Kolumne

Ruhe vor dem Sturm im Spital

Die Hünenbergerin Isabelle Achermann beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.

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Viele denken, dass in den Spitälern derzeit die Post abgeht. Doch mein Alltag in einem Zentralschweizer Spital ist durch die Coronakrise ruhiger geworden. Ich arbeite auf der Chirurgie-Abteilung, wo es viel weniger Patienten hat und nur noch die notwendigsten Eingriffe durchgeführt werden. Entsprechend machen wir im Spital nun Kurzarbeit.

Isabelle Achermann, (26, Pflegefachfrau), Hünenberg

Isabelle Achermann, (26, Pflegefachfrau), Hünenberg

Seit Mitte März gilt im ganzen Spital ein Besuchsverbot. Die Patienten bleiben in ihren Zimmern und telefonieren mit ihren Angehörigen. Die Massnahmen für das Pflegepersonal haben sich verschärft. Mussten anfangs nur Personen, welche mit Coronapatienten in Kontakt stehen, Schutzmasken und -kleider tragen, muss das nun das gesamte Spitalpersonal. Da kommt es halt auch zu Engpässen bei den Schutzmasken. Ich behandelte bis jetzt keine Coronapatienten, doch das kann sich schnell ändern.

Auch wenn wir im Spital gut informiert werden, ist die Ungewissheit belastend. Wir stehen an der Front und es herrscht so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm. Niemand weiss, ob und wann die grosse Welle der Coronafälle kommt. Ich habe keine Angst, denn wir sind gut vorbereitet, aber die Situation flösst mir Respekt ein. Den Ausgleich in dieser anspruchsvollen Zeit finde ich in Gesprächen mit der Familie und meinem Freund – natürlich vor allem per Telefon.

Ich gehe nur noch nach draussen, wenn es nötig ist. Das ist entscheidend, weil wir Pflegefachpersonen eng mit Risikogruppen in Kontakt kommen. Im Spital spüren wir seit dem Ausbruch der Pandemie mehr Wertschätzung der Patienten. Die Coronakrise kann eine Chance sein, dass wir als Pflegepersonal ernster genommen werden und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Manchmal wache ich morgens auf und denke: Hoffentlich ist das alles bald vorbei. Ich vermisse die Normalität und freue mich darauf, wieder zu machen, worauf ich Lust habe, ohne mir zuvor gross überlegen zu müssen, ob das nun sinnvoll und regelkonform ist.

Aufzeichnet von: Laura Sibold