ROTKREUZ: Hier läuten die Glocken auch in den Nachtstunden weiter

Stört sich die Bevölkerung am Geläute der katholischen Kirche? Und wenn ja, zu welchen Zeiten? Diese Fragen hat der Kirchenrat 3000 Einwohnern gestellt – die Ergebnisse fallen ziemlich deutlich aus.

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Läuten wie gehabt weiter: die Glocken im Rotkreuzer Kirchturm. (Bild: Stefan Kaiser (Rotkreuz, 2. Juni 2017))

Läuten wie gehabt weiter: die Glocken im Rotkreuzer Kirchturm. (Bild: Stefan Kaiser (Rotkreuz, 2. Juni 2017))

Kirchenglocken geben in der ganzen Schweiz immer wieder Anlass zu Diskussionen. Die einen ärgern sich über das Geläute, für andere ist es eine schöne Tradition. Die Erinnerungen an den Streit in Oberägeri sind noch jung: Als das Betläuten um 5 Uhr morgens im letzten Sommer aufgrund einer Einsprache eingestellt wurde, gingen im Dorf die Emotionen hoch.

Um die Befindlichkeiten abzuklären und damit allfällige Konflikte früh genug zu erkennen, startete die Katholische Kirch­gemeinde Risch im März eine Befragung zum Glockengeläute der katholischen Pfarrkirche Rotkreuz. Die Umfrage sollte aufzeigen, ob und allenfalls zu welchen Zeiten das Läuten als störend empfunden wird. Kirchenratspräsidentin Margrith Hammer sagt: «Wir wollten uns beim Entscheid, ob Massnahmen erforderlich sind, an der Wahrnehmung der Bevölkerung orientieren.»

Für zwei Drittel nicht störend

Nun liegen die Ergebnisse der Befragung vor. Wie der Kirchenrat mitteilt, bleibt alles beim Alten. Die Bevölkerung empfinde das Glockengeläute der Pfarrkirche mehrheitlich nicht als störend, auch nicht in der Nacht. Rund zwei Drittel der Bevölkerung stören sich weder am Tag zwischen 6 und 21.45 Uhr noch in der Nacht zwischen 22 und 5.45 Uhr am Läuten und Schlagen der Glocken. Rund ein Drittel der Befragten stört sich am Glockenschlag während der Nacht. Auf die Frage nach dem Zeitpunkt des Morgengeläutes gaben 51 Prozent die Antwort, dass sie das Frühläuten um 6 Uhr als richtig empfinden. «Auf Basis des Ergebnisses, welches ein deutliches Bild zeichnet, haben wir nach eingehender Beratung entschieden, zum jetzigen Zeitpunkt keine Massnahmen zu treffen», sagt Margrith Hammer.

Sicherheit für künftige Entscheidungen

Das Resultat der Umfrage gibt den Verantwortlichen aber auch eine gewisse Sicherheit für allfällige künftige Anpassungen. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie eine permanente Reduktion der Lautstärke oder ein Abschalten der Glockenschläge während der Nachtstunden akzeptieren würden.

3000 Personen aus Rotkreuz, die älter als 16 Jahre sind, wurden befragt. «Angeschrieben wurde eine zufällige Auswahl von Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Auswahl erfolgte ungeachtet der konfessionellen Zugehörigkeit und der Staatsbürgerschaft», sagt Margrith Hammer. Das Link-Institut Luzern hat die Daten ausgewertet. Rund 1500 Antworten standen dem Marktforschungsunternehmen zur Verfügung. Mit einem Rücklauf von 50 Prozent dürfe die Beteiligung als hoch bezeichnet werden, ist die Ratspräsidentin der Ansicht. Sie sagt: «Wir sind mit dem Ablauf und dem Ausgang der Umfrage zufrieden.»

Sollten dennoch Beschwerden an den Kirchenrat gelangen, will das Gremium mit den Betroffenen das Gespräch suchen, sichert Margrith Hammer zu. Eine ähnliche Umfrage betreffend das Glockengeläute der katholischen Kirche in Risch sei nicht geplant.

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch