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ROTKREUZ: Hitzige Diskussionen am Zuger Bauerntag

Am gestrigen Zuger Bauerntag im Zentrum Dorfmatt referierten und diskutierten zwei nationale Grössen über die Gesamtschau des Bundesrats zur künftigen Agrarpolitik – und den Boykott für einen runden Tisch.
Charly Keiser
Markus Ritter, Adrian Hotz und Bernard Lehmann stellen sich auf dem Podium den Fragen. (Bild: Stefan Kaiser (Rotkreuz, 2. Februar 2018))

Markus Ritter, Adrian Hotz und Bernard Lehmann stellen sich auf dem Podium den Fragen. (Bild: Stefan Kaiser (Rotkreuz, 2. Februar 2018))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Hochkarätiger und aktueller hätte die Besetzung der Referenten und Podiumsteilnehmer des Zuger Bauerntags im Zentrum Dorfmatt in Rotkreuz gestern kaum sein können. Kreuzten doch Nationalrat Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes und Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, die Klingen.

Lehmann verteidigte die Sicht des Bundesrats, die vom Bauernverband stark kritisiert wird. Wie in der gestrigen Ausgabe zu lesen ist, wird im Moment um den runden Tisch «Mercosur-Agrar-Gipfel» gerangelt. Der Bauernverband – und allen voran Markus Ritter – will den Gipfel boykottieren, den Bundesrat Johann Schneider-Ammann für den 20 Februar anberaumt hat.

«Da machen wir nicht mit»

«Ich bin ein alter Hase und weiss, wie solche runden Tische organisiert werden», sagte Ritter in seinem Referat: «Man lädt zahlreiche Leute ein, und davon möglichst viele, die der Meinung des Organisators sind.» Jeder Teilnehmer bekomme zwei Minuten Redezeit und danach gebe es eine Medienmitteilung, in der es heisse, dass der runde Tisch sehr konstruktiv und die Mehrheitsmeinung deutlich gewesen sei. «Doch da machen wir nicht mit. Wir verlangen via Wirtschaftskommission, dass das Parlament den Bericht an den Bundesrat zurückweist.» Ritter zeigte auf, was die Ziele und Szenarien der Landesregierung gemäss Bericht sind. «Der Bundesrat will die Zölle reduzieren und so erreichen, dass die Preisdifferenz zwischen Ausland und Schweiz um 30 bis 50 Prozent geringer wird.» Ritter sprach sich in der Folge mehrmals deutlich gegen die Aufweichung oder Aufhebung des Grenzschutzes für die Landwirtschaft aus. «Wir haben heute 52000 Betriebe. Wenn Mercosur kommt, verschwinden jährlich statt 900 fast 1400 Bauernbetriebe.» Sie hätten den schönsten Beruf der Welt, den seine beiden Buben im Übrigen auch erlernen würden, sagte der oberste Bauer der Nation und warnte. «Doch diese müssen eine wirtschaftliche Perspektive mit kostendeckenden Preisen haben.»

«Die Schweizer Landwirtschaft hat einen guten Ruf»

Er wolle aufzeigen, was der Bundesrat eigentlich wolle, begann Bernard Lehmann, sichtlich bemüht, die Emotionen verflachen zu lassen, die sein Vorgänger in den Saal gebracht hatte. «Die Schweizer Landwirtschaft hat einen guten Ruf.» Die Veränderungen seien gross und für den Bundesrat sei es wichtig zu wissen, wie und wo der Weg weitergehe. «In Artikel 104a ist definiert, dass die primäre Funktion der Schweizer Landwirtschaft die Ernährung ist. Das ist neu und eröffnet Chancen», so Lehmann weiter. Was der Bundesrat im Übrigen vorgebe, sei keine Reform, sondern nur eine Weiterentwicklung. Und auch für ihn sei klar, dass nur gemacht oder verändert werde, was nötig sei. Die Schweiz sei in der Agrarpolitik ständig mit Forderungen anderer Staaten konfrontiert. Man müsse halt einfach auch das Gesamte sehen. Lehmann rechnete vor, dass alleine 200 Betriebe jährlich aufgrund der Kompensation für Bauland verschwinden würden und, dass aufgrund des Wachstums der Absatz steige. Er gehe davon aus, dass die Strukturreform weitergehe, aber diese sich langsam abflache.

Ob es für die Bauern nicht klüger wäre, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren, fragte jemand aus dem Publikum. «Der Grenzschutz ist das Fundament», konterte Ritter und betonte: «Wir unterstützen kein Abkommen, das gegen die Interessen der Bauern ist. Und wir bewegen uns keinen Millimeter von dieser Position weg.» Auch wenn der Grenzschutz bleibe, sei die Situation für viele Bauern schwierig, sagte Lehmann: «Die Rohstoffe sind zu wenig gut in Wert gesetzt. Es macht keinen Sinn etwas in der Menge zu begrenzen, das keinen Namen hat. Wir müssen Topprodukte produzieren, die wir mit Gewinn im Ausland absetzen können.»

Einig war man sich im Saal zwar nicht, aber die interessante Diskussion zeigt, wie stark die Bauern unter Druck sind.

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