ROTKREUZ: Lebendige Geschichte in Risch – ein Rundgang

Der Archäologische Verein Zug hielt am Mittwochabend seine Generalversammlung. Im Anschluss hielt Stefan Hochuli einen öffentlichen Vortrag über archäologische und bauhistorische Kostbarkeiten der Gemeinde.

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Stefan Hochuli beim Referat in Rotkreuz. (Bild: Stefan Kaiser (3. Mai 2017))

Stefan Hochuli beim Referat in Rotkreuz. (Bild: Stefan Kaiser (3. Mai 2017))

Auf Rischer Gemeindeboden fand 2014 ein Mitarbeiter des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie unter den Wurzeln eines umgestürzten Baumes einen Münzschatz aus dem 19. Jahrhundert, bestehend aus belgischen, französischen, italienischen und schweizerischen Geldstücken. Der Chef des Amtes, Stefan Hochuli, erzählte in seinem Referat, dass es ab 1865 eine Währungsunion, die Lateinische Münzunion, gab, der noch weitere Länder beitraten und die bis 1926 Bestand hatte – also eine Art Vorläufer des heutigen Euro.

Im Jahr 2015 machten Bauarbeiter beim Aushub für ein neues Gebäude der Firma Roche Diagnostics in Rotkreuz einen Fund: Sie stiessen auf einen fast 2 Meter langen und 42 Kilogramm schweren Mammutzahn. Daneben fanden sich weitere Knochenreste. Die wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben, dass es sich hier um die jüngsten Mammutüberreste handelt, die je auf Zentralschweizer Boden gefunden wurden. Wollhaarmammuts dieser Grösse – mit 2,8 bis 3,8 Metern Schulterhöhe und 5 bis 8 Tonnen Gewicht – sind mit heutigen Elefanten vergleichbar und lebten hier vor gut 17 000 Jahren.

Ortsnamen liefern Hinweise

Vom 19. Jahrhundert zur Eiszeit – Stefan Hochuli nahm die zahlreich erschienenen Zuhörer durch seine Schilderungen in eine weit gespannte Vergangenheit mit, sprang hin und her zwischen den Epochen. Der rote Faden war ein imaginierter Rundgang, der vom Rotkreuzer Bahnhof im Uhrzeigersinn einen weiten Kreis beschrieb und schliesslich wieder am Ausgangspunkt endete. Der Referent zeigte eine alte Landkarte, die zwischen 1644 und 1660 vom Kartografen Hans Conrad Gyger hergestellt wurde und als augenfälligstes Merkmal eine, verglichen mit heute, spärliche Besiedelung ausweist. Die Endungen von Ortsnamen liefern Hinweise, wann Land erstmals genommen und urbanisiert wurde: -dorf weist auf das 6./7. Jahrhundert, -husen und -ikon auf das 7./8. Jahrhundert, und Dörfer wie Berchtwil, Chüntwil und Gangolfswil entstanden vom 9. bis zum 11. Jahrhundert. Hochuli erwähnte auch die reichlich vorhandenen Reste von Pfahlbauten in den Buchten von Buonas. Einige datieren aus der Jungsteinzeit, andere aus dem Hochmittelalter, gefährdet sind sie alle durch die Erosion unter Wasser. Beim Bau des Golfplatzes Sonnhalde wurden die Überreste zweier bronzezeitlicher Siedlungsplätze und ein römischer Friedhof mit Urnengräbern aus dem 2. Jahrhundert entdeckt und dokumentiert. Das Referat streifte das Schloss Buonas, die Kirche St. Verena mit ihren darunterliegenden sechs Vorläufern und schliesslich auch das «neue Schloss», welches 1873 bis 1877 von der Familie Gonzenbach im Stile der Tudor-Gotik errichtet wurde. Obwohl dieses ein Hauptwerk profaner Neugotik in der Schweiz war, wurde es 1970 abgebrochen.

Abschliessend führte Hochuli die Zuhörer auf den Chilchberg, wo rund 220 Steinblöcke aneinandergereiht liegen. Aus welcher Zeit stammen sie, und was waren sie – Weidmauer, militärische Befestigung, Kraftort? Des Rätsels Lösung erfahren Neugierige bei einer vom Archäologischen Verein organisierten Führung.

 

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Der archäologische Spaziergang «Die Steinreihen von Risch» findet am 24. Juni von 14 bis 16 Uhr statt.