ROTKREUZ: «Die Zone ist zu kurz, und die Autos fahren viel zu schnell»

Seit einem halben Jahr gibt es nun in der Ennetseegemeinde die Begegnungszone. Ein Flanierversuch.

Drucken
Teilen
Autos versus Fussgänger: Richtig Freude an der neuen Begegnungszone in Rotkreuz haben offenbar noch nicht viele. (Bild Werner Schelbert)

Autos versus Fussgänger: Richtig Freude an der neuen Begegnungszone in Rotkreuz haben offenbar noch nicht viele. (Bild Werner Schelbert)

Nicht immer lacht das Smiley auf der Geschwindigkeitsmessanzeige. Im Gegenteil. Dem Autofahrer in der Buonaserstrasse dort, wo seit September letzten Jahres Tempo 20 gilt – blickt nicht selten eine wütende rote Fratze entgegen. Ganz zu schweigen von der gegenüberliegenden Fahrbahn, an der kein Tempomessgerät angebracht ist. Wer über die Strasse will, muss genau schauen. Kein Wunder. Viele der Autofahrer sind in der neu kreierten Begegnungszone auffallend forsch unterwegs – völlig unbeeindruckt von der Idee eines langsamen Miteinanders zwischen Fussgängern und Autos.

«Belag bei Nässe ‹schlieferig›»

«Die Autos fahren viel zu schnell, vor allem Lastwagen halten sich kaum an das Tempolimit», kritisiert eine junge Angestellte in einem Geschäft an der Strasse durchs Dorf. Sie findet, auf dieses neue Verkehrsreglement hätte man durchaus verzichten können, denn es habe bis jetzt nicht viel gebracht. Auch ein Ex-Könizer, der gerade seinen Einkauf im Migros erledigt hat, ist überzeugt: «Die Begegnungszone ist viel zu kurz geraten ausserdem ist sie gefährlich für Schüler, weil die keinen Zebrastreifen mehr vorfinden, an dem sie die Gewissheit haben, dass die Autos auch wirklich anhalten.» Eine ältere Dame, die ihren Dackel gerade vor dem Coop angebunden hat, der ihr sehnsüchtig hinterherwinselt, weist darauf hin, dass der Strassenbelag «gerade, wenn es nass ist, sehr ‹schlieferig› ist». Ganz offensichtlich haben sich noch nicht sehr viele Rotkreuzer mit ihrer minimalistischen Begegnungszone angefreundet – die ja mit nur hundert Metern Kürze schon fast rekordverdächtig ist und mit einem ebenso minimalistisch erscheinenden Mehr von gerade mal drei Stimmen bei der Gemeindeversammlung im letzten Jahr abgesegnet wurde.

Hausherr: «Viel positives Feedback»

Gemeindepräsident Peter Hausherr sieht das Ganze indes völlig anders. «Wir haben inzwischen sehr viele Rückmeldungen bekommen, dass die Begegnungszone recht gut funktioniert», so der CVP-Gemeinderat. Die Attraktivität des Dorfzentrums habe sich vom Bild her deutlich erhöht. «Und dadurch, dass die Fussgänger mehrheitlich rücksichtsvoll von ihrem Vortrittsrecht in der Begegnungszone Gebrauch machen, ergibt es noch einen relativ flüssigen Verkehrsfluss.» Sagts und weist daraufhin, dass es sich ja um keine Aufenthaltszone, sondern um eine Begegnungszone handle, in der sich Fussgänger und Autos in einem langsamen Modus begegnen würden. Hausherr: «Wir werden natürlich weiterhin sehr genau das neue Verkehrsregime beobachten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass nach der noch anstehenden Nachevaluation gewisse Anpassungen vorgenommen werden.»

In der Tat. Vielleicht wäre ja die Kennzeichnung des «Begegnungszönchens» in einem beruhigenden blauen? – Farbton sinnvoll, um allen Verkehrsteilnehmern sofort zu signalisieren, dass es sich hier um etwas Besonderes handelt. Wenigstens ist ja bis jetzt noch nichts passiert, wie Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, versichert. «Es ist für uns kein Hotspot.» Eine Ladenangestellte erkennt wenigstens einen Vorteil der Begegnungszone: «Wenn die Autofahrer langsamer unterwegs sind, können sie die Werbeschilder und Auslagen besser anschauen.» Immerhin.

wolfgang holz