HINGESCHAUT: Rüstige Kühe ersetzen öde Graffiti

HINGESCHAUT: Das Pulverhüsli in der Herti strahlt auch dank des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes wie noch nie.

Marco Morosoli
Merken
Drucken
Teilen
Das Pulverhüsli in der Herti Allmend ist wieder ein Blickfang.

Das Pulverhüsli in der Herti Allmend ist wieder ein Blickfang.

Bild: PD

Dem Internet sei Dank: Das Bundesamt für Landestopografie – kurz Swisstopo – bietet mit «Zeitreise» einen Service an, mit dem bisweilen das Alter eines Gebäudes besser zu ­bestimmen ist als mit der lokalen Plattform www.zugmap.ch. Beim «Pulverhüsli» in der Herti-Allmend liegen die Angaben zwar nicht so weit auseinander, aber immerhin ist die Differenz zwischen Baujahr 1908 (Zugmap) und Baujahr 1919 (Swisstopo) doch beträchtlich. Zudem würde ein Pulverhüsli nach dem Ende des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) auch noch einen Sinn ergeben.

Östlich des Baus mit Flachdach bildet der noch nicht begradigte Schleifibach ein kleines Sumpfgebiet. Die Bahngeleise der Zuger Schleife sind damals – neben den Erschliessungswegen – die einzigen von Menschenhand gebauten Objekte weit und breit. Die sich heute in unmittelbarer Nähe des Pulverhüslis befindliche Gartenanlage ist auch noch nicht angelegt. Das Herti-Quartier beginnt erst ab den 1970er-Jahre stetig von der General-Guisan-Strasse nordwärts zu wachsen. Das Munitionsdepot ist also beim Bau richtiggehend ab vom Schuss. Das liegt wohl auch im Interesse der Bauherrschaft, da von den gelagerten Materialien ja eine potenzielle Gefahr ausgeht. Wie der Zuger Architekt Urs Keiser weiss, ist das Pulverhüsli im Westen der Stadt Zug kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges umgebaut worden.

Urs Keiser ist derjenige, der das ehemalige Munitions­lager im Vorfeld des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes, das Ende August 2019 stattgefunden hat, wieder auf Vordermann bringt. Er tut dies im Auftrag der Korporation Zug. Diese ist mittlerweile Eigentümerin der Baute, die weiterhin als Lagerstätte dient. Vermeintliche Künstler haben an der Nordseite des Gebäudes Graffitis angebracht. Von «Liebe» über «Gras» – natürlich in Englisch – bis zu einem undefinierbaren Buchstabengewurschtel bedeckt, hat der Spaziergänger den Eindruck einer Baute in einer Stadt im Osten Deutschlands, bei dem die Eigentumsfrage noch nicht klar geregelt ist.

Eine Sanierung, die einem doppelten Zweck dient

Solche Zweifel kommen heute nicht mehr auf. Das Pulverhüsli hat Charme. Auf der Fassade ist ein Zuger Wappen zu sehen. Hinzu sind Kühe gekommen, welche die Fahne der Korporation hoch halten. Im Januar 2018 haben die Korporationsbürger einen Kredit von alles in allem 650000 Franken gesprochen. Der Umbau des Pulverhüslis kostet rund 350000 Franken. Der Rest der Summe wendet die Korporation für anderes rund um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfestes auf. Das Gebäude erhält einen Wasser- und Abwasseranschluss sowie Zugang zu Strom. Wie in der Kreditvorlage von Anfang 2018 zu lesen ist, lohnt sich die Investition auch deshalb, weil das Schwing-OK andererseits der Korporation gehörendes Land nutzt und durch Bodenverbesserungen auffrischt. Die Malerarbeiten im Aussenbereich sind ein Gemeinschaftswerk von Kantonsschülern und Maler-Lehrlingen. Eine Kooperation, die es so noch nie gegeben hat. Viele Besucher der Schwingarena des Eidgenössischen liefen Ende August am wieder erstrahlten einstiegen Zweckbau vorbei. Zudem haben die Zuger eine Baute, die sie immer an dieses aussergewöhnliche Fest erinnert.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und ­Zuger Bezug nach.