ROTKREUZ: Innovationspark: Das Projekt gewinnt an Fahrt

Neue Ideen und Geschäftsmodelle, Forschung und Vernetzung – das sind die Ziele des Vereins Innovationspark Zentralschweiz. Präsident Dirk Hoffmann erhofft sich vom Projekt, dass die Region und ihre Wirtschaft an Strahlkraft gewinnen.

Rahel Hug
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Dirk Hoffmann in den Räumlichkeiten der Suurstoffi 41, wo sich das Provisorium des Innovationsparks befindet. (Bild: Patrick Hürlimann (Rotkreuz, 6. September 2017))

Dirk Hoffmann in den Räumlichkeiten der Suurstoffi 41, wo sich das Provisorium des Innovationsparks befindet. (Bild: Patrick Hürlimann (Rotkreuz, 6. September 2017))

Interview: Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Mit dem Innovationspark Zentralschweiz wollen Unternehmen aus der Region gemeinsam mit den sechs Kantonen Luzern, Zug, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden sowie der Hochschule Luzern eine Plattform für Innovation und Forschung schaffen. Im Frühjahr hat der Verein seine Tätigkeit im Provisorium in der Suurstoffi in Rotkreuz aufgenommen. Letzte Woche wurde bekannt, dass der Innovationspark auch künftig in der Suurstoffi beheimatet sein soll: Die Vereinsmitglieder sprachen sich für den Standort Rotkreuz aus (Ausgabe vom 31. August). Wir haben hinter die Kulissen des Provisoriums geschaut und mit dem Präsidenten Dirk Hoffmann über die Idee, die Schwerpunkte und die weiteren Schritte gesprochen.

Dirk Hoffmann, wie erklären Sie jemandem, der von Wirtschaft nicht viel versteht, was Sie hier im Innovationspark genau machen?

Im Innovationspark arbeiten drei Interessengruppen zusammen, nämlich die Öffentlichkeit, vertreten durch die Politik, die Wissenschaft und die Wirtschaft. Die Plattform Switzerland Innovation, der wir uns angliedern wollen, hat sich zum Ziel gesetzt, die Innovationskraft der Schweiz im internationalen Wettbewerb voll auszuschöpfen. Das geht nur, wenn alle Beteiligten über die Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Innovation kommt nicht von allein, man muss stets dranbleiben. Gemeinsam geht das besser und schneller.

Der Schwerpunkt des Vereins ist «Building Excellence», es geht um Gebäudetechnik und Digitalisierung. Weshalb hat man sich für diesen Fokus entschieden?

Die Digitalisierung beeinflusst heute auch die Bauplanung und die Gebäudeausrüstung. Nicht mehr bloss das Smartphone, sondern das ganze Zuhause muss zunehmend auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtet werden. Und im Energiebereich sind nachhaltige Konzepte gefragt. Es gilt, den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes, vom Bauen bis zum Einrichten, anzuschauen. Isolierte Lösungen haben keine Zukunft mehr.

Wo liegen die Stärken der Zentralschweiz in diesem Gebiet?

Das sind klar die starken Player und ihre jeweiligen Kernkompetenzen. Etwa Siemens mit der Gebäudetechnik, Schindler mit den Aufzügen, V-Zug mit den Haushaltsgeräten oder Landis + Gyr im Energiemanagement – um nur einige zu nennen. Gemeinsam mit den Hochschul-departementen Technik & Architektur in Horw sowie Informatik in Rotkreuz können wir auf eine starke Basis zählen. Unter unseren Mitgliedern finden sich aber nicht nur Unternehmen aus der Zentralschweiz, sondern auch aus anderen Kantonen. Sogar eine internationale Firma aus Kalifornien ist mit dabei.

Stichwort Unternehmen: Der Verein zählt aktuell 34 Mitglieder, darunter Firmen wie Dätwyler, CKW, Anliker oder Alfred Müller. Sind auch kleinere Unternehmen Teil des Innovationsparks ?

Die Mischung macht es aus. Neben börsenkotierten, international tätigen Unternehmen gehören auch kleinere KMU-Betriebe dazu, etwa die Baumanagement-Firma Gemperle oder die Firma Clima-Nova, die Lüftungsanlagen baut. Auch Start-ups sind willkommen. Gemeinsam schaffen wir eine Art Ökosystem des Wissens und der Innovation, in dem jeder von jedem profitieren kann.

Das Provisorium in Rotkreuz wurde im Frühjahr bezogen. Was ist seitdem in diesen Räumen geschehen?

Zur Innovation gehört das Ausprobieren. Hier herrscht keine typische Bürokultur, die Atmosphäre ist kreativ. Vier bis sechs Angestellte von V-Zug arbeiten permanent hier. Sie erhalten oft Besuch von Studierenden oder Dozierenden des Informatikdepartements oder von Datenanalysten. Dann haben wir einen grossen Co-Working-Space mit geteilten Arbeitsplätzen. Und in einem halböffentlichen, durch eine Glasscheibe abgetrennten Raum können Vereinsmitglieder Workshops oder Besprechungen abhalten. Mitarbeiter von Dätwyler treffen sich regelmässig hier, aber auch von der Firma HHM, deren Kernkompetenz unter anderem das Building Information Modeling (BIM) ist. Dabei handelt es sich um einen auf einem Datenmodell basierenden Prozess, der Informationen und Werkzeuge für eine effiziente Bauplanung zur Verfügung stellt. Zurzeit bereiten Dätwyler und HHM ein gemeinsames Projekt in diesem Bereich vor. Ausserdem organisieren wir Open-House-Anlässe, bei denen wir Spezialisten zu verschiedenen Themen einladen. Ziel ist es, eine gemeinsame Wissensbasis aufzubauen und neue Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Anfang 2019 soll der Innovationspark definitiv in Betrieb gehen. Welche Schritte stehen bis dahin noch an?

Auf der Grundlage des kürzlich gefällten Standortentscheids erarbeiten wir nun einen Businessplan und ein Finanzierungsmodell. Das braucht es, damit wir bei Switzerland Innovation einen Antrag zur Anbindung stellen können. Einen Entscheid erwarten wir im nächsten Jahr.

Wo wird der Innovationspark genau unterkommen, wenn es so weit ist?

Es bestehen aktuell zwei Angebote seitens der Zug Estates, der Eigentümerin des Suurstoffi-Areals. Entweder wir kommen im bereits bestehenden Gebäude Suurstoffi 20 unter oder im neuen Campus, der zurzeit im Bau ist. Zu den Anforderungen von Switzerland Innovation zählt eine Mindestfläche von 1000 Quadratmetern sowie die Möglichkeit für eine Vergrösserung. Zug Estates hat uns ein flexibles Angebot gemacht, weshalb der Verein nicht unter Druck steht. Darüber sind wir sehr froh.

Was erhoffen Sie sich vom Projekt Innovationspark Zentralschweiz für die Zukunft?

Wir tun alles für die Angliederung an den Innovationspark Zürich unter dem Dach von Switzerland Innovation und wollen damit ein wichtiger Standort des nationalen Innovations-Netzwerks werden. Ich bin da sehr optimistisch. Das Projekt wird die Mitglieder stärken und Aufmerksamkeit für die Zentralschweiz schaffen. Davon erhoffen wir uns einen Gravitationseffekt; dass also weitere Unternehmen angezogen werden. Dies wiederum schafft Nährboden für weitere Innovationen. Am Schluss resultiert daraus hoffentlich eine Art Perpetuum mobile der Innovation.

Zur Person

Dirk Hoffmann (56) ist Präsident des im Sommer 2016 gegründeten Vereins Innovationspark Zentralschweiz. Seit 2013 ist er CEO von V-Zug. Der gebürtige Deutsche lebt in der Stadt Zug.