ROTKREUZ: Eine Puppenmutter mit ganz viel Elan

Jetzt schmücken wieder viele Gestalten die Strassen der Stadt – dahinter steckt eine einzige Person.

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Nähen, ausstopfen, dekorieren: Ursi Sidler haucht den Puppen mit viel Geschick Leben ein. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Nähen, ausstopfen, dekorieren: Ursi Sidler haucht den Puppen mit viel Geschick Leben ein. (Bild: Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Sie ist die Rotkreuzer Puppenmutter. Aus alten Übergwändli, die sie ausstopft, zaubert Ursi Sidler lebensgrosse Fasnachtsgestalten. Den Kopf bilden jeweils alte, bauchige Chianti-Weinflaschen. Von Guggenmusigen erhält sie alte Gewänder, die sie den Figuren überstreift. Die Figuren schmücken jeweils zur Fasnachtszeit das ganze Zentrum von Rotkreuz.

Über 100 Puppen lagern inzwischen im Atelier der Rotkreuzerin, das sie im Untergeschoss beim Depot der Rischer Feuerwehr eingerichtet hat. Die Aktion organisiert sie jeweils mit der Fasnachtsgesellschaft Rotkreuz, in der sie seit langem Mitglied ist. «Eigentlich wollte ich dieses Jahr keine Puppen mehr aufstellen», sagt Ursi Sidler, «doch für die Fasnachtsgesellschaft war klar, dass diese Tradition weitergehen muss.»

Margrit Gnos als Ur-Puppenmutter

Begonnen mit der Tradition der Puppen, die auch auf Balkonen stehen und an den Häuserfassaden hängen, hat vor 25 Jahren Margrit Gnos. Sie schmückte mit den selbst gestalteten Fasnachtspuppen zunächst eine alte Schmiede im Dorf. «Wegen ihres Alters wollte sie plötzlich aufhören», so Sidler, «da habe ich ihr gesagt, dass ich für sie die Arbeit übernehme.» Ursi Sidler fertigt die fantasievollen Geschöpfe heute fast im Alleingang, nur ab und an hilft ihr eine Kollegin aus. «Ich bin auf der Suche nach Leuten, die mich unterstützen wollen», startet die Rotkreuzerin gleich einen Aufruf.

Immer öfters würden die Puppen leider zerstört. «Einmal haben sie einer Figur die Töffstiefel geklaut, obwohl diese voll Leim und unbrauchbar waren», sagt sie mit einem Lächeln. Das Anbringen der Puppen – unterstützt wird sie an schwer zugänglichen Stellen in der Höhe von der Feuerwehr – wird immer schwieriger. «Viele Neubauten bestehen in Rotkreuz aus einer glatten Glasfassade ohne Balkone.»

Auch einige Neuzuzüger hätten keinen Bezug mehr zu dieser Puppentradition. Jemand wollte sie auch schon einmal verklagen, als sie ihm eine Puppe auf den Balkon gestellt hatten. «Der alte Mieter war umgezogen, der neue Bewohner hatte keine Lust auf Fasnacht», erinnert sich die 49-Jährige. Aber auch nette Anekdoten hat Ursi Sidler viele auf Lager.

Ein englisch sprechender Mann habe sie einst beim Aufhängen der Puppen genaustens beobachtet. «Es stellte sich dann heraus, dass der Mann aus Australien stammte und unbedingt auch wollte, dass bei ihm auf dem Balkon eine Fasnachtsgestalt aufgestellt wird. Im Vorjahr war der Australier richtig traurig, dass er nicht angefragt wurde», ergänzt die Puppenmutter. Dass sie eine wahre Fasnächtlerin ist, beweist Ursi Sidler auch bei der Arbeit. Am Schmutzigen Donnerstag sass sie als Fisch verkleidet am Steuer der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) – wie rund 15 ihrer ZVB-Kollegen.

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