ihn sei zwar klar gewesen, dass hier irgendwann ein Grünpark hinkomme: Denn 2004 genehmigte die Gemeindeversammlung einen Kredit dafür. Doch der Bauer habe das Land schon seit über zehn Jahren gepachtet gehabt, ohne dass je über einen möglichen Baubeginn gesprochen wurde. Seit einigen Monaten ist aber klar: Die Hasen müssen weichen. «Bis Ende 2014 muss ich das Areal geräumt haben», erklärt der 62-Jährige. «Vor dem Umzug hat mir die Gemeinde nicht erzählt, dass ich hier schon bald wieder weg muss», ärgert sich Bichsel. Schliesslich habe er auch viele Investitionen getätigt, um das Hasenareal herzurichten. So hat Ueli Bichsel einen Container auf seinem Hasenareal erstellt, in dem unter anderem das Futter und Gerätschaften untergebracht sind. Dafür brauchte er ein Baugesuch: Dieses ging ohne Einsprachen durch. Nach der Baugenehmigung habe der Gemeinderat ihn aufgefordert zu unterschreiben, dass er einwillige, das Areal bis Ende 2014 zu räumen. «Ich habe damals zum ersten Mal davon erfahren – und nichts unterschrieben.» Für sein Verhalten habe er viel Solidarität erfahren: Anwohner und Fans seines Geheges überlegten sich gar, ei­- ne Unterschriftenaktion gegen den Umzug zu starten.

An das Hasengehege grenzt ein 4000 Quadratmeter grosser Parkplatz. Dieser wurde hier als Zwischenlösung durch die Firma Roche Diagnostics AG gebaut. Roche plant nun ein weiteres Parkhaus, wodurch die Plätze nicht mehr benötigt werden. 2012 hat die Gemeinde eine weitere Parzelle des Areals verkauft. Mit dieser Handänderung sei mehr als 50 Prozent der Gesamtfläche verkauft und die Gemeinde sei gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung von 2004 verpflichtet, den Erlenpark zu bauen, so Rischs Bauchef Ruedi Knüsel. Gegenüber den Käufern sei man dazu verpflichtet. «Wir haben mit der Planung begonnen und werden den Park spätestens 2015 bauen. Wir haben offen und mit genügend Vorlauf kommuniziert, dass es sich hier um ein Provisorium handelt. Deshalb wurde die Baubewilligung für den Container nur befristet erteilt», sagt Knüsel.

Gestern gab Ueli Bichsel ein Versprechen ab: «Ich werde für die Hasen einen neuen Ort finden!» Luc Müller