Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ROTKREUZ: Dieses Gebetshaus weckt Widerstand

Zwölf Jahre lang war es ruhig um die Moschee an der Letten- strasse 11. Nun wehren sich Nachbarn dagegen.
Andrea Muff
Am Wochenende treffen sich hier gläubige Muslime zum Beten. (Bild Maria Schmid)

Am Wochenende treffen sich hier gläubige Muslime zum Beten. (Bild Maria Schmid)

Andrea Muff

Autogaragen, Spengler, Softwareunternehmen und sogar einen Imker findet man an der Lettenstrasse 11 in Rotkreuz. Es sind Kleingewerbler, die im zweistöckigen Gebäude ihrer Tätigkeit nachgehen – umgeben unter anderen von der Roche. So fällt auch die Tafel über der einen Tür auf den ersten Blick gar nicht auf: Darauf steht ein Satz in einer fremden Sprache und darunter die Übersetzung: Albanische Islamische Moschee in Zug. Durch die Tür und über das Treppenhaus gelangt man erst in einen Aufenthaltsraum mit vielen Tischen und Stühlen. Eine Küche und Vorrichtungen für die Fusswäsche stehen zur Verfügung. Vor einer weiteren Türe weisen die an einem Gestell hängenden Schuhlöffel darauf hin, dass sich dahinter der Gebetsraum befindet.

Sieben Einsprachen eingegangen

Hier trifft sich der Albanisch-Islamische Verein an den Wochenenden und zweimal jährlich für Feste. «Seit dem 4. April 2004 beten, reden, spielen und essen wir hier», erklärt Redjep Memeti, Präsident des Vereins. Vor zwei Jahren hat die Gemeinschaft das Stockwerk erworben.

Nun publizierte besagter Verein Anfang März ein Baugesuch im Zuger Amtsblatt zur Umnutzung der Gewerberäumlichkeiten in Gebets- und Aufenthaltsräume beziehungsweise in eine Moschee. In Klammer der Hinweis «bereits erstellt». Zu diesem Baugesuch sind bis zum Ablauf der Frist sieben Einsprachen bei der Gemeinde eingegangen.

Umso mehr ist Memeti enttäuscht über die Einsprachen aus der Nachbarschaft. «Niemand ist je zu uns gekommen und hat das Gespräch gesucht.» Die Türen stehen für alle offen, versichert der seit 38 Jahren in der Schweiz lebende Muslim.

Warum hat der Verein erst so spät das Baugesuch eingereicht? «Ich habe nicht gewusst, dass wir das machen müssen», erklärt Memeti. Das Versäumnis holte er damit nach. Von Seiten der Gemeinde sieht es folgendermassen aus: «Bei einem Augenschein in einem anderen Zusammenhang haben wir festgestellt, dass an der Lettenstrasse 11 eine Moschee betrieben wird», sagt Gemeindeschreiber Ivo Krummenacher. Diese Nutzung bedürfe einer Baubewilligung. «Der Betrieb einer Moschee beeinflusst den Raum und die Umwelt anders als die vorgesehene Grundnutzung als Gewerberaum», verdeutlicht Krummenacher und führt weiter aus: «Damit sind beispielsweise das höhere Verkehrsaufkommen vor dem Gebäude und die höhere Personendichte in den Räumen gemeint.» Deshalb müssen auch die feuerpolizeilichen Aspekte neu geprüft werden.

Der gebürtige Mazedonier Memeti stellt klar: «Das sind in erster Linie Gebets- und Aufenthaltsräume.» Es handle sich nicht um eine Moschee im herkömmlichen, baulichen Sinne. Von Freitagabend bis am Sonntag würden sich hier 20 bis 25 Mitglieder treffen: «Wir sind wie eine grosse Familie.» Zudem sei der Verein nicht heimlich entstanden, wie in den Einsprachen vorgeworfen werde. «Wir haben uns 2004 ordnungsgemäss bei der Gemeinde angemeldet.» Und betont nochmals: «Hier ist nichts Heimliches, sondern alles öffentlich.» Auch die Zuger Polizei komme zweimal im Jahr vorbei und schaue nach dem Rechten. Der Steinhauser beteuert: «Noch nie hat es hier irgendwelche Probleme gegeben.» Die Nachfrage bei der Gemeinde ergibt: «Es sind keine Reklamationen aktenkundig», bestätigt Krummenacher.

Anonymer Brief macht die Runde

Über das Baugesuch wird nun der Gemeinderat entscheiden. Das Geschäft wird von der Abteilung Planung/Bau/Sicherheit aufbereitet. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann die Gemeinde keine genaueren Auskünfte geben, was genau in den Einsprachen bemängelt wird. Memeti sagt: «Sechs von den sieben Einsprachen sind fast aufs Wort gleich. Der Hauptgrund liegt einfach darin, dass man keine Moschee in der Nachbarschaft wolle.» So oder so steht für den Vereinspräsidenten fest: «Wir schauen positiv in die Zukunft.»

Widerstand gegen das Gebetshaus äusserte sich in Form eines Briefes. Dieser flatterte anscheinend in mehrere Haushalte des Quartiers. Gerüchten zufolge hat er zum Einsprechen aufgefordert. «Der Brief wurde der Gemeinde zugetragen. Sein Verfasser ist aber anonym», bestätigt der Gemeindeschreiber.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.