ROTKREUZ: Streit um Häslihof eskaliert

In einem Brief hat der Besitzer des Häslihofes den Gemeinderat zu Geldzahlungen aufgefordert – nun ist er wegen Erpressung angezeigt.

Luc Müller
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Hasenvater Ueli Bichsel liegt schon länger mit dem Rischer Gemeinderat im Streit. (Archivbild Stefan Kaiser)

Hasenvater Ueli Bichsel liegt schon länger mit dem Rischer Gemeinderat im Streit. (Archivbild Stefan Kaiser)

Der Gemeinderat wehrt sich gegen Erpressung: Diese gab die Exekutive von Risch gestern in einer Medienmitteilung bekannt. «Die Grenze des Legalen wurde überschritten. Wir haben ohne Wenn und Aber darauf reagiert. So eine Situa­tion ist für uns extrem», sagt der Rischer Gemeindeschreiber Ivo Krummenacher. Ende Januar erhielt Gemeindepräsident Peter Hausherr einen Brief. Der Inhalt: Jeder der Gemeinderäte solle je 10 000 Franken einzahlen – werde dieser Forderung nicht Folge geleistet, komme ein Skandal um ertrunkene Hasen ans Licht, so der Absender. Gemäss Krummenacher habe der Briefschreiber dem Gemeinderat ein Ultimatum bis Ende Februar gesetzt. Absender ist Ueli Bichsel, der Besitzer des Rotkreuzer Häslihofes.

«Wir haben nun Strafanzeige wegen Erpressung erstattet. Der Brief enthält Unterstellungen und Beleidigungen», betont der Gemeindeschreiber. Jeder Gemeinderat stellt zudem Strafanzeige wegen übler Nachrede, eventuell Verleumdung und subsidiär Beschimpfung.

Fünf Hasen 2012 ertrunken

«Ich habe nun zu einer sicher drastischen Massnahme gegriffen», sagt Ueli Bichsel. «Ich weiss, was auf mich zukommen kann, denn ich habe mich mit meinem Anwalt abgesprochen.» Seiner Meinung nach handle es sich nicht um Erpressung, «weil ich mich persönlich nicht bereichern will». Dem Brief an den Gemeindepräsidenten habe er fünf Einzahlungsscheine beigelegt: solche von der Praxis seiner Tierärztin. «Mein Anwalt meint, ich habe Anrecht auf Genugtuung.» Denn im Juni 2012 sind nach einem starken Unwetter fünf Häsli von Bichsel ertrunken. Drei weitere haben gemäss Bichsel wegen Erschöpfung erlöst werden müssen. «Als ich damals während des Unwetters bei der Rischer Feuerwehr angerufen habe, wurde mir Hilfe verweigert», betont der 63-Jährige. Später habe sich der Feuerwehrkommandant bei ihm zwar entschuldigt, «aber nicht schriftlich, wie er mir noch versprochen hat», sagt Ueli Bichsel. Im vom ihm verfassten Brief, der klar ersichtlich seinen Absender trägt, macht Bichsel alle Gemeinderäte für den Tod der Hasen verantwortlich und bezeichnet diese auch als Verbrecher. «Wenn jeder nun 10 000 Franken zahlt, kann ich die medizinische Versorgung für meine Tiere sichern. Es geht mir immer um die Tiere, nicht um mich.»

Beim Unwetter vom Juni 2012 seien innerhalb von 24 Stunden 76 Schadensmeldungen eingegangen, erklärt der Gemeinderat. «Die Feuerwehr hat damals gute Arbeit geleistet und im Sinne aller gehandelt.» Es sei bedauerlich, dass damals Hasen zu Tode kamen. «Angesichts der Dimension des Unwetters muss man sich aber glücklich schätzen, dass keine Menschen zu Schaden kamen», betont der Gemeinderat.

Hasenställe müssen weg

Ueli Bichsel betreibt im Industriegebiet Erlen, nördlich des Rotkreuzer Bahnhofs, auf einer rund 1500 Quadratmeter grossen Anlage eine Auffangstation für vernachlässigte Hasen. Auf der gemeindeeigenen Parzelle leben rund 250 Tiere. Mit dem Gemeinderat ist Bichsel schon lange im Clinch. Grund: Er muss das Areal bis Ende 2014 verlassen, weil die Bewilligung für die Kaninchenauffangstation nur befristet war. Das hat der Gemeinderat immer klar kommuniziert. «Die Gemeinde will das Hasengehege räumen, weil hier ein Park entstehen soll, was aber gar nicht stimmt», ärgert sich Bichsel. Inzwischen hat er für seine Hasen ein Areal in Abtwil bei Sins gefunden.

Erlenpark wohl ab 2015

Für das Gebiet Erlen, das sich in der Arbeits- und Dienstleistungszone befindet, existiert ein Arealbebauungsplan, den der Souverän 2004 genehmigt hat. Dazu gehört auch der Bau des Erlenparkes. Die Bauordnung sieht vor, dass in der Arbeits- und Dienstleistungszone eine Grünflächenziffer von mindestens 25 Prozent eingehalten werden muss. Die Grünfläche wird nun zu einem Park zusammengefasst. Sobald mehr als 50 Prozent des Erlenareals verkauft waren, was Ende 2012 der Fall war, musste die Gemeinde mit dem Parkbau beginnen. Provisorisch erlaubte Nutzungen wie die Roche-Parkplätze und der Häslihof müssen zurückgebaut werden. Die Ställe müssten auch weg, weil sie nicht zonenkonform seien, betont Ivo Krummenacher. «Der Erlenpark wird auf der Parzelle entstehen, die Roche für Parkplätze genutzt hat», so Krummenacher. 2015 soll mit dem Bau des Parkes begonnen werden.