ROTKREUZ: Campusprojekt: Jetzt regt sich Widerstand

Rund 20 Einsprachen sind gegen die neue Überbauung der Zug Estates am Bahnhof eingegangen. Ein Umstand sorgt bei einigen Anwohnern für besonders grossen Ärger.

Rahel Hug
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Letzte Woche begannen in der Suurstoffi die Arbeiten für eine provisorische Zufahrt – worauf die Gemeinde einen Baustopp verfügte. (Bild: PD)

Letzte Woche begannen in der Suurstoffi die Arbeiten für eine provisorische Zufahrt – worauf die Gemeinde einen Baustopp verfügte. (Bild: PD)

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

In rund zwei Jahren soll der neue Hochschulcampus in Rotkreuz fertiggestellt sein. So jedenfalls sehen es die Pläne der Grundeigentümerin Zug Estates für das Areal beim Bahnhof vor. Doch nun könnte es zu Verzögerungen beim Grossprojekt kommen. Im Rahmen der Auflagefrist, die letzte Woche zu Ende ging, sind rund 20 Einsprachen eingegangen, wie der Rischer Bauchef Ruedi Knüsel bestätigt. «Sie betreffen hauptsächlich die Gebäudeabmessungen, Fragen des Verkehrs sowie die Baustellen­erschliessung», sagt er.

Widerstand regt sich unter anderem im Quartier Sunneblick. Eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, stört sich zum Beispiel am 60 Meter hohen Hochhaus, das Teil der neuen Überbauung sein wird. «Wir werden an eine Wand schauen», sagt sie und fügt an: «Neben den Räumen für die Studenten entstehen zahlreiche Gewerbeflächen. Das damit verbundene Verkehrsaufkommen kann unser Quartier nicht schlucken.» Ein anderer Anwohner, der ebenfalls anonym bleiben will, bemängelt unter anderem die Einfahrt zur geplanten Tiefgarage auf der Seite der Birkenstrasse. Der Mehrverkehr würde zu einer «unzumutbaren Lärmbelastung» führen, ist er der Meinung. Er kritisiert auch die provisorische Zufahrt zur Suurstoffi 8 bis 12. Sie sei eine «Belastung und Gefährdung der Sicherheit der Anwohner», da sie über einen Fussgängerweg führe. Gleiches gelte für die Baustellenzufahrt über die Birkenstrasse. «Diese ist nicht verhältnismässig.» Es wäre besser, die Baustellenzufahrt über die Blegi­strasse und die Suurstoffi Ost entlang des Bahntrassees zu führen, sagt der Anwohner.

«Ich habe meinen Augen nicht getraut»

Die Liste der Punkte, die einigen Nachbarn sauer aufstossen, ist lang. Doch ein Umstand sorgt bei den Anwohnern für besonders grossen Ärger. So hat die Bauherrin Zug Estates offenbar bereits Anfang letzter Woche mit dem Bau einer provisorischen Zufahrtsstrasse neben dem Gebäude Suurstoffi 3 begonnen – und dies, obwohl eine Baubewilligung bislang nicht vorliegt. Bauchef Ruedi Knüsel bestätigt dies und sagt: «Der Gemeinderat hat umgehend einen Baustopp verfügt.» Die Anwohnerin aus dem Sunneblick hat kein Verständnis für das Vorgehen der Zuger Immobilienunternehmung. «Wenn wir als Durchschnittsbürger bauliche Anpassungen vornehmen wollen, brauchen wir eine Baubewilligung. Hier scheint diese Regel nicht zu gelten.» Auch der Mann aus der Nachbarschaft äussert seinen Unmut. «Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Baumaschinen gesehen habe.»

Seitens Zug Estates nimmt man wie folgt Stellung: «Da wir einen sehr engen Terminplan haben, wurde die betreffende Submission bereits durchgeführt und ein Unternehmer, der auch sonst in der Suurstoffi tätig ist, beauftragt. Aufgrund eines Missverständnisses hat dieser Unternehmer letzte Woche mit den Vorarbeiten für die provisorische Erschliessungsstrasse begonnen», sagt CEO Tobias Achermann. Man habe die Arbeiten umgehend gestoppt, als man davon erfahren habe, und bedaure den Vorfall. «Ergänzend hat die Gemeinde im Nachhinein formell noch einen Baustopp verfügt.» Über die Einsprachen sei man informiert worden. «Ob und wie sich dies auf den Zeitplan auswirken wird, können wir derzeit noch nicht beurteilen.»

Bebauungsplan ist beim Regierungsrat

Wie geht es nun weiter? «Zuerst muss der Regierungsrat den Bebauungsplan Suurstoffi West genehmigen», informiert Ruedi Knüsel. Der Gemeinderat werde anschliessend über das Baugesuch sowie die Einsprachen entscheiden. «Einen genauen Termin kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht angeben.»

Die Bevölkerung von Risch hat dem Bebauungsplan im vergangenen Herbst zugestimmt. Im neuen Campus soll unter anderem das Departement Informatik der Hochschule Luzern unterkommen. Aktuell ist es in den Übergangsstandorten Suurstoffi 12 und 41 untergebracht.