ROTKREUZ: Warten auf weiteren Zughalt

Seit Jahren wird ein zusätzlicher Halt der Interregio-Züge verlangt. Die SBB erkennen mittlerweile Handlungsbedarf.

Harry Ziegler
Drucken
Teilen
Zug wünscht sich einen zusätzlichen Halt des Interregio in Rotkreuz. (Bild Maria Schmid)

Zug wünscht sich einen zusätzlichen Halt des Interregio in Rotkreuz. (Bild Maria Schmid)

Harry Ziegler

Ein zusätzlicher Halt der Interregio-Züge (IR) in Rotkreuz würde die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs steigern. Allerdings dürfte ein weiterer Halt in nächster Zeit kaum realisiert werden. Das geht aus der regierungsrätlichen Antwort auf eine Interpellation von Kantonsrat Kurt Balmer (CVP, Risch) hervor. Er möchte wissen, was die Regierung seit der Beantwortung eines Postulats gleichen Inhalts im Mai 2012 unternommen habe, um zusätzliche Interregio-Stopps in Rotkreuz zu erreichen.

Kein direkter Einfluss

Die Volkswirtschaftsdirektion und das zuständige Amt liessen keine Gelegenheit aus, um den zweiten IR-Halt in Rotkreuz zu fordern. Die zuständigen Stellen der SBB würden bei regelmässigen Gesprächen und Korrespondenzen mit dem Thema konfrontiert, heisst es in der Interpellationsantwort.

Ausser dem steten Vortragen des Anliegens, kann der Kanton Zug nicht viel mehr machen, um sich durchzusetzen. Denn: Der Kanton Zug könne «nicht direkt auf die Ausgestaltung des Angebots im Personenfernverkehr Einfluss nehmen». Daran würde auch ein vermehrter Einsatz kantonseigener finanzieller Mittel nichts ändern. Und rechtlich habe der Kanton keinen Hebel, um den Bund oder die SBB zu einem erhöhten Angebot zu zwingen. Es sei deshalb viel wichtiger, dass neben der Politik auch die Wirtschaft Druck auf die zuständigen Stellen bei Bund und SBB ausübten. Beispielsweise mittels Petitionen, wie vom Verein Zug West eingereicht. Die Petition verlangt unter anderem einen halbstündlichen Interregio-Halt auf der Linie Luzern-Zug-Zürich (Ausgabe vom 19. Dezember 2014).

Immerhin habe der stetige Druck aus Zug nun dazu geführt, dass die SBB inzwischen explizit den Handlungsbedarf beziehungsweise das Ziel von zusätzlichen Fernverkehrshalten in Rotkreuz anerkennen, so die Regierung. Die SBB hätten ferner ihre Bereitschaft signalisiert, nach umsetzbaren Lösungen zu suchen.

Mehr Infrastruktur nötig

Der Kanton Zug habe auch versucht, alternative Wege zu beschreiten. So etwa, indem eine Bestellung von Schnellzügen als Regionalverkehr (Regio-Express-Züge, RE) geprüft wurde. Eine entsprechende Richtofferte sei bei den SBB angefordert worden. Einerseits, um zu signalisieren, dass Handlungsbedarf bestehe; andererseits, um zu zeigen, dass «der Kanton sogar bereit sein könnte, sich finanziell bei RE-Zügen zu engagieren.» Allerdings konnte in der Praxis keine Lösung gefunden werden, weil RE-Halte ohne zusätzliche Infrastruktur nicht möglich sind.

Seitens der SBB besteht nun seit einiger Zeit die Absicht, nach der Totalsperre Zugersee Ost ein neues Angebotskonzept zwischen Zürich–Zug–Luzern umzusetzen. Eine Planungsgruppe, in der das Amt für öffentlichen Verkehr vertreten ist, ist eingesetzt. Vorgesehen wäre der Ersatz der heutigen IR-Züge durch halbstündlich zwischen Luzern-Rotkreuz–Zug–Baar–Thalwil–Zürich verkehrende RE-Züge. Damit wären die Forderungen des Kantons Zug erfüllt. Wäre da nicht die fehlende Infrastruktur. Diese müsste mindestens zwischen Baar und Zug sowie in Cham und Rotkreuz ausgebaut werden. Was wiederum wohl frühestens 2030 mit der neuen Regelung zur Finanzierung der Bahninfrastruktur (Fabi) möglich sein dürfte.

Hilfreiche Vorfinanzierung?

Zwar sei der zusätzliche Halt in Rotkreuz nicht aus finanziellen Gründen verweigert worden. Ein finanzielles Engagement des Kantons könnte Sinn machen, wenn die Fabi-Planungen einen zweiten Halt in Rotkreuz ermöglichen würden. In einem solchen Fall bestünde für den Kanton Zug die Möglichkeit einer Vorfinanzierung der notwendigen Infrastruktur. Aber: Ein zusätzliches finanzielles Engagement des Kantons Zug, so die Regierung, sei im Licht des Entlastungsprogramms zu beurteilen.

Kapazitäten voll nutzen

Der Regierungsrat werde weiter abklären lassen, wann Rollmaterial zum Einsatz kommt, dass die aktuell eingesetzten Züge mit langen Fahrgastwechselzeiten ablöse. Dann sei es laut SBB möglich, «dass im bestehenden Fahrplankonzept ein zusätzlicher Halt in Rotkreuz bei Einsatz von spurtstarkem Rollmaterial theoretisch betrieblich machbar wäre», so die Regierung. Sie werde den Druck auf die SBB weiter aufrechterhalten. Sie will nicht von der Forderung abrücken, im bestehenden Angebot die mögliche Kapazität voll auszunutzen. So unter anderem mit Doppelstockzügen oder mit der betrieblich maximal zulässigen Zuglänge. Dies, wenn nötig, auch mit Lenkungsmassnahmen zu Lasten schwächer ausgelasteter Linien, wie der S 24.