ROTKREUZ: Herbstsonne sorgt für guten Jahrgang

Der 2014er wird schlussendlich doch noch den Gaumen der Weinliebhaber speziell erfreuen können. Vor allem der Weisswein gelangt mit viel Fruchtzucker in den Tank – was Aroma liefert.

Luc Müller
Drucken
Teilen
An der Weinlese waren am Mittwoch viele freiwillige Helfer dabei: so auch Jonas Knüsel und Nadine Arnold. (Bilder Stefan Kaiser)

An der Weinlese waren am Mittwoch viele freiwillige Helfer dabei: so auch Jonas Knüsel und Nadine Arnold. (Bilder Stefan Kaiser)

Die Sonne blinzelt durch die herbstlich verfärbten Weinrebenblätter. Und auch das Gesicht von Alfred Knüsel strahlt. «Dieses Jahr kommt was Gutes in den Tank», schwärmt der Bauer vom Biohof Breiten in Rotkreuz. Nach den nassen Sommermonaten sah es zunächst nicht nach einem guten Jahrgang 2014 aus. «Doch jetzt hat der goldene Herbst nochmals viel Kraft in die Trauben gebracht.» Die weissen Trauben, die am 20. September gelesen wurden, weisen 102 Öchslegrad auf. «Das ist ein Spitzenresultat», schwärmt Winzer Knüsel. Die roten Trauben, die am Mittwoch von Hand von den Stöcken abgetrennt wurden, haben 86 Öchslegrad. «Damit konnte man in diesem Jahr nicht mehr rechnen – aber eben: Die Sonne der letzten Wochen hat das Resultat gerettet», so Alfred Knüsel.

Denn die Sonnenstrahlen sorgen für Zucker in den Früchten. Und je höher der Fruchtzuckergehalt ist, der in Öchslegrad gemessen wird, desto höher ist später der Alkoholgehalt. «Die Aromatik des Weins wird durch den Zucker bestimmt. Ein saurer Apfel schmeckt auch immer gleich, erst die Süsse macht den Unterschied.»

Rebsorte selber benannt

Seit 2000 betreibt Alfred Knüsel den mit 6000 Quadratmetern grössten Weinberg im Kanton Zug. Der ist biozertifiziert. Zwei Drittel des Südhangs ist mit weissen Trauben der Sorte Solaris bestückt, der Rest sind rote Trauben. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung aus den Sorten Léon Millot und Maréchal Foch, aus welcher der Rotwein «Rischer Rubin» gewonnen wird. «Die Kreuzung habe ich von einem Züchter herstellen lassen. Die Besonderheit: Eigentlich hat der Züchter das Recht, einen Namen für die neue Kreuzung zu benennen. Aber weil ich der Einzige bin, der die Sorte anwendet, durfte ich den Namen wählen», berichtet Alfred Knüsel.

Auswärts gekeltert

Auch bei den weissen Trauben hat er Innovation bewiesen. «Ich habe lange nach einer Sorte gesucht, die hierher passt. Der Kanton Zug ist kein typisches Weinanbaugebiet. Wir haben hier im Gegensatz zum Wallis auch viele Niederschläge. Ich brauchte eine Traube, die frühreif ist», so Knüsel. Im deutschen Freiburg im Breisgau wurde der Winzer fündig. «Im Jahr 2000 habe ich die Sorte Solaris als Erster in die Schweiz eingeführt», informiert der Rotkreuzer. Pro Jahr werden aus den Trauben von Alfred Knüsel zwischen 2000 und 2500 Flaschen Weisswein sowie zwischen 1600 und 1800 Flaschen Rotwein produziert. Die Früchte liefert Knüsel nach Luzern zur Firma Weinbau Ottiger, der die Früchte keltert und zu Wein verarbeitet.

In diesem Jahr machte die Kirschessigfliege den Winzern das Leben schwer: Der Schädling frisst die reifen Trauben an, die deshalb verfaulen. «Auch ich habe die Tierchen unterschätzt», sagt Knüsel. Bei den weissen Trauben hat er einen Verlust von rund 20 Prozent – das entspricht rund 600 Kilogramm – zu verzeichnen. Bei den roten Trauben musste er rund 10 Prozent verfaulte Trauben herausschneiden. «Ich bin übrigens stolz, dass ich den einzigen Biorebberg in der Schweiz habe, an dem noch nie Kupfer gegen Flechten an den Rebstöcken eingesetzt wurde, obwohl ich eine gewisse Menge Kupfer verwenden dürfte.»

Und was stehen nun nach der abgeschlossenen Lese für Arbeiten im Weinberg an? «Jetzt werden dann die Shrop­shire-Schafe durch die Weinstöcke schlendern und das Gras sowie die Blätter der Rebstöcke fressen», sagt Knüsel. Er selber wird den Schnitt für das nächste Jahr vorbereiten und gewisse Stöcke zurückschneiden und so Platz für Jungtriebe schaffen. Erst im Januar und Februar ist dann mal nichts los im Weinberg. «Winzer zu sein, ist ein Hobby für mich», sagt Knüsel, «ein Geschäft kann man damit nicht machen.»