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ROTKREUZ: «War überrascht – und bin es noch immer»

Der reformierte Pfarrer Roland Hadorn wurde nicht zur Wiederwahl nominiert. Heute hält er seinen letzten Gottesdienst – danach zieht es ihn in die Berge.
Rahel Hug
«Ich habe die Gründe der Nicht-Nomination nach wie vor nicht erfahren.» (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Ich habe die Gründe der Nicht-Nomination nach wie vor nicht erfahren.» (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Während dreieinhalb Jahren hat Roland Hadorn in Rotkreuz als reformierter Pfarrer gedient. Diese Zeit nimmt nun ein für ihn vorzeitiges Ende. Der 58-Jährige wurde nämlich im Januar von der Bezirksversammlung in Rotkreuz mit 20 Nein- zu 15 Ja-Stimmen nicht zur Wiederwahl nominiert. An der Versammlung des Grossen Kirchgemeinderats im März bestätigten die Mitglieder seine Nicht-Nomination. Heute hält Roland Hadorn seinen Abschiedsgottesdienst. Seine Stellvertretung wird bis zum August von verschiedenen Pfarrpersonen wahrgenommen. Ab dem 1. August wird Rüdiger Oppermann die Vakanzvertretung übernehmen. Im Interview erzählt Roland Hadorn, wie er die vergangenen Monate erlebt hat und wie es sich nun anfühlt, den Bezirk Rotkreuz zu verlassen.

Roland Hadorn, mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihren letzten Gottesdienst am Sonntag?

Roland Hadorn: Welche Gefühle sich einstellen, ist im Vorfeld schwierig zu sagen. Es geht nun für mich darum, vieles, was in Beziehungen und in Projekten gelungen ist, zurückzulassen; dies bedaure ich. Gerade auch die grosse Solidarität vieler Kirchgemeindeglieder, die mir in den letzten Monaten zugekommen ist, ist berührend. Übrigens – einen bewegenden Abschied hat es diese Woche bereits im Altersheim Dreilinden anlässlich des Hausgottesdienstes gegeben. Da ist mir viel Dankbarkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern und auch von der Heimleitung entgegengekommen. Dies führte dann zum sprichwörtlich lachenden und weinenden Auge.

Werden Sie in der Predigt Ihre Abwahl zum Thema machen? Was wollen Sie den Gemeindemitgliedern sagen?

Hadorn: Ich möchte die Predigt dem Evangelium vorbehalten. Indirekt wird aber schon auch etwas von dem zur Sprache kommen, was ich in jüngster Zeit erlebt habe. Sinngemäss werde ich sagen: Das Evangelium von Jesus Christus ist das, was in den Höhen und Tiefen des Lebens trägt. Ein persönliches Dankeswort werde ich dann im Rahmen des anschliessenden Apéros an die Gemeindeglieder und an meine Mitarbeiter richten.

Seit der Versammlung des Grossen Kirchgemeinderats, an der Ihre Nicht-Nomination bestätigt wurde, sind nun über drei Monate vergangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Hadorn: Zum einen habe ich das Pfarramt vollumfänglich weitergeführt. Zum anderen galt es, die berufliche Zukunft und damit auch Privates zu regeln. Eine sehr anspruchsvolle Zeit! Ich habe sie gesund und letzten Endes munter überstanden.

Sie haben sich damals überrascht über das Ergebnis gezeigt. Herrscht mittlerweile mehr Klarheit über die Gründe, die zu Ihrer Nicht-Nomination führten?

Hadorn: Ich war damals überrascht und bin es noch immer. Weil weder im Vorfeld noch während der Wahlversammlung Unzufriedenheit erkennbar war. Und nach wie vor habe ich über die Gründe der Nicht-Nomination nichts erfahren.

Haben klärende Gespräche mit Ihren «Gegnern» stattgefunden?

Hadorn: Nein. Ich selbst habe nach der Bestätigung der Nicht-Nomination durch die kirchliche Legislative keine Gespräche gesucht, denn mit dieser Bestätigung war mein Weggang beschlossene Sache. Die Unzufriedenen haben sich leider weder vor noch während und auch nach der Wahlversammlung zu erkennen gegeben, weder mir noch der Kirchenpflege gegenüber. Hingegen habe ich der Kirchenpflege meine Einschätzung der Nicht-Nomination detailliert dargelegt. Ferner sind Gespräche mit der Gesamtkirchgemeinde – also auch mit den Unzufriedenen – aufgegleist, und die finden dann nach meinem Weggang statt.

Welche Rückmeldungen haben Sie in den vergangenen Monaten erhalten?

Hadorn: Wie es war, so ist es geblieben: ausschliesslich positive Rückmeldungen. Dabei weiss jeder Pfarrer, dass es Einzelne anders sehen. Es kommt halt auf den Stil an, wie man mit Differenzen umgeht. Viele verstehen bis heute nicht, was gelaufen ist und dies hat teilweise erheblichen Unmut ausgelöst. Die grosse Unterstützung aus der Kirchgemeinde bleibt in der Bilanz ein Aufsteller und der Tenor der letzten Monate.

Wohin zieht es Sie nun?

Hadorn: Ich bin von der Bündner Kirchgemeinde Thusis/Masein einstimmig zum Pfarrer gewählt worden.

Wie fühlt es sich an, die Reformierte Kirche Rotkreuz zu verlassen? Verspüren Sie einen gewissen Groll?

Hadorn: Nein, ich habe keinen Groll entwickelt. Weiterkommen bedeutet auch: einen Schlussstrich ziehen. Ich wende mich der neuen Aufgabe zu. Und wie gesagt: Es bleiben sehr viele positive Erfahrungen. Und was ich in den letzten Monaten als Pfarrer erlebt habe, hat mich stärker gemacht und noch sensibler für Menschen, denen etwas zustösst, mit dem sie in keiner Weise gerechnet haben.

Sie haben dreieinhalb Jahre im Dienst der reformierten Gemeinde gestanden. Was wird Ihnen aus dieser Zeit positiv in Erinnerung bleiben?

Hadorn: Ich konnte vieles initiieren und ein schöner Teil wurde von der Kirchgemeinde gut aufgenommen. So konnte ich die ökumenischen Kontakte ausbauen, die Rezitationen fanden ihr Publikum ebenso wie die Waldweihnacht oder der Gottesdienst im Freien in Meierskappel, ehemalige Konfirmanden konnte ich in die Jugendarbeit integrieren und insbesondere erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit dem Bezirk Ägeri, was den Konfirmanden-Unterricht betrifft. Und es wäre mehr anzufügen.

Hinweis

Der Abschiedsgottesdienst von Roland Hadorn findet heute um 10.15 Uhr in der Reformierten Kirche Rotkreuz statt. Im Anschluss wird ein Apéro serviert, bei dem die Gelegenheit besteht, sich von Roland Hadorn persönlich zu verabschieden.

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