ROTKREUZ: «Ich bin sehr betroffen und enttäuscht»

Der reformierte Pfarrer Roland Hadorn ist nur noch bis Ende Juli Seelsorger – nachdem seine Nichtnomination bestätigt wurde. Seine Abwahl kann sich der 57-Jährige noch immer nicht erklären.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Vivamus nec hendrerit tellused purus tincidunt vestibulum. . (Bild blindtextblindtext)

Vivamus nec hendrerit tellused purus tincidunt vestibulum. . (Bild blindtextblindtext)

Interview Wolfgang Holz

Herr Hadorn, wie gehts Ihnen nach der Entscheidung des Kirchgemeinderats?

Roland Hadorn: Ich bin sehr betroffen, enttäuscht und auch überrascht – sowohl über die Entscheidung, die der Kirchgemeinderat getroffen hat, wie auch über die unerwartete Opposition in der Rotkreuzer Bezirksversammlung. Die Debatte im Parlament habe ich nicht verfolgt. Andererseits sind die 176 Unterschriften, die für mich gesammelt worden sind, ein starkes Zeichen gewesen.

Haben Sie schon Reaktionen aus der Gemeinde erhalten?

Hadorn:Ich habe Reaktionen von zahlreichen Personen erhalten – E-Mails, Telefonate und SMS –, die sich enttäuscht und betroffen gezeigt haben und mir viel Kraft wünschen in der jetzigen Situation. Die Reaktionen waren alle positiv.

Was machen Sie nun? Werden Sie bis im Sommer im Amt bleiben?

Hadorn: Ich werde selbstverständlich weiterarbeiten bis Ende Juli und meinen Arbeitsvertrag erfüllen.

Aber mit welchen Gefühlen und mit welchem Vertrauen können Sie Ihrer Gemeinde am nächsten Sonntag im Gottesdienst gegenübertreten?

Hadorn:Von der Opposition mir gegenüber habe ich die vergangenen vier Jahre nichts gemerkt, nichts gespürt und nichts gesehen. Ich kenne diese Personen schlichtweg nicht, ebenso wenig wie die Gründe, die gegen mich sprechen sollen. Dabei wäre ich gerne jederzeit gesprächsbereit, um darüber zu reden. Im Gottesdienst werde ich dieses Thema selbstverständlich nicht zur Sprache bringen. In der Predigt geht es einzig um die Verkündigung des Evangeliums.

Könnten Sie sich vorstellen, sich noch einmal für die Pfarrstelle in Rotkreuz zu bewerben, wenn diese neu ausgeschrieben wird?

Hadorn:Dafür ist die jetzige Situation noch zu frisch. Das kann ich jetzt noch nicht entscheiden.

Hatten Sie denn den Eindruck, dass schon zu Beginn Ihrer Nomination vor vier Jahren die Chemie zwischen Ihnen und einem Teil der Gemeinde nicht stimmte?

Hadorn:Nein. Wie gesagt, ich bin sehr überrascht gewesen von dieser Opposition gegen meine Person. Und wenn sich niemand mir gegenüber negativ äussert, wenn sich niemand beschwert, habe ich auch keine Unzufriedenheit feststellen können.

Gibt es trotzdem Gründe, die Sie dazu veranlassen würden zu sagen: Das habe ich in den letzten Jahren vielleicht nicht richtig gemacht? Es wird Ihnen vorgeworfen, Sie hätten private psychologische Beratungen über die Adresse der Kirchgemeinde abgewickelt?

Hadorn:Wie gesagt, wenn niemand zu mir kommt und etwas Substanzielles gegen mich vorbringt, kann so ein Eindruck bei mir nicht entstehen. Ich habe das Gefühl, ich habe es gut macht. Was die psychologischen Beratungen angeht, habe ich keine einzige in Rotkreuz abgehalten, sondern lediglich in meiner vorigen Stelle in Klosters. Die Adresse «kirchgemeinde.ch.» wurde mir von Klosters geschenkt.

Sie würden also sagen, Sie haben Ihre Sache als Pfarrer gut gemacht?

Hadorn:Ganz bestimmt.

Vergeben Sie als Christ Ihren Gegnern?

Hadorn:Ja, ich wünsche Ihnen auch Gottes Segen.

«Rotkreuz: Schwieriges Pflaster»

wh. Warum hat der Kirchgemeinderat die Nichtnomination des Rotkreuzer Pfarrers derart deutlich bestätigt? «Es ist wohl das Demokratieverständnis gewesen», erklärt sich Kirchenratspräsident Rolf Berweger das Votum, das mit 33 Ja- zu 9 Nein-Stimmen ausgefallen ist. Andererseits habe ja kein rechtlicher Erklärungsnotstand bestanden – die Nominationsversammlung im Januar in Rotkreuz sei korrekt abgelaufen. Berweger räumt allerdings ein, dass nicht alles was rechtens sei, auch unbedingt menschlich sei – vor allem, wenn solche Personalentscheidungen anstünden. «Es ging zum einen um das Wohl des Pfarrers, zum anderen um das der Gemeinde», so der Kirchenratspräsident. Wobei ihm nicht bekannt geworden sei, dass Hadorn dem Wohl der reformierten Kirchgemeinde in Rotkreuz geschadet habe. Indes: Die anderen 14 Pfarrer seien alle mit Akklamation wiedergewählt worden. Berweger: «Der Bezirk Rotkreuz-Meierskappel ist aufgrund seiner sehr unterschiedlichen örtlichen und soziologischen Gegebenheiten ein ziemlich schwieriges Pflaster.» Bis nun ein Nachfolger für Hadorn gefunden sei, der aus Thun stammt, könne einige Zeit ins Land gehen. Berweger rechnet mit sechs bis zwölf Monaten. Die Pfarrwahlkommission werde erst zusammentreten, nachdem ein runder Tisch und eine Aussprache über die Gründe der Nichtnomination und über die seit Jahren konfliktbeladene Situation innerhalb der Kirchgemeinde stattgefunden haben. Ende Juli, wenn die Amtszeit von Roland Hadorn auslaufe, «wird ein Verweser – sprich: ein Interimspfarrer kommen». So ein Fall wie jetzt in Rotkreuz sei schon relativ selten. «Aber es ist schon einmal ein Pfarrer in Zug abgewählt worden.»