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ROTKREUZ: Die Nachbarn rücken den Hühnern immer näher

Das Dorf ist bereits zur Stadt geworden – und der Bauboom geht weiter. Das merken vor allem die Bauern.
Luc Müller
Bauern in immer engeren Verhältnissen: Richard Vogel und seine Frau Lisbeth. (Bild Christof Borner-Keller)

Bauern in immer engeren Verhältnissen: Richard Vogel und seine Frau Lisbeth. (Bild Christof Borner-Keller)

Von den angrenzenden Wohnungen haben die Bewohner direkten Blick auf den Hühnerstall und den Misthaufen. «Deswegen gab es noch nie Reklamationen», verrät Lisbeth Vogel. «Aber schon einmal wegen eines zugekauften Kalbes, das Heimweh hatte und ständig gemuht hat. Das Tier haben wir dann zurückgegeben», doppelt die Bäuerin nach. Der Bauernbetrieb der Familie Vogel rückt immer mehr ans Dorfzentrum von Rotkreuz. Der Hof ist von neuen Wohnhäusern bereits fast eingekreist.

Anonymer und unpersönlicher

Der Bauboom der Gemeinde Risch, welche zu Jahresbeginn die Grenze von 10 000 Einwohnern geknackt hat – wird hier auf eindrücklich Art und Weise sichtbar. Richard Vogel deutet auf die Häuser vis-à-vis. Die 1.Etappe der Überbauung Lindenmatt mit rund 100 Wohnungen wurde vor knapp zehn Jahren realisiert – die zweite Etappe mit gleich viel Wohnraum wurde vor drei Jahren fertiggestellt. Und schon ist die dritte Lindenmatt-Etappe in Planung – derzeit ist ein Architekturwettbewerb im Gange, im nächsten Schritt wird ein Bebauungsplan erarbeitet. Stehen auch diese Häuser, verliert der Bauernbetrieb wieder ein Hektar an Land, das bewirtschaftet wurde. «Meiner Meinung nach ist das Dorf nicht schöner geworden», betont Richard Vogel. «Alles ist anonymer und unpersönlicher», stellt Lisbeth Vogel fest. «Zudem ist für uns das Bauern noch arbeitsintensiver geworden. Viele Arbeiten kann ich nicht in einem Stück durchziehen, sondern muss diese an verschiedenen Orten erledigen», so ihr Mann. Denn sein Land ist durch die angrenzenden Neubauten immer stärker zerstückelt. Im Kanton Zug ist die landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen 2003 und 2011 von 10 935 Hektaren um rund 350 Hektaren geschrumpft. Auch die Anzahl Bauernbetriebe geht kantonal stetig zurück (siehe Kasten).

Hälfte des Landes überbaut

15 Mutterkühe für die Mastrinderzucht stehen in der Scheune – früher waren es noch 25 Milchkühe, welche die Familie Vogel betreute. Zudem besitzen sie über 100 Hühner – ein weiteres Standbein sind Obstbäume und Erdbeeren.

1952 hat der Vater von Richard Vogel das Landwirtschaftsland von Privaten und zu einem Teil von der Gemeinde gepachtet. Das Bauernhaus konnte der Vater 1984 kaufen. 14 Hektaren konnte der Senior damals bewirtschaften. Heute sind es an gleicher Stelle nur noch rund sechs Hektaren – der Rest des Landes, auf dem der Bauernhof steht, ist bereits überbaut. Aktuell bewirtschaftet die Familie Vogel zehn Hektaren – vier Hektaren stehen ausserhalb von Rotkreuz an der Reuss. «Im Dorf findet man fast kein Pachtland mehr – und wenn, sind die Preise relativ hoch», so Vogel.

«Als ich 1989 den Hof vom Vater übernommen hatte, war das Pachtland bereits in der Bauzone. Das war in der Ortsplanung schon lange festgelegt und vom Volk abgesegnet worden», so Richard Vogel, «ich habe gewusst, dass hier irgendwann gebaut wird.»

Doch dass es «so schnell geht», hat der 50-Jährige nicht gedacht. «Innerhalb einer Generation ist fast die Hälfte des Pachtlandes bebaut worden.» Diese Geschwindigkeit sei unglaublich. «Wenn wir so weitermachen würden, hätte die nächste Generation schon nichts mehr», betont der Landwirt.

Ende ist in Sicht

Der Pachtvertrag läuft in den nächsten Jahren aus – dann will Richard Vogel mit dem Bauern aufhören. Auch seine zwei Söhne und die Tochter wollen den Hof nicht weiterführen. Schon heute hat Richard Vogel einen Nebenjob – er ist als Hauswart für die Aussenanlagen der Lindenmatt-Überbauung zuständig.

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